Jahresrückblick 2011

Veröffentlicht am 26. Dezember 2011 unter Jahresrückblick aus Brasilien

Willkommen zum großen BrasilienPortal-Jahresrückblick 2011. Das Jahr 2011 begann mit Regen, sehr viel Regen. Dieser bestimmte zunächst die Amtseinführung von Staatspräsidentin Dilma Rousseff am Neujahrstag und sorgte kurz darauf für die schlimmste Naturkatastrophe in der Geschichte Brasiliens mit über 900 Toten.

Doch das Jahr 2011 steht auch für Mega-Events wie die Militärweltspiele in Rio de Janeiro oder Rock in Rio. Im ablaufenden Jahr wurde auch die schönste Frau der Welt in Brasilien gewählt, der mächtigste Mann der Welt war in Brasilien zu Gast und zwei der neuen Weltwunder der Natur liegen unter anderem in Brasilien.

Auch die Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft und die Copa América sorgten für zahlreiche Schlagzeilen im größten Land Südamerikas. Politik und Sport, Kultur und Natur – die Nachrichten aus Brasilien waren erneut so bunt wie das Land selbst. Das BrasilienPortal versucht daher wie gewohnt die wichtigsten Ereignisse des nun ausklingenden Jahres in einer Retrospektive zusammenzufassen.

Rückblick auf das brasilianische Jahr 2011 mit ausgesuchten Ereignissen.

Dilma Rouseff als Staatspräsidentin vereidigt

Rousseff + LulaIn Brasilien hat Dilma Rousseff am 01. Januar das Amt des Staatspräsidenten übernommen. Rousseff ist das erste weibliche Staatsoberhaupt in der Geschichte des riesigen Landes. Ihr zu Ehren waren Vertreter aus über 130 Ländern angereist, darunter mehr als zwei Dutzend Staats- und Regierungschefs. 30.000 Menschen verfolgten im Regierungsviertel der Hauptstadt die Zeremonie und jubelten der neuen Präsidentin bei der Übergabe der Präsidentenschärpe durch Luiz Inácio Lula da Silva zu. Leider machte das Wetter der Zeremonie zunächst einen Strich durch die Rechnung, so dass die Fahrt im offenen RollsRoyce durch die Prachtstraßen im Regierungsviertel von Brasília ausfallen musste. Später allerdings konnte sie dann doch noch den zahlreichen Zuschauern auf dem Weg zum Regierungspalast zuwinken.

Zuvor hatte Rousseff in ihrer Antrittsrede die Bedeutung der Amtsübernahme für alle Frauen in Brasilien betont. Erstmalig stünde ein Präsidentin an der Spitze des Staates. Ihre wichtigste Aufgabe in den kommenden vier Jahren sei die Ausrottung der Armut im Land und die Verbesserung der Lebenssituation für alle Brasilianer und Brasilianerinnen. Auch die nachhaltige Entwicklung der Amazonasregion sowie die Sicherheit des Staates seien neben zahlreichen sozialen Projekten wichtige Kernpunkte ihres Regierungsprogramms. Auch den Kampf gegen die organisierte Kriminalität und den Drogenhandel will sie verstärken. Dabei ist ihrer Auffassung nach auch der Einsatz des Militärs durchaus gerechtfertigt. Rousseff appellierte zudem an die Bevölkerung, sich ebenfalls für die Weiterentwicklung des Landes, die Freiheit des Einzelnen, der Meinungsfreiheit und die Stärkung der Demokratie einzusetzen.

Über 1.000 Tote nach Erdrutschen in Rio de Janeiro

Stepmap-KarteSchwere Regenfälle und unzählige Erdrutsche haben im Südosten des Landes über 1.000 Menschenleben gefordert. In der Bergregion des Bundesstaates Rio de Janeiro wurden nach offiziellen Angaben der Behörden 916 Leichen geborgen, über 300 Menschen galten auch Monate nach dem Unglück noch als vermisst. Über 30.000 Personen wurden durch die verheerende Naturkatastrophe obdachlos.

In der Nacht vom 11. auf den 12. Januar hatte es in oberhalb von Nova Friburgo binnen weniger Stunden soviel geregnet wie normalerweise im ganzen Monat. Die Pegel der Flüsse stiegen mit rasender Geschwindigkeit an und überfluteten die Städte, kurz darauf gaben die vollkommen durchweichten Hänge nach. Schlamm- und Gerölllawinen wälzten sich durch das enge Tal und begruben hunderte Häuser unter sich. Mit am Schlimmsten betroffen war die Stadt Nova Friburgo, wo am Ende 428 Todesopfer zu beklagen waren. Ganze Familien wurden von den Fluten mitgerissen, viele Kinder konnten nur noch tot aus den Schlammmassen geborgen werden.

Laut Schätzungen der Regierung in Brasília gibt es landesweit rund 500 Zonen, die unter anderem von schweren Überschwemmungen und Erdrutschen heimgesucht werden könnten. Präsidentin Dilma Rousseff beauftragte daher gleich mehrere Ministerien, sich mit der Entwicklung eines neuen nationalen Frühwarnsystems auseinanderzusetzen. Das System, dessen Kosten auf rund 1,2 Milliarden US-Dollar geschätzt werden, soll durch den Zivilschutz koordiniert werden.

Karneval in Rio de Janeiro und São Paulo

Die Sambaschule Beija-Flor hat die diesjährigen Sambaparaden im Karneval von Rio de Janeiro gewonnen. Die “Kolibris” überzeugten mit einer Hommage an den brasilianischen Sänger und Komponisten Roberto Carlos und konnten damit den 12. Titel seit der Vereinsgründung 1948 mit nach Hause nehmen. Unter dem Motto “Die Einfachheit eines Königs” zeichnete Beija-Flor das bisherige Leben und Wirken des populären Künstlers nach, der selbst an der Parade teilnahm. Vorjahressieger Unidos da Tijuca muss sich mit den undankbaren 2. Platz zufrieden geben, Mangueira kam auf Rang 3. Insgesamt 12 Schulen hatten sich in zwei Nächten den 75.000 Zuschauern im Sambódromo Marquês de Sapucaí präsentiert, Millionen verfolgten die Paraden live im Fernsehen oder per Internet.

In São Paulo hat die Sambaschule Vai-Vai die diesjährigen Sambaparaden in der “Grupo Especial” gewonnen. Die 1914 gegründete Schule kam mit ihrer Hommage an den ehemaligen brasilianischen Pianisten João Carlos Martins auf 269.50 von 270 möglichen Punkten und holte damit zum 14. Mal den Titel. Martins ist heute einer der wichtigsten Vertreter für klassische Musik in Brasilien. Der 71-jährige Protagonist war selbst auf einem Wagen während der Parade im Sambódromo zugegen und gab unumwunden zu, dass er seinerzeit in der Carnegie Hall in New York längst nicht so aufgeregt war wie an diesem denkwürdigen Morgen im Karneval von São Paulo. Den zweiten Platz der “Grupo Especial” teilten sich mit 269.25 Punkten Acadêmicos do Tucuruvi und Unidos de Vila Maria.

US-Präsident Barack Obama besucht Brasilien

Am 19. und 20. März hat US-Präsident Barack Obama Brasilien besucht. Unter den sich überschlagenden Ereignissen in Libyen fiel der Staatsbesuch jedoch dünner aus als erwartet. Zunächst wurde der mächtigste Mann der Welt in Brasília von Staatspräsidentin Dilma Rousseff mit militärischen Ehren begrüßt, danach fand ein vertrauliches Gespräch zwischen den Staatschefs statt. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz betonten beide, die Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern ausbauen zu wollen. In diesem Zusammenhang seien zahlreiche bilaterale Vereinbarungen unterzeichnet worden. Die Vereinigten Staaten, so Rousseff optimistisch, würden eine wichtige Rolle in der zukünftigen Entwicklung Brasiliens einnehmen. Obama seinerseits lobt die Stabilität und Vertrauenswürdigkeit der brasilianischen Politik und würdigt zudem die Partnerschaft bei der Bekämpfung des Drogenhandels.

Am Abend reist Obama mit seiner Familie nach Rio de Janeiro weiter. Unter anderem stand dort für den kommenden Tag der Besuch der weltberühmten Jesus-Statue auf dem Programm, die Visite auf den Corcovado wurde jedoch auf den späten Abend vorverlegt. Einen für den nächsten Tag im Zentrum geplante öffentliche Rede würde jedoch aufgrund der aktuellen Entwicklung in Libyen gestrichen, der Ausflug in das Armenviertel „Favela Cidade de Deus“ wurde zu einem 30-minütigen Blitzbesuch. Im Stadttheater von Rio de Janeiro hob Obama in einer nur 15 Minuten langen Rede nochmals Brasilien als Beispiel hervor. Das Land habe gezeigt, dass aus einer Diktatur eine Demokratie werden könne. Brasilien war die erste Station des US-Präsidenten auf seiner fünftägigen Lateinamerikareise. Danach reiste er nach Chile und El Salvador weiter.

Brasilien nach Amoklauf unter Schock

Im April hat ein Amoklauf an einer Schule in Rio de Janeiro das Land in einen kollektiven Schock versetzt. Ein 23-jähriger Mann war in seine ehemalige Schule eingedrungen und hatte gezielt mehrere Kinder regelrecht hingerichtet. Neun Mädchen und ein Junge im Alter von 12 und 14 Jahren starben noch an Ort und Stelle durch Schüsse in Kopf und Brustbereich. Ein weiteres Mädchen starb kurz nach dem Amoklauf im Krankenhaus. Nach Eintreffen der Polizei tötete sich der Attentäter durch einen Kopfschuss. 13 weitere Schüler – zehn Mädchen und drei Jungen – wurden teilweise schwer verletzt.

Dass nicht mehr Menschen starben, war einem in Schulnähe patrouillierenden Polizisten zu verdanken. Der von einem angeschossenen Schüler alarmierte Beamte stürmte in die Schule und traf den Schützen im zweiten Stock an. Der Amokläufer richtete die Waffe auf den Beamten, der nach eigenen Angaben sofort schoss. Der Täter fiel angeschossen die Treppe herunter und beging dann Selbstmord. Die Polizei attestierte anschließend eine eiskalt geplante Tat, das der Amokläufer seine beiden Revolver mehrfach in aller Ruhe nachgeladen hatte und immer wieder auf die in Panik flüchtenden Kinder geschossen hatte.

Blackbox von Todesflug AF 447 liefert Hinweise auf Unfallhergang

Flugschreiber AF 447Nach fast zweijähriger Suche konnten im Mai 2011 endlich die Flugschreiber von Todesflug AF 447 aus dem Atlantik geborgen werden. Die Black-Box und der Cockpit-Voicerecorder wurden anschließend ausgewertet und gaben so Hinweise auf die Unfallursache. Der Airbus A330 der französischen Fluggesellschaft Air France war an Pfingsten 2009 auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris vor der brasilianischen Küste ins Meer gestürzt, alle 228 Menschen an Bord kamen dabei ums Leben. In der ersten Suchphase konnten nur 50 Leichen geborgen werden, nach dem Auffinden des Wracks in 3.900 Metern Tiefe wurden in diesem Jahr die sterblichen Überreste von 103 weiteren Personen geborgen.

Wie die Auswertung der Black-Boxes durch eine unabhängige Experten-Kommission ergab, haben die 216 Passagiere und 12 Besatzungsmitglieder den Absturz volle 210 Sekunden in einem extrem schaukelnden Flugzeug voller Panik miterlebt. Nach einem Ende Juli veröffentlichten Zwischenbericht trudelte der Airbus mit bis zu 40 Grad Schieflage in die Tiefe, während sich im Cockpit Pilot und Co-Piloten völlig überfordert möglicherweise gar nicht über das momentane Geschehen im Klaren waren. Ein Co-Pilot hatte fälschlicherweise einen Steigflug ausglöst und dadurch einen Strömungsabriss verursacht. Danach raste die Maschine mit hochgezogener Nase auf den Atlantik zu. Unklar ist jedoch weiter, ob falsche Anzeigen die fatale Kettenreaktion ausgelöst haben. Allerdings habe die Maschine auf alle Befehle richtig reagiert, die Crew habe jedoch nach dem automatischen Abschalten des Autopiloten den Airbus eigenhändig aus der stabilen Fluglage gebracht. Ein endgültiger Unfallbericht wird erst für das kommende Jahr erwartet.

Fußball: Frauen-WM in Deutschland, Copa América in Argentinien

Der brasilianische Winter war ganz vom runden Leder bestimmt. Fast zeitgleich fanden die Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland als auch die Copa América in Argentinien statt. In beiden Turnieren blieb jedoch die jeweilige brasilianische Nationalelf weit hinter den Erwartungen der Fans zurück und sind jeweils im Viertelfinale ausgeschieden. Bei den Frauen musste sich die Seleção Feminina gegen die USA im Elfmeterschießen geschlagen geben, nachdem die US-Girls in der Nachspielzeit der Verlängerung noch den Ausgleich zum 2:2 erzielt hatten. Nach dem 1:1 in der regulären Spielzeit war Brasilien bereits in der 92. Minute in Führung gegangen.

Das überraschende Ausscheiden schockte die Samba-Kickerinnen sichtlich, waren sie dort hervorragend in das Turnier gestartet. Alle drei Gruppenspiele konnte die Seleção für sich entscheiden und mit der Maximalpunktzahl als Gruppenerster in die K.O.-Runde einziehen. Zunächst setzten sich Marta und Co. mit 1:0 gegen Australien durch, danach hatten sie Norwegen sowie Äquatorialguinea jeweils mit 3:0 vom Platz gefegt.

Ebenfalls im Elfmeterschießen scheiterten auch die Männer bei der Südamerikameisterschaft, wo sie als Titelverteidiger im Viertelfinale eine blamable Vorstellung lieferten. Die Seleção verlor gegen Paraguay am Ende mit 0:2 und verschoss dabei vier Penaltys in Folge. Während Elano, André Santos und Fred einfach am Tor vorbei schossen, konnte Villar den harmlosen Penalty von Thiago Silva locker parieren. Zuvor hatte Brasilien über 120 Minuten die bessere Leistung gezeigt, jedoch zahlreiche Torchancen nicht nutzen können.

Personelle Konsequenzen hatte das Debakel für Trainer Mano Menezes jedoch keine, auch wenn Brasilien bereits in der Vorrunde mit zwei Unentschieden gegen Venezuela (0:0) und Paraguay (2:2) sowie einem Sieg gegen Ecuador (4:2) deutliche Schwächen offenbart hatte. Der brasilianische Fußballverband CBF sprach dem Nachfolger von Dunga jedoch direkt das weitere Vertrauen aus. Sein Vorgänger war allerdings nach dem vorzeitigen Ausscheiden bei der WM 2010 in Südafrika umgehend gefeuert worden.

Militärweltspiele in Rio de Janeiro

Rio 2011Vom 16. bis zum 24. Juli kämpften rund 4.000 Sportler aus 111 Nationen in fünfzehn olympischen und fünf nichtolympischen Disziplinen bei den Militärweltspielen in Rio de Janeiro um Gold, Silber und Bronze. Die “Military World Games“, die ganz nach olympischem Vorbild alle vier Jahre ausgetragen werden, wurden erstmalig 1995 in Erinnerung an den 50 Jahre zuvor beendeten zweiten Weltkrieg in Rom veranstaltet. Mit Rio de Janeiro griff die Dachorganisation CISM in diesem Jahr auf eine auf Grossveranstaltungen erprobte Austragungsstätte zurück, zuletzt war die “Cidade maravilhosa“ bei den panamerikanischen Spielen 2007 erfolgreicher Gastgeber gewesen. Zu dem damaligen Anlass wurde das Olympiastadion João Havelange errichtet, welches bei den jetzigen Spielen nicht nur Wettkampfstätte der Leichtathleten ist, sondern auch die Eröffnungs- und Schlusszeremonie beherbergt.

Kein geringerer als Fußball-Legende Pelé entzündete unter dem Beifall Zehntausender die „Flamme des Friedens“ und machte so noch einmal Werbung für den Mega-Event, der jedoch dann fast unter Ausschluß der Öffentlichkeit stattfand. Nur wenige Besucher fanden sich an den weit verstreuten Wettkampfstätten ein, und dies obwohl die Eintrittskarten kostenlos ausgegeben wurden. Auch Deutschland, Österreich und die Schweiz waren durch Sportler bei den Spielen vertreten. In 18 Modalitäten von Leichtathletik über Mannschaftssportarten wie Fussball und Volleyball sowie zahlreichen Kampfsportarten wie Boxen, Judo und Taekwondo wetteiferten Zeit- und Berufssoldaten um einen Platz auf dem Treppchen. Die Angehörigen der Sportfördergruppen wollten sich jedoch auch in militärischen Wettkämpfen wie dem Fallschirmspringen oder dem militärischen Fünfkampf mit Soldaten aus anderen Ländern messen. Vom Mannschaftsdienstgrad bis zum hochrangigen Offizier – in allen Ebenen der Bundeswehr wurde sich in den Monaten zuvor intensiv auf die Militärweltspiele vorbereitet.

Am Ende belegten die deutschen Athleten allerdings nur Rang 8 im Medaillenspiegel mit insgesamt 36 Mal Edelmetall (6x Gold, 19x Silber, 11x Bronze). Strahlender Sieger wurde Brasilien mit 114 Medaillen (45x Gold, 33x Silber, 36x Bronze) vor China (100) und Italien (51). Österreich kam auf Rang 15, die Schweiz auf Rang 25. Beste deutsche Athleten waren Tom Siara (1x Gold, 4x Silber) sowie Felix Wolf (1x Gold, 3x Silber, 1x Bronze) jeweils in den Schwimmwettbewerben.

Bevölkerung wächst auf über 192 Millionen

Die brasilianische Bevölkerung wächst immer weiter. Wie das staatliche brasilianische Institut für Geografie und Statistik (IBGE) im August mitteilte lebten zur Jahresmitte 2011 insgesamt 192.376.496 Menschen im größten Land Südamerikas. Nach diesen Zahlen stieg damit die Bevölkerung in den letzten 12 Monaten um 1.620.697 Menschen oder 0,85 Prozent. In den letzten elf Jahren wuchs die brasilianische Bevölkerung zudem um rund 22,6 Millionen, was einen Durchschnitt von zwei Millionen Menschen pro Jahr entspricht.

Die Megametropole São Paulo ist auch weiterhin die größte Stadt des Landes mit 11,3 Millionen Einwohnern, gefolgt von Rio de Janeiro (6,4 Millionen), Salvador (2,7 Millionen), Brasilia (2,6 Mio.) und Fortaleza (2,5 Mio.). Nach offiziellen Schätzungen leben in den fünfzehn größten Städten Brasiliens 21 Prozent der Gesamtbevölkerung.Der bevölkerungsreichste Bundesstaat bleibt ebenfalls São Paulo mit 41,6 Millionen Einwohnern, danach rangieren Minas Gerais mit 19,7 Millionen und Rio de Janeiro mit 16,1 Millionen Menschen.

Miss Universe in São Paulo gekrönt

Miss Universe 2011 Leila LopesIm September wurde die 25-jährige Studentin Leila Lopes aus Angola in São Paulo zur Miss Universe 2011 gekrönt. Die Schönheit aus Südwest-Afrika verwies in einem spannenden Finale ihre Konkurrentinnen aus China, den Philippinen, Brasilien und der Ukraine auf die Plätze. Rund 1 Milliarde Zuschauer aus 190 Ländern hatten das live aus der Credicard Hall übertragene Spektakel am Fernseher oder im Internet verfolgt. 89 Schönheitsköniginnen aus aller Welt präsentierten sich dabei ein letztes Mal dem Publikum und der strengen siebenköpfigen Jury.

Am Ende belegte Luo Zilin (24) aus China Rang 5, auf Platz 4 kam Shamcey Supsup (25) von den Philippinen. Mit dem dritten Platz musste sich Lokalmatadorin Priscila Machado (25) aus Brasilien zufrieden geben, auf den bitteren zweiten Platz kam Olesia Stefanko (23) aus der Ukraine. Die deutsche Miss Universe Valeria Bystritskaia und Kerstin Cook aus der Schweiz hatten nicht den Hauch einer Chance und schieden bereits in der Vorrunde aus.

Rock in Rio kehrt an Geburtsstätte zurück

700.000 Besucher feierten an sieben Tagen(23./24./25.09. sowie 29./30.09. und 01./02.10.) fast 100 Stunden Party in der 150.000 Quadratmeter großen „Cidade do Rock“: alleine diese Zahlen machen Rock in Rio 2011 schon zu einem gewaltigen Ereignis. Die Erwartungen waren im Vorfeld zweifelsohne hoch. Ein ganzes Jahrzehnt dauerte es, dass Rock in Rio endlich in seine Geburtsstadt Rio de Janeiro zurückkehren konnte. Nach 1985, 1991 und 2001 war es nun die vierte Ausgabe des Megaspektakels im größten Land Südamerikas. Denn nachdem Rock in Rio in den vergangenen Jahren aus Kostengründen in Lissabon und Madrid Station gemacht hatte, lag nun wieder das weltweite Interesse der Musikfans auf der Metropole unter dem Zuckerhut. 180 Millionen Internetuser in 200 Ländern hatten das Festival am heimischen Computer verfolgt und dabei auch fleißig die Kanäle in den sozialen Netzwerken genutzt und bedient. 4,5 Millionen User folgten dem offiziellen Twitter-Kanal, der Hashtag #RockinRio belegte bei den „Trending Topics“ zudem in 13 Ländern immer wieder den Spitzenplatz. Die offizielle Webseite selbst verzeichnete laut Angaben der Organisatoren an den beiden Festivalwochenenden insgesamt 5 Millionen einzelne Besucher.

Dies ist natürlich vor allem den internationalen Top-Stars zu verdanken, die ein wahres Feuerwerk auf Rock und Pop auf die gigantische Bühne in der „Cidade do Rock“ zauberten: Guns N‘ Roses, Metallica,Slipknot, Coldplay, System of a Down, Red Hot Chili Peppers, Rihanna, Elton John, Katy Perry, Snow Patrol, Ivete Sangalo, Claudia Leitte, Stevie Wonder und Lenny Krawitz konnten genauso begeistern wie viele zahlreiche andere nationale oder internationale Künstler und Gruppen auf einer der drei Bühnen. Die jeweils 100.000 Eintrittskarten für jeden Festivaltag waren innerhalb von vier Tagen vollständig vergriffen und so war es keine große Überraschung, dass Festivalgründer und Organisator Roberto Medina am Ende bekannt gab, dass Rock in Rio auch 2013 wieder in Rio de Janeiro zu Gast sein wird.

Oktoberfest in Blumenau begeistert über 550.000 Besucher

Oktoberfest 2011Mit farbenfrohen Umzügen, traditioneller Volksmusik, viel Bier und der Wahl einer neuen Königin wurde auch in diesem Jahr erneut das beliebte Oktoberfest 2011 in Blumenau gefeiert. Insgesamt 563.000 Besucher konnten die Verantwortlichen in diesem Jahr an den 18 Tagen des Megaevents im “Parque Vila Germânica” begrüßen. 626.547 Liter Faßbier wurden laut den Organisatoren zwischen dem 06. und 23. Oktober ausgeschenkt, was einem Pro-Kopf-Verbrauch von 1,11 Litern entspricht. Neue Königin des Oktoberfestes wurde in diesem Jahr Fernanda Klaumann, welche die amtierende Königin Cristiana Krüger beerben durfte. Zur Seite stehen ihr Mariane Klann und Danieli Sutil Munzi. Das “Dreigestirn” wird in den kommenden 12 Monaten tüchtig Werbung für die jährliche Veranstaltung machen und natürlich auch bei Oktoberfest Nummer 29 mit einem fröhlichen Lachen die Besucher auf dem Festgelände begrüssen.

Auch 2011 waren wieder zahlreiche deutsche Gruppen in die Kleinstadt im Hinterland des Bundesstaates Santa Catarina gekommen, um für Kost und Logis täglich in einem der Pavillons für Stimmung zu sorgen. Doch nicht nur auf dem Festgelände wurde gefeiert, auch im Zentrum der Stadt verbreiteten mehrere Umzüge über die drei Wochen des Oktoberfestes mehr als gute Laune. Bis zu 20.000 Menschen applaudierten auf den Bürgersteigen die Teilnehmer des 28. Oktoberfestes, darunter Jagd- und Schützenvereine, Folkloregruppen sowie typischen Bands. Diese gingen entweder zu Fuß oder in exotischen Gefährten wie umgebaute Autos oder Multitandems auf die Wegstrecke. Über 100 „Attraktionen“ konnten die Organisatoren aufbieten, die für mächtig Gaudi sorgten und somit Lust auf einen Besuch im “Parque Vila Germânica” machten.

Amazonas und Wasserfälle des Iguaçu neue Weltwunder der Natur

Mit dem Amazonas und den Wasserfällen des Nationalpark Rio Iguaçu stellt Brasilien zukünftig vermutlich gleich zwei der sieben neuen Weltwunder der Natur. Dies gab die “New7Wonders Foundation” am 11. November auf ihrer Webseite bekannt. Allerdings muss sich das größte Land Südamerikas die Titel mit weiteren Ländern teilen, da beide Naturschönheiten auch jenseits der Landesgrenze anzutreffen sind. Im Falle des Amazonas sind dies neben Brasilien noch Bolivien, Kolumbien, Ecuador, Franz.-Guyana, Guyana, Peru, Suriname und Venezuela. Bei den Cataratas do Iguaçu durfte zudem auch in Argentinien gejubelt werden.

Neben den beiden Gewinnern aus Südamerika wählten die Internetuser ebenfalls die Bucht von Halong (Vietnam), die Jejudo-Insel (Südkorea), die Komodo-Insel (Indonesien), den Puerto-Princesa Untergrundfluss (Philippinen) sowie den Tafelberg (Südafrika) zu “New7Wonders of Nature”. Die Organisatoren wiesen zeitgleich mit der Veröffentlichung der Gewinner jedoch darauf hin, dass es sich bei der Liste der sieben Gewinner zunächst um ein vorläufiges Ergebnis handelt. Daher könne es noch Änderungen bezüglich der “provisorischen und dann möglichen endgültigen Gewinner” geben. Die Abstimmung hatte bereits am 21. Juli 2009 begonnen, nachdem die 21 Finalisten in einem mehrstufigen Verfahren sowohl durch Internetuser als auch ein Auswahlkomitee festgelegt worden waren.

„Operation Friedensschock“ befriedet größte Favela Brasiliens

Das gefährlichste Armenviertel Brasiliens steht endlich wieder unter der Kontrolle von Polizei und Militär. Rund 3.000 Einsatzkräfte hatten Mitte November die Favela Rocinha in der Millionenmetropole Rio de Janeiro in einer minutiös geplanten Aktion besetzt. Nur rund drei Stunden dauerte die Maßnahme im Kampf gegen die dort seit Jahrzehnten ansässigen Drogenbanden und das organisierte Verbrechen. Auch in die benachbarten Favelas Vidigal und Chácara do Céu marschierten schwer bewaffnete Elite-Polizisten und Soldaten ein. Die Region gilt als der lukrativste Drogenumschlagplatz von Rio de Janeiro. Am Ende wurden auf den Hügeln des zwischen den Nobelvierteln Gávea und São Conrado in unmittelbarer Nähe des weltberühmten Ipanema-Strandes im Süden der Stadt gelegenen Komplexes die brasilianischen Flaggen gehisst.

Die schwer bewaffneten Einheiten der fast schon legendären Eingreiftruppe “Bope” stiessen dabei überraschenderweise auf faktisch keinerlei Widerstand. Die “Besetzung” der Armenviertel, in denen geschätzte 150.000 Menschen leben, war frühzeitig angekündigt worden. Lediglich einige Barrikaden hatte die Drogenmafia noch aufgeboten, zudem wurde auf einer steilen Zufahrtstraße wurde Öl ausgeschüttet, um den Fahrzeugen den Zugang zu verwehren. Die dort ansässigen Drogenbanden hatten anscheinend schon Tage zuvor das Weite gesucht, laut dem zuständigen Einsatzleiter wurde während der “Operation Friedensschock” kein Schuß abgefeuert. Entgegen vieler Befürchtungen sind Polizei und Militär bei ihrem Vorstoß auch äusserst besonnen vorgegangen. Am Ende durchsuchten die Sicherheitskräfte Haus für Haus und konnten dabei jede Menge Drogen, Schusswaffen und Munition sicherstellen. Zahlreiche Drogenlabors wurden zerstört, mehrere Personen festgenommen.

Einwohner Parás lehnen mehrheitlich Aufteilung des Bundesstaates ab

Stepmap-KarteMit einer deutlichen Mehrheit haben sich bei einer im brasilianischen Bundesstaat Pará durchgeführten Volksabstimmung im Dezember die Wähler gegen die Gründung der zwei geplanten neuen Bundesstaaten Tapajós und Carajás ausgesprochen. Knapp 67 Prozent lehnten die Teilung des Bundesstaates ab, nur 33 Prozent stimmten dafür. Insgesamt waren 4,8 Millionen Wahlpflichtige waren in 143 Munizipen aufgerufen, über die Zukunft des im Norden des Landes gelegenen Bundesstaates zu entscheiden.

Bei einem Erfolg des Referendums hätte es zukünftig ein deutlich kleineres Pará mit lediglich 17 Prozent der ehemaligen Grundfläche gegeben, in dem 64 Prozent der jetzigen Gesamtbevölkerung gelebt hätte. Tapajós mit der geplanten Hauptstadt Santarém hätte bei einem Bevölkerungsanteil von 15,3 Prozent 59 Prozent der Fläche erhalten. Zudem wären 20,7 Prozent der jetzigen Bevölkerung Parás im neuen Bundesstaat Carajás auf 24 Prozent der ursprünglichen Fläche heimisch gewesen. Für den brasilianischen Steuerzahler wäre eine Teilung jedoch teuer zu stehen gekommen, da die neuen Bundesstaaten massiv Beihilfen aus Brasília in Anspruch hätten nehmen müssen und keinesfalls ihren Haushalt selbst hätten bestreiten können.

Soweit der BrasilienPortal – Jahresrückblick 2011 mit den wichtigsten Meldungen aus den vergangenen 12 Monaten. Wir wünschen allen unseren Lesern einen guten Rutsch ins neue Jahr und ein glückliches und erfolgreiches 2012. Feiern Sie schön – wo immer Sie uns lesen!