Indios erhalten ein Handbuch zur Vorbeugung von Aids und anderen Krankheiten

Veröffentlicht am 19. August 2015 unter Indio News

Divulgacao UnescoDie Indios vom Volk der Kanamari, die im Tal des Rio Javari (Bundesstaat Amazonas) leben, werden eine eigene Orientierungshilfe zur Vorbeugung, Diagnostizierung und Behandlung von sexuell übertragbaren Krankheiten, wie Aids und infektiöse Hepatitis, erhalten, des weiteren sind darin Erklärungen gegen den Konsum von Alkohol und andere Drogen aufgeführt. Diese “Gesundheits-Fibel“ wurde von der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) in Brasilien, zusammen mit dem Programm der Vereinten Nationen für HIV/Aids (UNAIDS), entwickelt – die Fibel wurde gestern (18.08.2015) im Distrikt Atalaia do Norte offiziell herausgegeben.

Die Publikation behandelt besagte Themen aus der Perspektive der indigenen Kultur und ist an Kinder und Jugendliche im Schulalter gerichtet. Sie wird den Nutzern von indigenen Schulen und entsprechenden sanitären Einrichtungen zur Verfügung stehen. Der Inhalt wurde von den Indios selbst erarbeitet und in die portugiesische Sprache übersetzt. Die Empfehlungen behandeln unter anderem auch, dass man weder alkoholische Getränke konsumieren, noch sie ins Dorf mitbringen soll, ausserdem sich sexuell zurückhalten soll, wenn man “Ramih“ trinkt (ein typisches indigenes Getränk), und keine Ausländer (Peruaner oder Brasilianer) und andere Unbekannte im Dorf dulden soll.

Wie die offizielle Mitarbeiterin der UNESCO in Brasilien, Mariana Braga, erklärt, hat es anderthalb Jahre gedauert, diese Verhaltens-Fibel zu erarbeiten. Sie entstand auf der Basis von Dialogen mit den Kanamari selbst, um auf diese Weise einen kulturellen Hintergrund dieser Ethnie zu reflektieren. “Und das unterscheidet diese Fibel von allen anderen, die je für eine indigene Bevölkerung produziert worden sind“.

Das instruktive Büchlein wurde auf der Basis von im Tal des Rio Javari gesammelten Informationen erarbeitet, einer Region, die sich nahe der brasilianischen Grenze zu Kolumbien und Peru befindet. Daran mitgearbeitet haben Anthropologen, Lehrer, indigene Sanitäter, Schamanen und Heiler, Hebammen und Führungspersönlichkeiten verschiedener Völker dieser Region.

Mariana erzählt, dass in der Fibel auch Empfehlungen enthalten sind, wie zum Beispiel keine Radios und Fernseher zu kaufen, weil diese eine Bedrohung ihrer eigenen Kultur darstellen. “Und das ist eine Empfehlung der Kanamari selbst! Natürlich kann ich nicht sagen, in wie weit solche Empfehlungen wirklich greifen, aber das ist es, was die führenden Kanamari selbst wollen. Und sie suggerieren, dass die Schulen in Richtung auf die Aufwertung ihrer lokalen Kultur hinarbeiten sollen, und nicht auf die Kultur der Weissen“.

Die Publikation der Kanamari über die Verhütung von Aids und anderen infektiösen Krankheiten ist bereits die vierte Ausgabe der Serie Javari, eine von UNESCO und UNAIDS erarbeitete Kollektion, in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium und der FUNAI. Weitere drei Volumen der Serie waren an die indigenen Völker der Matis, Mayoruna (Matsé) und Marubo gerichtet und stehen auf den Sites der UNESCO in Brasilien zur Verfügung.

Wie Mariana weiter berichtet, hat die UNESCO, zusammen mit dem Gesundheitsministerium vor, für weitere zehn Ethnien, die vom HIV-Virus besonders gefährdet erscheinen, ähnliche Fibeln zu erarbeiten. “Wir haben eine fertige Liste von diesen Dörfern und bemühen uns zur Zeit um Finanzierungen und Mitstreiter, die uns in dieser Initiative unterstützen könnten“, sagt sie und fügte abschliessend hinzu, dass nicht alle Ethnien auf dieser Liste in Amazonien leben.