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Karneval 2019: Enredos der Elite-Sambaschulen Rio de Janeiros Teil 2

Veröffentlicht am 29. Dezember 2018 unter Karneval News

In der Nacht vom 4./5. März werden im Samódromo Rio de Janeiros sieben der 14 Elite-Sambaschulen mit ihren Paraden um den Titel als Champion antreten. Wir haben hier für Sie die Enredos von São Clemente, Unidos de Vila Isabel, Portela, União da Ilha do Governador, Paraíso do Tuiuti, Estação Primeira de Mangueira und Mocidade Independente de Padre Miguel zusammengefasst.

Carnaval Rio 2018 Portela – Foto: Gabriel Monteiro/Riotur

Império Serrano, Unidos do Viradouro, Acadêmicos do Grande Rio, Acadêmicos do Salgueiro, Beija-Flor de Nilópolis, Imperatriz Leopoldinense und Unidos da Tijuca werden in der Nacht vom 3./4. März antreten. Deren Enredos finden sie hier.

Paraden in der Nacht von Montag auf Dienstag, 04./05. März 2019

São Clemente
E o samba sambou…
Und der Samba tanzte Samba…

1990 hat São Clemente mit dem gleichen Enredo-Titel sein bisher bestes Ergebnis eingefahren, den sechsten Platz. Jetzt will es ihm noch einmal aufleben lassen. Im Mittelpunkt stehen der Samba und der Karneval. Versprochen wird eine humorvolle Kritik. Ironisieren will São Clemente unter anderen, dass die Königinnen der Perkussion für ihre Beteiligung an den Paraden bezahlen müssen, dass die Paraden wegen der Fernsehübertragungen gekürzt werden mussten oder in den Camarotes (Séparées) des Sambódromos Sertanejo gespielt wird.

Auch Rio de Janeiros Bürgermeister Marcelo Crivella kommt nicht ungeschoren davon. Der religiöse Politiker und evangele Bischof hat sich bisher geweigert zur Karnevalszeit den Schlüssel der Prefäktur an König Momo zu übergeben.

Unidos de Vila Isabel
Em nome do Pai, do Filho e dos Santos, a Vila canta a Cidade de Pedro
Im Namen des Vaters, des Sohnes und der Heiligen, die Vila besingt die Stadt Petrus


Die Stadt „Petrus“ steht für Petrópolis, der nur unweit von Rio de Janeiro in den Bergen der Serrana Fluminense gelegenen, einst kaiserlichen Stadt. Vormals diente die Stadt als Sommersitz, aber auch heute noch suchen viele „Cariocas“ die Kühle der Berge, um den heißen und schwülen Sommerwochen Rio de Janeiros zu entkommen.

Unidos de Vila Isabel will die Geschichte der Stadt präsentieren und ebenso den Glanz der Kaiserzeit. Vila Isabel zeigt damit aber auch auf ihre Namensgeberin, Prinzessin Isabel, die in der von Pedro II. gegründeten Stadt zeitweise gelebt hat.

Portela
Na Madureira moderníssima, hei sempre de ouvir cantar um Sabiá
Im modernsten Madureira, gibt es immer einen singenden Sabiá zu hören


Mit dem singenden Sabiá ist die 1983 verstorbene brasilianische Sängerin Clara Nunes gemeint. Sie wird einmal mehr von “ihrer“ Portela geehrt. Kein anderer hat so vielen Liedern der Portela-Komponisten seine Stimme gegeben, wie Clara Nunes das getan hat.

Die Samba- und Bolero-Sängerin war eng mit der Portela verbunden. Nach ihrem Tod wurde ihr Körper in der Sambaschule im Madureira zur letzten Ehrerweisung aufgebahrt. Schon 1984 hatte Portela dann die Sängerin mit dem Enredo “Contos de Areia“ geehrt und sich damals gemeinsam mit Estação Primeira de Mangueira den begehrten Siegertitel geholt.

União da Ilha do Governador
A peleja poética entre Rachel e Alencar no avarandado do céu
Der poetische Wettkampf zwischen Rachel und Alencar in der Himmelsstube


Mit zwei der wichtigsten Poeten und Schriftstellern Brasiliens wird União da Ilha do Governador die Literatur und Poesie ins Sambódromo bringen. Geehrt werden die aus dem brasilianischen Bundesstaat Ceará stammenden Literaturgrößen Rachel de Queiroz (1910 – 2003) und José de Alencar (1829 – 1877).

In ihren Romanen, Chroniken und zahlreichen zahlreichen Werken hat Rachel de Queiroz Leben und Kultur des Nordostens Brasiliens festgehalten. Die 2003 verstorbene Schriftstellerin war zudem die erste Frau, die in der Academia Brasileira de Letras aufgenommen wurde.

José de Alencar gilt als einer der bedeutendsten Schriftsteller Brasiliens. In seinen Romanen hat er sich gesellschaftskritischen Themen gewidmet und dabei auch Tabus aufgegriffen, wie der Stellung der Indios in der Gesellschaft.

Paraíso do Tuiuti
O salvador da pátria
Der Retter des Vaterlandes


Paraíso do Tuiuti will einmal mehr eine Gesellschaftskritik wagen. Aufhänger dafür sind die Legenden über den Ziegenbock ”Ioiô”. Der hat in den 1920er Jahren in Fortaleza das Leben eines Bohème geführt, wie erzählt wird. Er soll in den Bars und Cafés der Stadt ein und ausgegangen und dort von Gästen und Inhabern verwöhnt worden sein.

Seine Berühmtheit war so groß, dass er 1922 sogar zum “vereador“ (Stadtrat) gewählt worden sein soll – als Protest gegenüber der Politik. Ioiô ist damit mehr als eine folklorische Figur des Nordostens Brasiliens. Noch heute ist er ausgestopft im Geschichtsmuseum Cearás zu bewundern.

2018 hat Paraíso do Tuiuti mit seiner Kritik über die Ausbeutung und der Frage, ob das Sklaventum tatsächlich abgeschafft worden ist, den zweiten Platz bei den Paraden belegt.

Estação Primeira de Mangueira
História pra ninar gente grande
Geschichte, um große Leute zu beruhigen


In den Geschichtsbüchern finden meist nur “große Leute“ Eingang. Dass die Geschichte eines Landes aber auch von den “kleinen Leuten“, dem Volk, geschrieben wird, will Estação Primeira de Mangueira mit seinem Enredo aufzeigen. Neben für Brasilien historisch wichtige Figuren wie Pedro Álvares Cabral, Dom Pedro I., Prinzessin Isabel und Marechal Deodoro werden bei der Parade der Mangueira auch weniger Bekannte ihren Platz erhalten, wie Maria Felipa, Cunhambebe und Chico da Matilde.

Die Afrobrasilianerin Maria Felipa hat für die Unabhängigkeit des Bundesstaates Bahia gekämpft. Cunhambebe war ein Indio-Führer der Tamoios, die den Portugiesen heftigen Widerstand geboten haben. Chico da Matilda hat eine Bewegung angeführt, die im Bundesstaat Ceará das Ende der Versklavung vier Jahre vor dem offiziellen Aus durch das Gesetz Lei Áurea erreicht hat.

Mocidade Independente de Padre Miguel
Eu sou o Tempo. Tempo é Vida
Ich bin die Zeit. Zeit ist Leben


Mocidade Independente de Padre Miguel hat sich für sein Enredo von der Zeit inspirieren lassen und will mit ihren Allegorien den Antworten auf die Frage “Was ist Zeit?“ näher kommen. Zeigen will sie, wie die chronometrierte Zeit unser Leben beeinflusst, uns zu Gefangenen, zu Ausreißern und zu den Schöpfern unseres Lebensinhaltes macht.

Versprochen wird ebenso eine verrückte Reise von der Gegenwart in die Vergangenheit und zurück zur Zukunft.