Erste Paradenacht der Aufsteiger-Gruppe Serie A – im Karneval von Rio de Janeiro 2014

Veröffentlicht am 2. März 2014 unter Karneval News

Acht Samba-Schulen der Serie A (Aufsteiger-Gruppe) eröffneten die Paraden im Sambódromo der Avenida Sapucaí am vergangenem Freitag (28.02.). In diesem zweiten Karnevalsjahr der Serie A der “Aufsteiger” verspricht der Wettkampf im Sambódromo von Rio de Janeiro noch einen Deut heftiger zu werden. In diesen 2 Nächten (Freitag auf Samstag und Samstag auf Sonntag) versuchten insgesamt 17 Schulen, ihre gewählten Themen in der ihnen bestmöglichen Form zu präsentieren und so das Anrecht auf einen Platz in der “Grupo Especial“ für das Jahr 2015 zu erringen. Die drei letztplatzierten Schulen steigen dann ab in die Gruppe B.

Die acht Samba-Schulen der 1. Nacht mit ihren Samba-Themen sind:

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Em Cima da Hora

Samba-Thema: “Die Sertões”
(gemeint sind jene Halbwüsten im Innern Brasiliens)
Am ersten Paraden-Tag haben sich acht der 17 Schulen präsentiert. Die erste, die einmarschierte, war die “Em Cima da Hora“, um 21:00 Uhr. Die Schule aus dem Stadtteil Parada de Lucas, Suburb von Rio, wird das Thema “Die Sertões“ neu auflegen, welches sie bereits 1976 präsentiert hatte. Eingepackt in einen der schönsten Sambas aller Zeiten, komponiert von Edeor de Paula, erzählte der Karnevalist Marco Antônio Falleiros von der Härte des Nordostens, von den “Sertanejos“ (Bewohnern der Gegend) und dem historischen Widerstand im Dörfchen Canudos, im Interior von Bahia.

União de Jacarepaguá

Samba-Thema: “Os Iorubás – A história do povo nagô”
(Die Yorubas – Die Geschichte des Nago-Volkes)
Die an zweiter Stelle platzierte Schule União de Jacarepaguá präsentierte das Thema der afrikanischen Nation der “Yorubas“, die von den Portugiesen als Sklaven nach Brasilien verschleppt wurden. Angefangen mit der Erschaffung der Welt wird die Geschichte dieses afrikanischen Volkes beleuchtet, dazu die gesamte Kultur und die Glaubensrituale ihrer “Orixás“ (Götter) in der Region von Bahia. Er demonstriert auch die Erschaffung des Samba unter dem starken Einfluss der Nago-Kunst.

Acadêmicos da Rocinha

Samba-Thema: “Do paraíso sonhado um sonho realizado…”
(Vom erträumten Paradies zum realisierten Traum…)
Die dritte Parade war die der “Acadêmicos da Rocinha“, die auf der Avenida paradierten. Zum Thema des “erträumten Paradieses“ liess der Karnevalist Luis Carlos Bruno die Schönheiten der Strände, Seen und Wälder eines der neuen Stadtteile von Rio, Barra da Tijuca, besingen, und er liess den Traum hervorheben, in diesem so genannten “Miami Brasiliens“ leben zu können – seinem aussergewöhnlichen, aufregenden und konsumbewussten Lebensstil.

Renascer de Jacarepaguá

Samba-Thema: “Olhar caricato. Simplesmente, Lan”!
(Der karikierte Blick. Einfach Lan)
In diesem Thema wird die Leidenschaft des grössten Bewunderers der typischen “Mulata Brasileira” dargestellt, des italienischen Karikaturisten Lan. Der Karnevalist Marcus Ferreira hat das Thema nach eigener Idee für die Samba-Schule aus dem Stadtteil Jacarepaguá detailliert ausgearbeitet. Ausser den unvergleichlichen Mulatas beleuchtete die Parade auch die Leidenschaft für den Sportclub Flamengo, für die Bars der Cariocas, für den Samba und den Glauben an die Orixás.

Unidos do Porto da Pedra

Samba-Thema: “Majestades do Samba: os defensores do meu pavilhão”!
(Majestäten des Samba: die Verteidiger meines Pavillons)
Die Parade der fünften Schule marschierte nach Mitternacht auf. Die “Porta da Pedra“, aus São Gonçalo, besang die Geschichte des bedeutendsten Paares einer Karnevalsparade – der “Porta-Bandeira“ und des “Mestre-Sala“. Das vom Karnevalisten Leandro Valente kreierte Thema der “Samba-Majestäten“ hat die Aktionen des ersten “Porta-Bandeira“ Ubaldo und der ersten “Mestre-Sala“ Maria Adamastor besonders hervorgeheben. Zum Thema wird das erste historische Paar besonders geehrt und die weiteren Ausführungen zeigten, woher diese bedeutende Komponente jeder Karnevalsparade stammt.

Paraíso do Tuiuti

Samba-Thema: “Kizomba – A festa da raça”
(Das Fest der Rasse)
Die sechste Schule am ersten Tag dieser A-Paraden war “Paraíso do Tuiuti“, mit einem alten, jetzt neu aufgelegten, Thema. Der Karnevalist Severo Luzardo präsentierte eine neue Verpackung für “Kizomba“, ein Thema, das im Jahr 1988 der Schule “Unidos de Vila Isabel“ den ersten Titel einbrachte. Das Thema beginnt mit der universellen Erklärung der Menschenrechte, um den Respekt gegenüber der Freiheit der Völker zu verteidigen und die Verbrüderung Brasiliens mit der Kultur und der Präsenz der Afrikaner zu demonstrieren, die in dieses Land einst als Sklaven verschleppt wurden.

Inocentes de Belford Roxo

Samba-Thema: “O triunfo da América – o canto lírico de Joaquina Lapinha”
(Der Triumph Amerikas – der lyrische Gesang der Joaquina Lapinha)
Die vorletzte Parade gehörte der Schule “Inocentes de Belfort Roxo”, in der der Karnevalist Wagner Gonçalves die Saga der ersten schwarzen, lyrischen Sängerin Brasiliens erzählen lies. Das triumphale Thema behandelt das Leben der Maria da Conceição da Lapa, Sopranistin und Schauspielerin in dramatischen Rollen, der es gelang, in der Kolonialzeit sämtliche Vorurteile gegen die schwarze Rasse zu überwinden.

Império Serrano

Samba-Thema: “Angra com os Reis”
(Die Bucht mit den Königen)
Die “Império Serrano“ beendete den ersten Paraden-Tag der Gruppe A am frühen Samstagmorgen. Der Karnavalist Eduardo Gonçalves erzählte die Geschichte des Städtchens an der “Costa Verde“ (Grünen Küste), entdeckt von den Portugiesen am 6. Januar, dem Tag der Drei Könige (Dia dos Reis). Vor Ort vermischten die Kolonisatoren ihre katholischen Traditionen bald mit den Tänzen der “Quilombolas“ (schwarze Bürger) – es entstand der “Jongo“. Die Parade erzählte von der Verbindung zwischen dem “Jongo da Serrinha“ (wo die Schule “Império Serrano“ entstand) und dem “Jongo“ der schwarzen Bevölkerung von Angra dos Reis.