Yawa-Festival der Amazonas-Indios zieht weltweit Besucher an

Veröffentlicht am 15. November 2013 unter Indio News

Zum zwölften Mal fand dieser Tage das Yawa-Festival im Indioreservat der Yawanawá inmitten des Amazonasregenwaldes statt. Sechs Tage und fünf Nächte dauerte der Event, der Touristen aus ganz Brasilien und 20 verschiedenen Ländern anzog. Mit dabei waren auch andere Indiostämme Brasiliens und Perus.

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Das Reservat der Yawanawá liegt am Oberlauf des Flusses Rio Grefório im nordwestlichen Bundesstaat Acre, inmitten des undurchdringlichen Dschungels nahe der Grenze zu Peru. Wer dort hingelangen will, hat eine abenteuerliche Reise vor sich. Von der Provinzhauptstadt Rio Branco aus sind es 400 Kilometer bis São Vicente. nach sechs Stunden Autofahrt wird dann auf ein Boot oder Kanu der Indios umgestiegen, um weitere sieben Stunden lang den Fluss hinauf bis zum Dorf Nova Esperança zu reisen. Mitbringen sollte der Reisende sein Schlafgemach: eine Hängematte oder ein Zelt. Denn verbracht werden die sechs Tage gemeinsam mit den Indios in deren Dorf. Wer will, kann sogar dabei helfen, die traditionellen Gerichte der Yawanawá vorzubereiten und so mehr über die Früchte und Nahrungsmittel des Urwaldes sowie deren Zubereitung zu erfahren. Wissenswertes über Bäume, Kräuter, Heilpflanzen und Tiere gibt es zudem bei geführten Ausflügen entlang der Waldpfade.

Hauptattraktion aber sind die Riten und Traditionen, wie die Körperbemalung der Teilnehmer mit Farben, die aus den Früchten Jenipapo und den Samen der Urucumsträucher gewonnen werden oder die Zeremonie “Uni”. Für sie wird ein Getränk aus einer speziellen Liane und den Blättern der “Psychotria viridis” hergestellt. Dem Getränk werden Heilkräfte für Körper und Seele zugeschrieben. Gleiches gilt für das “Rapé”, ein Pulver das die “Pajés”, die Schamanen des Dorfes, vorbereiten und den Teilnehmern mit Hilfe eines Rohres in die Nase blasen. Tanzend und singend werden dann die Geister und Seelen der Natur gerufen. Mit Geschichten über die Herkunft der Yawanawa, Heiratszeremonien und mehr wird das 24-stündige “axanti”, das gemeinsame Fischen im See, begleitet. Ein weiterer Höhepunkt ist der Markt, bei dem die Frauen Haar- und Federschmuck, Ohrringe, Ketten, Arm- und Fußreifen feil bieten. Dieses Jahr konnte dabei zum ersten Mal getauscht statt gekauft werden.

Besinnung auf Kultur und Traditionen

Das Festival ist ein gesellschaftliches und religiöses Ereignis. Es dient den Indios dazu, sich auf ihre Traditionen und ihre Herkunft zu besinnen. Sie zelebrieren alt hergebrachte Riten und Zeremonien, gedenken den Vorfahren, suchen den Kontakt mit der Natur, um mit ihr in Harmonie leben zu können, wie Event-Koordinator Shaneihu Yawanawá auf dem Informationsportal der Landesregierung von Acre erklärt. Es ist aber auch ein Fest, das dem Zusammenhalt der Gemeinschaft dient. Kommt ein Zwist auf, treten die Beteiligten in den Kreis, der von Männern, Frauen und Kindern gebildet wird. Mit Peitschen aus Bananenfasern “schlägt” einer dem anderen zweimal symbolisch auf den Rücken. Nach den Schlägen treten zwei Frauen in den Kreis, um die Kontrahenten aus dem Kreis hinaus zu geleiten und sie wieder in die Gemeinschaft einzuführen.

Die Kultur und Riten der Yawanawá sind Jahrhunderte alt. Sie mussten allerdings erst wiederentdeckt werden. Als die Gummi-Barone Ende des 19. Jahrhunderts damit begannen, Latex im Amazonas-Urwald zu gewinnen, hatten die Yawanawá zum ersten Mal Kontakt mit den Weißen. Die neuen Kultureinflüsse, die Arbeit für die Ausbeuter und das Missionsbestreben der Christen trugen dazu bei, dass die Indios mehr und mehr ihre eigenen Traditionen und Lebensweise aufgaben. Als 1984 erstmalig ein Reservat für Yawanawá ausgewiesen wurde, verließen die Missionare das Indio-Gebiet. In den Schulen wurde ein differenzierter Unterricht eingeführt, bei dem auch die Kultur der Indios zu tragen kam und Lehrer ihres eigenen Stammes unterrichteten. Schließlich gewannen die Yawanawá ihre Identität zurück. Mit Hilfe der Stammesälteren belebten sie ihre Sprache und ihre Traditionen wieder.

Heute zählen gut 630 Männer, Frauen und Kinder zum Stamm der Yawanawá, die in sieben Dörfern im Gemeindebereich von Tarauacá leben, wie es im Blog zum Yawa-Festival heißt. Im Jahr 2003 gründeten die Yawanawá die Kooperative “COOPYAWA” mit deren Hilfe wirtschaftliche und kulturelle Projekte umgesetzt werden. Eines der Projekte ist der Ethno-Tourismus. Zu diesem zählt auch das sechstägige Yawa-Festival, bei dem die Touristen Alltag und Kultur der Indios im Amazonasregenwald hautnah miterleben können.