Tragödien 2011

Veröffentlicht am 22. Dezember 2011 unter Jahresrückblick aus Brasilien

Die Welt erlebte 2011 bedeutende Veränderungen und Katastrophen. Anfang des Jahres hinterliessen Umweltkatastrophen in Brasilien eine immense Zerstörung mit über 500 Toten. Die Gewaltspirale drehte sich 2011 in einer Schule oder auf offener Strasse und löschte das Leben vieler Unschuldiger aus. Despotische Regierungen des Mittleren Orients und Nordafrikas, die seit Jahrzehnten an der Macht waren, sind gestürzt – einige durch die Kraft und Entschlossenheit ihres eigenen Volkes, andere durch internationale Schützenhilfe. Die Diktatoren von Tunesien, Ägypten und Libyen wurden ihrer Macht enthoben. Andere, wie Syrien und Jemen wehren sich noch gegen ihre Entmachtung.

Rückblick auf brasilianische Tragödien 2011

Tragödie in der Gebirgsregion von Rio de Janeiro

chuva_rioIm Januar erlebte Brasilien schockiert die grösste Klimakatastrophe seiner Geschichte. Im Gebiet der “Serra Fluminense“, dem Küstengebirgszug, auf dessen Anhöhen sich die Städte Nova Friburgo, Teresópolis, Petrópolis und andere kleinere Orte befinden, hinterliess eine Serie von Bergrutschen, die durch ungewöhnlich starke Regenfälle verursacht wurden, eine Bilanz von mehr als 500 Toten und eine horrende Zerstörung. Ganze Stadtteile von Teresópolis und Sumidouro wurden ausgelöscht.

Aber der Regen ist nicht allein schuld an diesem Desaster: Die Immobilienspekulation in diesem Gebiet agiert in einer solch skrupellosen Art und Weise, dass sie sogar Bauprojekte an Stellen empfiehlt, die im Fall von starken Gewittern als Abflussrinnen der Gebirgszügen bekannt sind. Und um dem Chaos die Krone aufzusetzen, musste man in den folgenden Wochen die Präfekten (Bürgermeister) der Städte Teresópolis und Nova Friburgo ihres Amtes entheben, weil sie sich Spendengelder für die Opfer der Katastrophe in die eigene Tasche gesteckt hatten.

Tragödie im Stadtteil “Realengo” (Rio de Janeiro)

Am 7. April betrat der ehemalige Schüler Wellington Menezes de Oliveira (24) der staatlichen “Escola Municipal Tasso da Silveira“ das Schulgebäude mit zwei Revolvern. Er schoss dann um sich und tötete zwölf Kinder zwischen 12 und 14 Jahren, die gerade zugegen waren – anschliessend beging er Selbstmord.

Er wird als schüchtern beschrieben und mit familiären Problemen. Und er hat seinen angestauten Frust über diese Probleme an unschuldigen Kindern abgelassen. Die Nachricht dieser schrecklichen Tat ging um die Welt. Die Präsidentin Dilma Rousseff dekretierte drei Tage Staatstrauer.

Ermordung der Richterin Patrícia Acioli

Am 11. August wurde in Niteroi (Rio de Janeiro) die angesehene Richterin Patrícia Acioli, nachdem sie, von der Arbeit kommend, mit ihrem Auto in die Einfahrt ihres Hauses eingebogen war, von Banditen umstellt und von 21 Kugeln durchsiebt – sie war auf der Stelle tot. Acioli gehörte zu einer Gruppe der eisernsten Gegner jener aus Polizisten bestehenden, organisierten Milizen, die in den Favelas von Rio ihr Unwesen treiben. Die Richterin beunruhigte viele Personen – und wurde zum Schweigen gebracht.

Im November gab ein Abgeordneter des Bundesstaates Rio de Janeiro, Marcelo Freixo (Partei PSOL) bekannt, dass er Brasilien eine Zeit lang den Rücken kehren würde, weil er gegen besagte Milizen keinen adäquaten Schutz hätte. Er bekam kontinuierlich Morddrohungen.

Lulas Tumor

lula_Roberto_Stuckert_Filho_ABrNachdem er tagelang heiser gewesen war und schliesslich einen Arzt aufgesucht hatte, gab der Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva im Oktober bekannt, dass er an Kehlkopfkrebs erkrankt ist. Nach Auskunft der Ärzte, die ihn behandeln, ist der Tumor von “mittlerer Aggressivität“ und etwa drei Zentimeter gross. Lula wird sich einer chemotherapeutischen Behandlung unterziehen. Die Chancen einer Heilung stehen zwischen 80% und 90%.

Sofort nach Erscheinen dieser Nachricht trafen die Besserungswünsche von Alliierten und politischen Gegnern beim Ex-Präsidenten ein. Eine Pseudo-Bewegung im Internet empfahl Lula, seine Behandlung vom SUS durchführen zu lassen (der verrufenen staatlichen Gesundheitsorganisation), aber dieser Rat wurde als “zynische Provokation“ sowohl von der Presse als auch von den Politikern der Opposition aufgenommen.

Dilma Rousseff hat die Behandlung eines Lymphdrüsenkrebses im Jahr 2010 hinter sich gebracht. Andere südamerikanische Präsidenten haben ähnliche Probleme: Fernando Lugo, von Paraguay, unterzog sich ebenfalls einer Behandlung wegen Lymphdrüsenkrebs. Hugo Chavez, Venezuela, lässt sich derzeit wegen eines diagnostizierten Tumors in der Unterleibsregion.

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