Ein Drittel der indigenen Sprachen Brasiliens vom Aussterben bedroht

Veröffentlicht am 13. Dezember 2014 unter Indio News

escolaparaBrasilien ist zwar noch reich an indigenen Sprachen, in den nächsten 15 Jahren könnte sich dies jedoch rapide ändern. Spezialisten befürchten, dass bis 2030 zwischen 45 und 60 Sprachen aus dem Alltag der brasilianischen Indios verschwinden werden. Etwa 200 Indio-Völker leben noch in Brasilien. Die meisten von ihnen haben ihre eigene Sprache. Diese wird jedoch immer weniger von den jungen Indios gesprochen. Wissenschaftler warnen deshalb vor einem rapiden Aussterben der Sprachen und somit auch einem Verlust an kulturellen Gütern.

Nach Schätzungen gibt es unter den Indio-Ethnien Brasiliens heute noch zwischen 150 und 170 verschiedene Sprachen. Allerdings gibt es bei einigen Völkern nur noch wenige Mitglieder, die sich in ihrer eigenen Sprache verständigen. Beobachtet wurde von den Forschern des Indio-Museums ebenso eine Vielzahl von Völkern, in denen lediglich die Mitglieder mit mehr als 40 Jahren ihre Mutterpsrache nutzen und verstehen. Der Sprachwissenschaftler Wilmar da Rocha D’Angelis von der Universität Campinas (Unicamp) schätzt, dass bereits etwa hundert der Sprachen nur noch von weniger als tausend Menschen gesprochen wird. Bereits stark vom Aussterben bedroht sind 37 Sprachen, weitere 23 Sprachen gelten als gefährdet.

Die Sprache wird von den Wissenschaftlern als wichtiger Ausdruck der Kultur angesehen. Stirbt sie aus, verschwinden dabei rituelle Gesänge, die Weitergabe von Geschichten und Legenden sowie Zeremonien, wie die Sprachforscher ausführen. Verloren geht damit ebenso die Identität einer oft jahrhundertealte Kultur.

Dass die Sprachen immer seltener lebendig gehalten werden, wird von den Forschern unter anderem auf das Schulsystem zurück geführt. Zwar gibt es ein Gesetz, nach dem in den indigenen Dörfern in deren Muttersprache unterrichtet werden soll. Allerdings gebe es tatsächlich nur wenige muttersprachliche Lehrer und kaum didaktisches Material in der Sprache der Indio-Völker. Als weiteres Problem wird der Einzug von Fernsehen und der neuen Medien gesehen. Aus dem Bildungsministerium heißt es, dass derzeit an der Ausbildung von muttersprachlichen Lehrern in 77 verschiedenen Indio-Sprachen gearbeitet werde.