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Coronavirus heizt Diskussionen um Arten- und Naturschutz an

Veröffentlicht am 7. Juni 2020 unter Brasilien News

Brasilien ist eins der Länder mit der größten Biodiversität weltweit. Das Land ist Heimat von knapp 120.000 Tierarten und über 48.000 Pflanzenarten, die bisher wissenschaftlich erfasst wurden. Die Zahlen sind indes nur vorläufig. Jährlich kommen dutzende weitere neue Tier- und Pflanzenarten hinzu.

Biodiversität: rotäugiger Laubfrosch – Foto: Taboga/Fotolia-21636789_S

Sie werden nicht nur im Amazonas-Regenwald entdeckt, sondern ebenso im Cerrado, der Caatinga, dem Atlantischen Regenwald, im Pantanal und der Pampa, die jedes für sich eine immense Vielfalt von verschiedenen Lebensräumen bieten.

Die Zahlen stammen vom Portal Biodiversität. Das vereint die Arbeit von hunderten Forschern und Biologen und dient ebenso als Nachschlagewerk für jeden.

Über 1,7 Millionen Quadratkilometer der Landesfläche Brasiliens sind als Schutzgebiete des Bundes ausgewiesen. Hinzu kommen die von den Bundesstaaten und Munizipen ausgewiesenen Natur- und Landschaftsschutzgebiete.

Die in Brasilien dem Naturschutz gewidmete Fläche ist enorm. Auch der Código Florestal (Umweltgesetz) gilt als vorbildlich. Dennoch ist nicht alles rosig. In den vergangenen Jahren hat die Zerstörung der Regenwälder und anderer Biome zugenommen. Im Pantanal, Amazonas-Regenwald, Atlantischen Regenwald und dem Cerrado sind die Rodungen gestiegen. Betroffen davon sind auch Schutzgebiete.

Zwischen Januar und Dezember 2019 haben die tropischen Regenwälder Brasiliens laut Global Forest Watch eine Fläche von 13.610 verloren. Selbst die Coronavirus-Pandemie hindert Goldschürfer, Landräuber, Holzmafia und Fazendeiros nicht daran, weiter in den Amazonas-Regenwald und andere Biome vorzudringen.

Zwischen März und Ende Mai hat das Raumforschungsinstitut Inpe über das Warnsystem Deter Rodungsflächen von 1.374 Quadratkilometer registriert. Von Januar bis Mai wurde zudem eine Steigerung der Kahlschläge im Vergleich zum Vorjahr von 22 Prozent vermeldet.

Auch Umweltminister Ricardo Salles scheint die Coronaviruskrise nutzen zu wollen. Bei einer Ministerkonferenz im April, sagte er, dass die Medien jetzt durch die Coronaviruskrise abgelenkt seien. Flexiblisierungen ließen sich jetzt deshalb leichter und schneller durchsetzen.

Ganz so leicht geht es doch nicht. Medien, Umweltschützer, Staatsanwälte und selbst Landwirtschaftsverbände verfolgen die Geschehen aufmerksam. Vor allem die ins Ausland exportierenden Großlandwirte befürchten Einbußen durch ein negatives Umweltimage des Landes. Die Angst ist nicht unbegründet. Unlängst haben europäische Supermarktketten einen möglichen Boykott brasilianischer Produkte angekündigt.

Während die Regierung des ultrarechten Präsidenten Jair Bolsonaro die Umwelt als Aktionsfeld für eine wirtschaftliche Nutzung sieht, Schürfrechte in Indio-Territorien legalisieren will und ebenso den Holzeischlag im Amazonas-Regenwald, gibt es aber auch Initiativen zum Erhalt von Natur und Biodiversität. Sie kommen vor allem von Nichtregierungsorganisationen, Privatinitiativen und auch von Schulen und Lehrern.

Die brasilianische Gesellschaft ist allerdings zweigespalten beim Thema Umweltschutz. Und selbst bei Befürwortern gibt es Paradoxe. Nach einer Umfrage des Institutes Ipsos sehen 85 Prozent der Befragten den Umweltschutz als eine Priorität bei der Rekuperation des Landes nach der Coronavirus-Pandemie an. Gleichzeitig haben jedoch 41 Prozent von ihnen eingestanden, dass das Thema Umweltschutz für sie keine Priorität hat.