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Studie untersucht illegale Strassen im Amazonas

Manaus, 10. März 2007

Sie galt als ehrgeizigstes Projekt der brasilianischen Geschichte und sollte den Atlantik mit dem Pazifik quer durch den undurchdringlichen Regenwald verbinden. Tausende von Menschen wurden mit Ausblick auf eine bessere Zukunft in ein „Land ohne Leute“ gelockt. Doch das Projekt scheiterte. Die Natur Amazoniens konnte dabei zumindest einen kleinen Sieg in der Schlacht um die Besiedlung des grössten Waldverbundes der Welt erringen. Mehr als 30 Jahre nach dem Baubeginn ist die Transamazônica ist an vielen Stellen wieder überwuchert, verfallen, unpassierbar.



Doch was die Regierung mit unglaublichem finanziellem Aufwand, schwerem Gerät und ausländischen Spezialisten nicht schaffte, scheint für die Menschen vor Ort ein geringeres Problem darzustellen. Neueste Erkenntnisse liefert dazu eine Studie des „Institutes für Menschen und Umwelt Amazoniens“ (Imazon), die nun vorgestellt wurde.

„Die Motorsäge und der Traktor sind die wichtigsten Hilfsmittel, um illegale Strassen in den Wald zu schlagen“ erläutert Carlos Souza Júnior, welcher für die Studie verantwortlich ist. Jedes Jahr würden rund 1.900 Kilometer neue Wege den Dschungel durchziehen. Dies wäre eindeutig anhand von aktuellen und hochauflösenden Satellitenaufnahmen zu erkennen. Neun von zehn Kilometern des illegalen Wegenetzes entstünden dabei in den Bundesstaaten Mato Grosso, Pará und Rondônia.

173.023 Kilometer nicht genehmigte Strassen – dies entspricht ungefähr dem gesamten Strassennetz Österreichs – konnten so mit modernster Technik aufgespürt werden. Die in die „grüne Hölle“ geschlagenen Wege dienen natürlich in erster Linie dem Abtransport des hauptsächlich illegal geschlagenen Holzes. Sie machen auch vor den geschützten Regionen nicht halt und führen teilweise quer durch Nationalparks. Auch an den offiziellen Strassen sind illegale Abzweigungen, die weit ins Waldesinnere hineinreichen, gefunden worden. An ihren Rändern entstehen durch Brandrodung meist Monokulturen der Siedler. Der Boden kann jedoch nur wenige Jahre genutzt werden, Erosion spült zudem wichtige Nährstoffe fort. Viele Hunderttausend Hektar brachliegende Flächen bringen dort die Natur nun immer mehr aus dem Gleichgewicht.

Und der Staat scheint machtlos zu sein. In der riesigen Region fehlen Beamte um den Raubbau an der Natur zu verhindern und auch die Gesetzeslage scheint ebenfalls sehr undurchsichtig zu sein. Wurden doch in der Vergangenheit mit Vorliebe Konzessionen verteilt, die eine begrenzte Abholzung erlauben und somit die Natur schützen sollten. Und dies sogar mit Einverständnis der Umweltschützer. Für Marcelo Marquesine von Greenpeace stellt die staatlich genehmigte selektive Ausdünnung des Holzbestandes prinzipiell kein Problem dar. „Aber dass die Firmen mit dem dadurch erwirtschaftetem Geld immer tiefer diese riesige Schneisen in den Urwald schlagen“ so der Umweltaktivist, „ist und bleibt illegal und muss beendet werden“.

Carlos Souza Júnior hofft nach der Veröffentlichung der Studie nun auf ein Eingreifen der Regierung in Brasília. Durch den Vergleich mit früheren Aufnahmen könne man die Entwicklung voraussehen. „Im Endeffekt kennen wir nun die aktuellen natürlichen Grenzen und können sagen, an welchen Punkten sich die Zerstörung fortsetzen wird. Und wir könnten etwas dagegen tun.“

Marcelo Marquesine teilt diese Hoffnung jedoch nicht. „Die Bezirksregierungen müssten als erstes wirtschaftliche Alternativen für die Firmen und die Siedler anbieten, um die Abholzung effektiv reduzieren zu können. Zudem gibt es keine einheitlichen Regelungen im Amazonasgebiet. Die Gesetzeslage ist unklar. Hier herrscht in dieser Beziehung reines Chaos.“

Dietmar Lang für BrasilienPortal

 

 

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