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Coronavirus: Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro testet positiv

Veröffentlicht am 7. Juli 2020 unter Brasilien News

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro ist mit dem Coronavirus infiziert. Nachdem er sich am Montag (6.) mit Schmerzen im Körper und Fieber im Militärkrankenhaus einem Covid-19-Test unterzogen hat, kam heute (7.) die Bestätigung. Jetzt ist er in Isolation und hat erst einmal sämtliche Termine abgesagt.

Bolsonaro bei einem Empfang – Foto: Marcos Correa/PR

Noch am Montag hat Bolsonaro beteuert, dass seine Lungenaufnahmen “sauber“ seien und die Sauerstoffsättigung seines Blutes in Ordnung. Nach der Bekanntgabe des positiven Testergebnisses beteuerte er einmal mehr, es gehe ihm gut. In einem Interview bestätigte er, dass er Hidroxi-Chloroquin einnimmt.

Für das im Zusammenhang mit Covid-19 umstrittene Malaria-Medikament macht Bolsonaro nun einmal mehr Propaganda. Das hat er schon in der Vergangenheit getan. Das Medikament hat ebenso zur Absetzung eines Gesundheitsministers geführt. Bolsonaro wollte seinen Einsatz entgegen medizinischer Empfehlungen auch bei leichten Covid-19-Fällen durchsetzen.

Für seine Wirksamkeit bei der Covid-19-Bekämpfung gibt es indes nach etlichen Studien keine Beweise. Vielmehr kann es schwere Nebenwirkungen auslösen. Das Gesundheitsministerium hatte jedoch schon vorab Unmengen von Chloroquin eingelagert. Über 4 Millionen Dosen wurden ohne Ausschreibung eingekauft.

Bolsonaro hatte sich schon im März einem Covid-19-Test unterzogen. Nach einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump wurden über 20 Regierungs- und Komitee-Mitglieder positiv getestet. Das negative Testergebnis Bolsonaros wurde indes erst nach einer gerichtlichen Entscheidung im Mai präsentiert.

Auch jetzt müssen sich etliche Regierungsmitglieder und andere Personen wieder einem Test unterziehen. Schon mit Covid-19-Symptomen hatte Bolsonaro am Montag eine Serie von Treffen und Konferenzen geführt, unter anderem mit Wirtschaftsminister Paulo Guedes.

Weil der 65-Jährige am Samstag in der amerikanischen Botschaft an einer Feier zum US-Unabhängigkeitstag teilgenommen hat, wird auch US-Botschafter Todd Chapman getestet werden. Bei der Gelegenheit war Bolsonaro einmal mehr ohne Maske zugegen und von einer Distanzierung zwischen den Gästen war auf von ihm publizierten Fotos nichts zu sehen.

Seit Beginn der Pandemie in Brasilien Ende Februar trägt Bolsonaro einen Kampf gegen Quarantänemaßnahmen aus, stellt sich gegen das Tragen von Mundschutz und spielt die Virusinfektion auf ein “Gripplein“ herunter. Immer wieder tauchte er ohne Mundschutz in der Öffentlichkeit auf, provozierte Menschenansammlungen und posierte Kopf an Kopf mit Anhängern für Selfies.

Von dem jüngst von ihm unterschriebenen Gesetz zur Maskenpflicht in ganz Brasilien ist nach etlichen von ihm eingelegten Vetos nicht mehr viel übrig geblieben. Nicht einmal ein Bußgeld gibt es bei Zuwiderhandlung und für Geschäfte und Schulen hat er die Maskenpflicht aufgehoben.

Auch in dem von ihm am Dienstag (7.) vor mehreren Journalisten gegebenen Interview spielt er den Ernst der Lage herunter. Viele würden aus anderen Gründen sterben, sagte Bolsonaro und fügte hinzu “Panik tötet auch“. Das Virus sei wie ein Regen, einige seien betroffen, andere nicht. Darüber hinaus würden viele absolut nichts spüren.

Er räumte zwar ein, dass ältere Menschen oder solche mit Vorerkrankungen schwere Symptobe entwickeln oder sterben könnten, für jüngere bestünden aber kaum Risiken, so Bolsonaro die Tatsache ignorierend, dass auch etliche Gesunde unter 40 Jahren Teil der traurigen Covid-Todesstatistik sind. Einmal mehr betonte er zudem, dass der Effekt der Pandemie auf die Wirtschaft mehr Schaden anrichten könnte.

Jeglicher Vorsichtsmaßnahmen zum Trotz entfernte Bolsonaro zum Ende des Interviews unter dem Zurückweichen der Journalisten seinen Mundschutz, um sein Gesicht zu zeigen, wie er konstatierte.

Währenddessen spielen sich in verschiedenen Regionen des Landes in Krankenhäusern dramatische Szenen ab. Nach der Überlastung der Krankenhäuser in der Amazonas-Hauptstadt Manaus, sterben nun Covid-Patienten in Cuiabá während sie auf einen Platz auf der Intensivstation warten. Im Bundesstaat Amazonas hat sich die Lage entspannt, nicht so in den Bundesstaaten Mato Grosso und Minas Gerais.

Nach offiziellen Zahlen wurden in Brasilien mittlerweile über 1,6 Millionen Menschen mit Covid-19 registriert. Über 65.000 sind an den Folgen der neuen Virusinfektion gestorben.