Zweite Paradenacht der Aufsteiger-Gruppe Serie A – im Karneval von Rio de Janeiro 2014

Veröffentlicht am 2. März 2014 unter Karneval News

Am zweiten Paraden-Tag der Samba-Schulen in der Serie A von Rio de Janeiro, der am Samstagabend (01.03.) begann und am Sonntagfrüh (02.03.) endete, strengten sich auch traditionelle Vereine, wie “Tradição, Caprichosos de Pilares, Viradouro“ und “ Estácio de Sá“ ganz besonders an, um das Publikum im Sambódromo von Rio zu begeistern.

Allegorische Wagen mit High-Tech, Pausen im Percussion-Rhythmus, in die andere Rhythmen einflossen, und luxuriöse Kostüme prägten den letzten Tag der Serie A. Jedoch hatten einige Schulen auch mit technischen Problemen zu kämpfen.

Die neun Samba-Schulen der 2. Nacht mit ihren Samba-Themen sind:

Copyright-Raphael David-RIOTUR

Tradição

Samba-Thema: “Sonhar com rei dá leão”!
(Träumen mit dem König der Löwen)
Die erste Schule, die an diesem zweiten Abend die Marquês de Sapucaí betrat, war die “Tradição“ mit einem Thema zu Ehren des 40-jährigen Todestages von Natalino José do Nascimento, der “Natal da Portela“, eines der Gründer jener berühmten Samba-Schule aus dem Stadtteil Madureira. Das Thema ist eine Neubearbeitung der vom Karnevalisten Joãosinho Trinta 1976 produzierten Parade für die Schule “Beija-Flor“ – er verstarb im Jahr 2011. Der Themen-Samba wurde komponiert von Neguinho da Beija-Flor dem Sänger der Beija-Flor.

Der erste Wagen, betitelt “Reino da Fascinação“ (Reich der Faszination), präsentierte den Kondor, das Symbol der “Tradição“. Aber durch ein mechanisches Problem im Aufzug, der den Vogel erheben sollte, rührte sich der leider nicht.

Das erste Paar “Mestre-sala“ und Porta-bandeira“, Thuan Matheus, 14 Jahre alt, und Joana Falcão, 12 Jahre alt, präsentierten Kostüme, die einen Kolibri darstellten, der um eine Rose schwirrte. Die Aufmachung der “Porta-bandeira“ wog zirka 15 kg – fast die Hälfte des Gewichts von Joana, die nur knapp 40 kg wiegt.

Alegria da Zona Sul

Samba-Thema: “Sacopenapã”
(Historischer Teil des Stadtbezirks Copacabana)
Die Schule präsentierte einen historischen Ausschnitt des Stadtteils Copacabana, seit der Herkunft jenes Ortsnamens, der von der Schutzheiligen Nossa Senhora de Copacabana abgeleitet wurde, bis zu seiner urbanen und kulturellen Entwicklung – heute eine touristische Referenz von Rio de Janeiro.

Ein Problem am vierten und letzten Wagen der Schule verhinderte seinen Einlauf in der Avenida und wird möglicherweise der Schule Minuspunkte einbringen. Nach Auskunft eines der Direktoren, konnte der Wagen durch ein Problem an der Lenkung nicht mehr bewegt werden – er wurde abgeschleppt, um die nachfolgenden Schulen nicht zu behindern.

União do Parque Curicica

Samba-Thema: “Na garrafa, no barril, salve a cachaça, patrimônio cultural do Brasil”
(In der Flasche, im Fass, es lebe der Cachaça, kulturelles Erbe Brasiliens)
Der “Cachaça” (Zuckerrohrschnaps) inspirierte die “União do Parque Curicica“ zu ihrem gewählten Thema – sie brachten Sklaven, Zuckerrohr-Mühlen und viel Zuckerrohr mit zum Samba ins Sambódromo.

In der Front-Kommission Akteure, die als Sklaven verkleidet, auf ihren Rücken Bündel mit Zuckerrohr schleppten, während Jesus Christus und der Teufel miteinander stritten – frei nach der Legende “A Lenda da Cachaça“.

Der “Quentão“, typisches Getränk während der Juni-Festlichkeiten, und das “Cachaça-Fest“ in Paraty, erfuhren ebenfalls eine Widmung durch die begleitenden “Alas“. Die Percussion überraschte mit ihren synkopierten Pausen während der rhythmischen Darbietung und riss das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin.

Caprichosos de Pilares

Samba-Thema: “Dos malandros e das madames: Lapa, a estrela da noite carioca”
(Von Gaunern und Damen: Lapa, der Stern der Carioca-Nacht)
Die Boheme und das Laster von Lapa, einem der ältesten Stadtteile von Rio de Janeiro, wurde zum Thema der Schule. Mit grandiosen allegorischen Wagen, einer dynamischen Front-Kommission und einer Percussion die kleinere und grössere Pausen in ihr Repertoire einbezog, ehrte die “Caprichosos“ markante Persönlichkeiten der Region.

Die Front-Kommission beeindruckte mit einem Kostümwechsel mitten auf der Avenida. Anfangs waren die Teilnehmer als schwarze Frauen verkleidet, die Wasserkrüge schleppten. Inmitten der Piste wechselte die Gruppe ihre Bekleidung, um anschliessend als Nachtklub-Tänzer in Erscheinung zu treten.

Die Rhythmiker der Percussion erfreuten das Publikum mit ihren synkopierten Pausen und mixten hie und da ihren Samba auch mit einem Funk-Rhythmus.

Viradouro

Samba-Thema: “Sou a terra de Ismael. Guanabara vou cruzar, para você tiro o chapéu, Rio eu vim te abraçar”.
(Ich bin das Land von Ismael. Guanabara werde ich durchqueren. Für dich Rio ziehe ich den Hut und komme, um dich zu umarmen)
Das Thema über die benachbarte Stadt Niterói faszinierte das Publikum auf den Tribünen der Marquês de Sapucaí – sie schrien “du bist der Champion“! noch bevor die Parade geendet hatte.

Die Front-Kommission der “Viradouro“ präsentierte Mitglieder, die als Kopie des Indios “Araribóia“ hergerichtet waren, dem Häuptling des Temiminó-Volkes aus dem 16. Jahrhundert, der den Portugiesen geholfen hatte, die Bucht von Guanabara zu erobern im Kampf gegen die wilden Tamoio-Indios, die die Franzosen unterstützten. Ein Denkmal zu Ehren des Indiohäuptlings wurde in Niterói errichtet – es steht am Ein- und Ausgang der Fähre Hafens.

Die Mitglieder der Percussion erschienen als Croupiers eines Casinos kostümiert – die Ala der Rhythmiker erinnerte an das Casino von Icaraí, welches in einem antiken Gebäude im Stadtteil gleichen Namens einst in Betrieb gewesen ist.

Estácio de Sá

Samba-Thema: “Um Rio à beira-mar: ventos do passado em direção ao futuro”!
(Rio am Meeresufer: Winde der Vergangenheit in Richtung auf die Zukunft)
Vergangenheit und Zukunft der Hafenzone von Rio de Janeiro bestimmten die Parade der Schule Estácio de Sá, die eine Röntgenaufnahme der cariocanischen Strandregion präsentierte, mit ihren Phantasien, Tänzen und Rhythmen. Die Region erlebt einen intensiven Umgestaltungsprozess mit staatlichen und privaten Investitionen.

Der erste Wagen der Schule präsentierte eine Karavelle, Erinnerung an die Entdeckung der Guanabara-Bucht, die während vieler Jahre bedeutendster Anfahrtsweg nach Rio de Janeiro gewesen ist. Der zweite Wagen schilderte die Eröffnung des Hafens, als die Stadt dazu überging, ausländische Schiffe zu empfangen.

Der vierte und letzte Wagen der Schule nimmt Bezug auf das spanische Barcelona, eine Stadt, deren Hafenzone komplett neu projektiert wurde und gegenwärtig eine der bedeutendsten schiffs-touristischen Destinationen in Europa darstellt. Noch in derselben Allegorie simulierten als Arbeiter verkleidete Mitglieder Bauarbeiten auf einem Gerüst, während grosse Projektionswände enthüllten, wie die Hafengegend von Rio de Janeiro nach der Reform aussehen wird.

Acadêmicos de Santa Cruz

Samba-Thema: “Do toque do criador à cidade mais saudável do Brasil – Jundiaí, uma referência nacional”
(Aus der Hand des Schöpfers zur gesündesten Stadt Brasiliens – Jundiaí, eine nationale Referenz)
Die Schule präsentierte auf der Sapucaí ein Thema über Umweltbewusstsein mit ihrem Portrait der sauberen Stadt Jundiaí. Die Stadt im Bundesstaat São Paulo, bekannt durch ihre Weinfeste und die Lebensqualität ihrer Bewohner, verdiente diese Ehrung ganz bestimmt.

Einer der allegorischen Wagen hatte einen Unfall während seiner Präsentation auf der Avenida. Ein Teil des dritten Wagens mit dem Titel “Vida saudável – Circuito das Frutas“ (Gesundes Leben – Region der Früchte) hielt die Belastung nicht aus und zerbrach. Falls die Juroren diesen Lapsus bemerkt haben, wird die Schule Punkte abgezogen bekommen.

Die “Acadêmicos de Santa Cruz“ zeigten ausserdem noch Kostüm-Alas, die die Einwanderung von Europäern und Japanern präsentierten, sowie die Einweihung der Eisenbahn zwischen Jundiaí und dem Hafen von Santos – betitelt als “Caminho do Progresso“ (Weg des Fortschritts).

Unidos de Padre Miguel

Samba-Thema: “Decifra-me ou te devoro: enigmas da vida”!
(Entziffere mich oder ich verschlinge dich: Enigmas des Lebens)
Schädel, Mumien und choreografierte Alas waren ein paar der präsentierten Überraschungen der “Unidos de Padre Miguel“. Die Schule versuchte, das Publikum zu erschrecken mit ihrem Thema über Horror-Symbole, Gespenster und tanzende Skelette.

Die Parade präsentierte Choreografien mit Zigeunern, allegorische Wagen mit LED-Projektionswand und hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Geheimnisse des menschlichen Körpers zu erklären. Das alles innerhalb von 54 Minuten! Die Schule musste ihr Schritttempo gegen Ende der Avenida beschleunigen, um die Maximalzeit nicht zu überschreiten, die mit 55 Minuten angesetzt war.

Wagen mit enormen Aufbauten wurden vom Publikum vehement applaudiert während der gesamten Parade.

Acadêmicos do Cubango

Samba-Thema: “Continente Negro – uma epopeia africana”
(Schwarzer Kontinent – ein afrikanisches Epos)
Schon im ersten Licht des neuen Tages präsentierte die letzte Schule mit ihrer Parade in der Serie A das Thema über den “Schwarzen Kontinent“. Die “Cubango“ präsentierte eine Reise durch die afrikanische Savanne, zeigte die Beduinen in der Wüste Sahara und erzählte von der Ausbeutung von Diamanten und Erdöl auf besagtem Kontinent.

In der Front-Kommission repräsentierten Krieger die Union der Afrikanischen Streitkräfte und zelebrierten den Wert und die Courage der schwarzen Rasse.

Das erste Paar “Mestre-Sala“ und “Porta-Bandeira“ repräsentierte die afrikanische Teilung – das Schwarze Afrika, vorherrschend in der Zentralregion, und das Weisse Afrika, dessen Nachkommen sich aus Arabern, Berbern und Kaukasiern zusammensetzt.

Die Schule präsentierte ausserdem Tänze diverser Stämme des afrikanischen Kontinents, sowie Tänze und Rhythmen afro-brasilianischer Gruppen. Am Ende der Parade erinnerte sie an die Fussballweltmeisterschaft in Südafrika 2010.