<script>

Brasiliens Regierung kritisiert Raumforschungsinstitut wegen zunehmender Kahlschläge im Amazonas-Regenwald

Veröffentlicht am 1. August 2019 unter Brasilien News

Die Kahlschläge im Amazonas-Regenwald nehmen zu, wie die Daten des brasilianischen Raumforschungsinstitutes Inpe zeigen. Der Regierung Brasiliens gefällt dies nicht. Sie stellt die Daten in Frage und ebenso die Arbeit des renommierten und weltweit anerkannten Institutes.

Zunahme der Waldrodungen im Amazonas-Regenwald – Foto/Ibama

Die vom Inpe für den Monat Juni vorgelegten Zahlen entsprechen nach der Meinung Präsident Jair Bolsonaros nicht der Realität, wie er kürzlich zu Journalisten bei einem Event in Manaus sagte. Dem staatlichen Raumforschungsinstitut unterstellte er zudem, unter dem Einfluss internationaler Nichtregierungsorganisationen zu stehen.

Laut den Inpe-Daten des Programmes Deter sind die Kahlschläge im Juni im Vergleich zum gleichen Monat des Vorjahres um beinahe 60 Prozent gestiegen, im Juli gar um über 200 Prozent. Das stößt bei der Regierung Jair Bolsonaros auf wenig Gefallen, weil es kein gutes Licht auf die Absichten wirft, die Amazonas-Region wirtschaftlich stärker nutzen zu wollen.

Auch im Hinblick auf das mit der EU getroffene Freihandelsabkommen will Bolsonaro eine “Negativ-Werbung“ vermeiden, wie er selbst sagt.

Nach einem Gespräch mit Wissenschaftsminister Marcos Pontes und Vertretern des Inpe versuchte Umweltminister Salles, seine und Bolsonaros Aussagen zu rechtfertigen. Eine Zunahme der Abholzungen räumte er danach zwar ein. Die Zahlen würden aber dennoch nicht die Realität wiedergeben, so Salles, der sich gegen monatliche Vergleiche wehrt.

Jetzt will Salles dies ändern, indem eine private Firma für die Kahlschlagsüberwachung Amazoniens unter Vertrag genommen werden soll. Laut dem Umweltminister sei ein genaueres System notwendig um die Kontrollen zu verbessern. Eine Ausschreibung ist bereits im Gespräch.

Tatsächlich haben die Kontrollen seit Januar laut der staatlichen Umweltbehörde Ibama indes abgenommen, obwohl vom Raumforschungsinstitut über das System Deter im gleichen Zeitraum wesentlich mehr Alarme gegeben wurden. Allein im Juli ist 1.700 Mal Alarm über mögliche Kahlschläge geschlagen worden.

Über das System Deter (Detecção de Desmatamento em Tempo Real) werden Satellitenbilder in Echtzeit ausgewertet. Werden Kahlschläge registriert, wird dies umgehend mit den notwendigen Koordinaten an die für die zuständigen Behörden gemeldet, um Kontrollen vor Ort einzuleiten. Möglich ist über das Deter-System zudem die Feststellung einer Tendenz.

Genauere Zahlen über die tatsächlichen Kahlschläge werden hingegen über das Inpe System Prodes gewonnen. Hinter dem verbirgt sich eine Auswertung von Satellitenbildern mit einer höheren Auflösung, die mehr Zeit in Anspruch nimmt.

Die Prodes-Daten werden jedoch nur zweimal im Jahr veröffentlicht, einmal vorläufig im August und einmal endgültig im November. In der Regel weichen die Prodes-Daten jedoch nur wenig von den Deter-Daten ab. Experten sprechen von einer 90-prozentigen Übereinstimmung.

Eingerichtet wurde das Deter-System 2004, um die enormen Rodungen des Amazonas-Regenwaldes zu bremsen. Bis 2012 sind diese auch tatsächlich um etwa 80 Prozent gesunken. In den vergangenen Jahren wurden jedoch wieder Zunahmen registriert.

Angesichts der öffentlichen Kritiken seitens der Regierung haben sich Wissenschaftler verschiedener Einrichtungen in einem offenen Schreiben das Raumforschungsinstitut und dessen Arbeit verteidigt. Verwiesen wird darin auf dessen hohe Kapazität und Niveau. Seine exzellente Arbeit im Bezug auf das Regenwaldmonitoring sei weltweit anerkannt und Referenz für internationale Organe und andere Länder, heißt es dort.

Das Observatório do Clima unterstellt dem Umweltminister “rethorische Gymnastik“ beim Versuch die Inpe-Daten in Miskredit zu bringen. Von Experten und Wissenschaftlern wird das Deter-System als wichtiges Mittel zur Beämpfung der Abholzungen eingestuft.

Greenpeace sieht in den Kritiken einen Versuch, die tatsächlichen Zahlen über die gestiegenen Rodungen im Amazonas-Regenwald seit dem Amtsantritt Jair Bolsonaros verstecken zu wollen.