X-9 Paulistana beendet wie schon im letzten Jahr São Paulos Sambaparaden am Karneval 2016

Veröffentlicht am 7. Februar 2016 unter Karneval News

Unidos do Peruche
Der Champion der Aufsteigergruppe von 2015, die Sambaschule Unidos do Peruche – in diesem Jahr wieder in der Spitzengruppe – erscheint im Sambódromo von São Paulo mit einem Thema, das sich als Referenz an den Samba entpuppt: “Ponha um pouco de amor numa cadência e vai ver que ninguém no mundo vence a beleza que tem o samba…100 anos de samba, minha vida, minha raiz” (Steck’ ein bisschen Liebe in eine Kadenz, und du wirst sehen, dass niemand auf der Welt die Schönheit des Sambas besiegt… 100 Jahre Samba, mein Leben, meine Wurzel).

Für diese Verehrung geht die Schule auf den schwarzen Ursprung des Rhythmus zurück, streift die Poesie von Cartola, Nelson Cavaquinho, Adoniran Barbosa, Ary Barroso, und vieler anderer berühmter Komponisten und Gesangsinterpreten. Dazu gehören auch die “Sambas de Enredo“ – “Sambas de Roda“ und verschiedene andere musikalische Einflüsse des facettenreichen Sambas. Die Direktion der Peruche betrachtet es als grosse Herausforderung, sich in der Elite des paulistanischen Karnevals halten zu können. Der Verein, der fünf Jahre lang in die Aufsteigergruppe “verbannt“ war, feiert in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen.

Die “Filiale des Samba“, so nennen die Einheimischen diese Schule, gehört zu den ältesten Repräsentanten der paulistanischen Sambaschulen, die bei den jährlichen Karnevalsparaden miteinander konkurrieren. Zu diesem Team gehören auch die “Vai-Vai“, die “Nenê de Vila Matilde“ und die “Camisa Verde e Branco“ – letztere befindet sich in diesem Jahr in der Aufsteigergruppe. Leider war der von Toninho Penteado und Quinho gesungene Themen-Samba keine Referenz an den “Samba Paulista” oder einen Samba aus einer Komposition ihrer Schule selbst, sondern schmeichelte den Kompositionen aus Bahia und Rio de Janeiro.

Die stadtbekannte “Muse des Impeachment“, Juliana Isen – sie hatte sich erst kürzlich, anlässlich einer Kundgebung auf der Avenida Paulista, ihrer Kleider entledigt – provozierte auch während der Parade der Unidos do Peruche eine polemische Szene, indem sie das Publikum mit einem Striptease überraschte – der jedoch vom Präsidenten der “Liga Independente das Escolas de Samba de São Paulo (Liesa)“, Paulo Sérgio Ferreira, abrupt unterbrochen wurde. Der Präsident sagte, dass ihre Einlage der gesamten Parade der Schule schade.

So wie er die Sache sieht, kann ihr Verhalten zum Verlust von Punkten bei den Kriterien “Fantasie“ und “Evolution“ führen. Juliana war bereits vor Beginn der Parade, beim Sammelpunkt, durch ein “Tapa-sexo anti-Dilma“ (String-Tanga mit dem Portrait der Präsidentin Dilma Rousseff) aufgefallen, und man hatte ihr den Eintritt auf die Avenida verwehrt.

Império de Casa Verde
Die Império enthüllt Mysterien im Sambódromo von Anhembi. Mit ihrem Thema “Império dos Mistérios“ (Imperium der Mysterien) hielt sich die Império da Casa Verde, wie erwartet, an ihre Tradition und präsentierte grandiose Wagen auf der Avenida des Sambadroms von Anhembi.

Der neue Karnevalist, der prämierte Jorge Freitas, sagte vor Beginn der Parade aus, dass die Schule aus der Nordzone São Paulos auf der Avenida Themen wie Glauben, das Leben nach dem Tod, Leben auf anderen Planeten und mysteriöse Zivilisationen präsentieren werde.

Die blau-weisse Schule kam mit 2.800 Komponenten auf die Avenida, fünf allegorischen Wagen und 19 mitwirkenden Alas (Themengruppen). Der Eröffnungswagen war besetzt mit riesigen Tigern, den Symbolen des Vereins. Der “Puxador“ (Lead-Sänger) Carlos Junior, Spitzname Carlão, bestätigte vor Beginn der Parade, an der “Konzentration“, dass die Schule “zum Kampf vorbereitet sei“.

In diesem Jahr erscheint der Verein auf der Avenida des Samba mit einer neuen “Madrinha de bateria“ (Patin der Perkussion), der Entertainerin Lívia Andrade, die an der Seite der Königin, Valeska Reis, marschiert und bereits viele bewundernde Blicke auf sich zog. Ein besonderes Highlight der Império ist auch wieder ihre Perkussion-Gruppe selbst, die seit 2011 als “Barcelona do Samba“ tituliert wird, eine Alusion an das spanische Fussball-Star-Team.

Acadêmicos do Tucuruvi
Die Tucuruvi bringt Religiosität in den Sambódromo – mit dem Thema “Celebrando a Religiosidade: Tucuruvi canta Festas de Fé” (Wir feiern die Religiosität: Tucuruvi besingt die Feste des Glaubens). Der Karnevalist Wagner Santos möchte die kulturellen Feste und die des Glaubens präsentieren, die in der Folklore der verschiedenen Landesteile Brasiliens populär sind, zum Beispiel das “Festa do Divino, Cosme e Damião“, Weihnachten und Ostern.

Die Frontkommission, choreografiert von Cheila Fusco, präsentiert in diesem Sinne die Geschichte der Bekehrung der Indios durch die Jesuiten. Die allegorischen Wagen der Schule präsentieren Referenzen auf die populären Kirchenfeste, wie zum Beispiel die “Festas Juninas“ überall im Land, oder den “Sírio de Nazeré“ in Belém (Bundesstaat Pará).

Der Präsident der Schule, Hussein Abdo Elselan, Spitzname Jamil, kümmerte sich persönlich um die publikumswirksamste Position eines jeden Mitglieds auf den allegorischen Wagen des Vereins. “Interview? Nur nachdem alles gelaufen ist“, winkte er ab, während er mit einen Kranpiloten in der Konzentration kommunizierte. Kurz zuvor hatte der Präsident einem Mitglied sein er Truppe eine Bierdose aus der Hand geschlagen, die dieser gegen die Vereinsvorschriften schnell noch vor Beginn der Parade austrinken wollte.

Der Interpret Alex Soares gibt sein Debüt in der Tucuruvi in diesem Jahr und bestätigt seine grosse Verantwortung gegenüber der Ausführung des Themen-Sambas, den er als “melodiös“ bezeichnet und sich auf die “Differenz“ zu den konkurrierenden Kompositionen verlässt. “Nunca perca a fá em Deus“ (Verliere niemals den Glauben an Gott) singen die Mitglieder der Tucuruvi, während sich die Perkussion anwärmt.

Ein Höhepunkt der Attraktionen dieser Sambaschule ist die Präsenz der Ballerina Aline Riscado an der Spitze dieser exzellenten Perkussiongruppe.

Mocidade Alegre
Die einhundert Jahre des Sambas stehen ebenfalls im Mittelpunkt der Mocidade Alegre bei ihrem Disput um den Titel des Champions. Sie präsentiert den Titel ihres Themas so: “Ayo – A alma ancestral do Samba“ (Ayo – die uralte Seele des Sambas).

Die stets äusserst kompetitive Mocidade Alegre taucht ein in die afrikanischen Wurzeln des Rhythmus und seine Auswirkungen auf den Candomblé (Spiritismus). Die Schule holt sich aus Afrika die Thematik für die Gestaltung ihrer allegorischen Wagen und der Kostüme.

Der Karnevalist Sidney França erwähnt die Orixás (Gottheiten des Candomblé) zur Demonstration der Evolution des Trommelschlages bis zum exakten Rhythmus der “Bateria“ (Perkussionsgruppe) – er hebt dabei seine Reihe von Tamburins hervor, die vom Maestro Sombra dirigiert werden.

Wie die Präsidentin des Vereins, Solange Cruz Bichara Rezende, betont, hat ihre Schule den “theatralen Luxus“ hinter sich gelassen und ist im diesjährigen Karneval zum “afrikanischen Rustikalstil“ gewechselt. In der Konzentration sagte sie, dass der Karneval die Aufgabe habe, zu unterhalten. Gleich darauf intonierte sie eine militärische Devise: “Missão dada é missão cumprida” (Mission weitergegeben und Mission erfüllt).

Integranten der Mocidade verteilten Fähnchen, die ihnen vom Publikum auf den Tribünen buchstäblich aus den Händen gerissen wurden – darauf stand der Text des Themen-Sambas, den die Zuschauer während der Parade begeistert mitsangen. In bestimmten Momenten unterbrach dann die Perkussion ihren Part, während das Publikum applaudierte und den Text weitersang. Solange Rezende freute sich und meinte: “Eine Karnevalsparade ist stets ein Risiko. Stell’ Dir mal vor, wenn alle Schulen gleich wären“!

Ein weiteres Highlight der Mocidade Alegre ist die Königin der Perkussion, Aline Oliveira, die diesen Posten seit 2012 innehat. Der Verein brachte 3.500 Komponenten, 20 Alas und 5 allegorische Wagen auf die Avenida.

Im letzten Abschnitt mussten sich die Teilnehmenden Massen beeilen, um die erlaubte Zeit nicht zu überschreiten. In São Paulo haben die einzelnen Vereine zwischen 55 und 65 Minuten vorgeschrieben Zeit, ihre Parade abzuwickeln – Unter- und Überschreitung dieses Zeitraums kostet sie wertvolle Punkte.

Vai-Vai
Vai-Vai – ganz von ihrem Frankreich-Thema eingenommen, singt der gegenwärtige Karnevals-Champion der paulistanischen Spitzengruppe, die Vai-Vai : “Mon Amour, Je Suis Vai-Vai“, als sie in die Avenida des Sambadroms von São Paulo einmarschiert.

Allerdings begann ihre Parade mit einem Tumult zwischen Mitgliedern des Direktoriums der Schule und den Organisatoren des Karnevals von São Paulo: Die Vignette der Stadtverwaltung tönte noch aus den Lautsprechern, nachdem die Vai-Vai bereits grünes Licht für den Beginn ihrer Parade erhalten hatte.

Der nervtötende Text der Stadtverwaltung mischte sich nun mit dem Themen-Samba der Schule – ein Horror, besonders auch deshalb, weil die Sambas der Schule aus dem Stadtteil Bela Vista stets ein besonderer Ohrenschmaus zu sein pflegen.

Mitglieder des Direktoriums der Schule beschimpften die Angestellten der Organisation des Karnevals – ein Mitglied der Direktion Harmonie drang in den Turm des Sambódromo ein, in dem sich der verantwortliche Techniker für den Beginn der Parade befand – dieser versuchte zu entkommen, und in dem entstehenden Tumult schlug ihm der Präsident der Vai-Vai seine Faust auf den Rücken.

Schliesslich wurde der Sound im Sambódromo von Anhembi wieder geklärt und die Vai-Vai marschierte in perfekter Evolution und Harmonie über die Avenida, mit ihrem Samba zu Ehren Frankreichs – ihr Thema: “Je Suis Vai-Vai, bem-vindos a França” war ein grosszügiges Mosaik dieses schönen europäischen Landes, dem sich viele Brasilianer ganz besonders verbunden fühlen.

Innerhalb des Themas hatten auch die kürzlichen Anschläge der Terroristen in der französischen Hauptstadt ihren Platz, aber im erfreulichen Gegensatz dazu zog die Schule es vor, ihre Präsentation mit einer beruhigenden Friedensbotschaft, und einem überraschenden Effekt, zu beenden.

Das Kostüm der Entertainerin Ana Hickmann, der “Madrinha da Bateria“, geht auf eine Inspiration aus dem Louve-Museum zurück. Sie paradiert bereits seit fünf Jahren als Mitglied der Vai-Vai. Die Schule präsentierte sich mit 3.200 Komponenten, 22 Alas und 5 allegorischen Wagen. In ihrer Parade demonstrierte sie eine ganze Reihe “französischer Ikonen“, wie die markanten Parfüms, die Denkmäler, das kulturelle und künstlerische Leben, die Mode, den Champagner und sogar Alain Kardec.

Die Direktion legt Wert darauf, auch die Inhalte zu erwähnen, mit denen sie “den Klischees entflohen“ sind, wie zum Beispiel mit den Figuren von Asterix und Obelix. Die Ala der Bahianerinnen kommen aus dem Louvre-Museum. Unter den besonderen Persönlichkeiten befand sich auch die Konsulin von Frankreich, die auf dem Eröffnungswagen thronte, der mit einer Kopie des Eiffelturms geschmückt war.

Die Perkussion – sie hat den populären Spitznamen “Pegada de Macaco“ (Affenfährte) ist für ihren starken Samba berühmt – “para frente“ (nach vorne), wie ihre Rhythmiker zu sagen pflegen.

Dragões da Real
Dragões da Real entwickelte ihre Parade für die Freude am schenken und beschenkt werden: “Surpresa, adivinha o que eu trouxe pra você?” (Überraschung – rate mal, was ich Dir mitgebracht habe?) – das ist ihr Samba-Thema, mit dem sie in dieser Nacht zum Sonntag (7.02.) im Sambadrom von Anhembi einmarschiert.

Um ihrem Thema auch gerecht zu werden, hat die Dragões eine ganze Reihe von überraschenden Momenten für das Publikum vorbereitet, die den Dank, die Emotion, die Erinnerung und die Ablehnung eines Geschenks demonstrieren sollen. Highlights sind auch die allegorischen Wagen, mit dem “Geschenk des Griechen, dem Weihnachtsgeschenk, dem ungewöhnlichen Geschenk, der Spielzeugfabrik und dem simplen Souvenir.

Renato Rodrigues, der Präsident der Schule, hofft, dass in diesem Jahr, in dem die Dragões auf 15 Jahre ihrer Existenz zurückblickt, auch die Stunde des so lange erwarteten Titels gekommen sein möge. Die rot-weiss-schwarze Schule kam mit 3.500 Komponenten, 20 Alas und 5 allegorischen Wagen auf die Avenida.

X-9 Paulistana
Die X-9 Paulistana demonstriert mit ihrer Parade die Köstlichkeiten der Açaí-Frucht. Es war ein etwas nervöser Beginn der X-9-Parade, mit der in dieser zweiten Nacht der Karneval der Spitzengruppe im Sambódromo von São Paulo zu Ende ging.

Es fing damit an, dass die “Bewohner der Oca“ (indigene Hütte) der Frontkommission sich in der Richtung irrten und am Grenzzaun der Parade-Avenida landete. Die Organisatoren brauchten wertvolle Minuten, um sie wieder in die Mitte der Avenida zu manövrieren.

Gleich darauf mussten die laterale Anbauten am zweiten Wagen wieder abgebaut werden, um ihm die Einfahrt zur Avenida zu ermöglichen. Eine Person fiel dann vom dritten Wagen der Schule und wurde von der SAMU (Rettungswagen) abtransportiert – noch gibt es keine Nachricht vom Gesundheitszustand dieses Opfers.

Thema der X-9 Paulistana war die Açaí-Frucht, die auf Palmen wächst und im Norden Brasiliens besonders populär ist. Von der Entdeckung, über ihre Verwertung und die Legenden der indigenen Völker bezüglich der Frucht, bis zu der Explosion ihrer Nutzung im Kommerz und dem Export dreht sich die Parade um die kleine, wertvolle Frucht – parallel dazu eine Präsentation der Kultur des Staates Pará, dem Haupterzeuger der Açaí-Früchte, und seiner schönen Hauptstadt Belém.

Der Karnevalist André Machado kreierte Skulpturen von bis zu sieben Metern Höhe, mit reichlicher Verwendung von grünen und roten Farben, sowie üppig ausgestatteten allegorischen Wagen. Die Repräsentation des Festes “Sirio de Nazaré“, mit der traditionellen “Corda da Fé“ (Kordel des Glaubens) ist ebenfalls zu sehen. Die rot-grün-weisse Schule kam mit 2.800 Komponenten, 21 Alas und 5 allegorischen Wagen zum Sambódromo.