In Brasilien leben mehr isolierte Indiostämme als angenommen

Veröffentlicht am 18. Dezember 2009 unter Indio News

Brasília, 17. Januar 2007

Laut einem heute veröffentlichten Bericht der brasilianischen Indianerbehörde Funai leben weit mehr indigene Gruppen noch isoliert in Amazonien als angenommen. Nach Schätzungen handelt es sich um etwa 67 Stämme, die ohne jeden Kontakt zur Zivilisation in den amazonensischen Wäldern leben und nicht nur um rund 40, wie bisher geglaubt wurde. Spezialisten erklärten allerdings, dass sie durch die Aktionen illegaler Holzfäller und Landbesetzer vom Aussterben bedroht sind.

Die Funai analysierte in den letzten Monaten alte und neue Entdeckungen von Spuren, verlassenen Hütten und anderen Zeichen menschlichen Lebens im Urwald. “Es gibt noch riesige unerforschte Gebiete und immer wieder Hinweise auf indigene Gruppen“, erklärte Marcelo dos Santos, Chef der Funai-Abteilung für isolierte Índios. Möglich sei sogar, dass in Brasilien die grösste Zahl von Stämmen weltweit existiere.

Mit wenigen Ausnahmen lebe die Mehrheit der Stämme noch wie vor der Ankunft der Portugiesen in Brasilien von der Jagd mit Blasrohren, Pfeil und Bogen. Laut den Anthropologen ist den meisten isolierten Indigenen die Existenz des weissen Mannes nicht unbekannt oder sie hatten sogar schon zufällige Begegnungen, doch sie ziehen es vor, versteckt zu bleiben. Während der Militärdiktatur in Brasilien von 1964 bis 1985 wurde versucht, die Índios in die Gesellschaft zu integrieren, doch die aktuelle Politik besteht darin, den Kontakt mit den isoliert lebenden Stämmen zu ihrer Bewahrung zu vermeiden, es sei denn, sie befinden sich in extremer Gefahr.

Dies ist beispielsweise der Fall in Rondônia, wo die Bundespolizei zusammen mit dem Umweltamt Ibama diese Woche illegale Landverkäufer vertreiben wird, die das indigene Territorium der Uru Eu Wau Wau besetzt haben. “Wenn wir die Eindringlinge jetzt nicht aus dem Gebiet weisen, werden diese Índios nicht überleben“, sagte der Umweltschützer Rogério Vargas Motta, der vor fast zwei Jahren Luftaufnahmen von den isolierten indigenen Gruppen gemacht hatte. Damals hätte eine schon betagte Indianerin Pfeile auf den Hubschrauber geschossen, der auf 200 Meter Höhe geflogen wäre.

Annette Runge für BrasilienPortal