Nur 30 Prozent der Städte Brasiliens haben Kläranlagen

Veröffentlicht am 28. September 2017 unter Brasilien News

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In 70 Prozent der brasilianischen Städte gibt es keine Kläranlagen. Dort, wo es Kläranlagen gibt, bedeutet das aber auch nicht unbedingt, dass die Flüsse sauber sind. In nur 14 Prozent der Städte werden durch die Kläranlagen mehr als 60 Prozent der organischen Materie heraus gefiltert.

Der ”Atlas Esgoto” zeichnet ein erschreckendes Bild über das Abwassersystem Brasliens. Erstellt wurde er von der Nationalen Wasseragentur ANA in Zusammenarbeit mit dem Städteministerium. Nach ihm kommt lediglich die Hälfte der Brasilianer in den Genuß einer Abwasserversorgung.

Statt einer Kanalisation gibt es in vielen Teilen der Städte nur offene Abwassergräben. Aber selbst dort, wo das Wasser der Haushalte eingesammelt wird, gelangt es oft ungeklärt einfach in die Bäche, Flüsse und das Meer. Laut dem Atlas ist die Wasserqualität von über 110.000 Flußkilometern mit organischer Materie aus dem Abwasser belastet. 5.500 Tonnen sind es, die täglich in die Flüsse gelangen.

In 2.589 der 5.570 Munizipe gibt es keinen, der für das Abwasserthema zuständig ist. Die Folge sind eine fehlende Kanalisation und keine Klärung.

Am Besten sieht es im Südosten Brasiiens aus. Aber auch dort steht nur 54 Prozent der Stadtbevölkerung eine Abwasserklärung zur Verfügung. Gesammelt wird das Wasser aus Toiletten und Duschen hingegen von 83 Prozent. Eine gewaltige Lücke klafft im Norden des Landes. Der weist gerade einmal eine Rate von zwölf Prozent bei der Abwasserklärung auf und 16 Prozent bei der Kanalisation.

Einig sind sich Städteplaner und Experten seit langem, dass etwas getan werden muss. Verankert wurde dies sogar per Gesetz. Danach sollten eigentlich 60 Prozent der Abwasser gesammelt und geklärt werden.

Um bis 2035 eine flächendeckende Abdeckung zu erreichen wären 149,5 Milliarden Reais (umgerechnet derzeit etwa 40 Milliarden Euro) notwendig. Dass diese tatsächlich in die Abwasserversorgung gesteckt werden, davon ist angesichts der Wirtschaftskrise und des gigantischen Haushaltsdefizits von Bund und Ländern nicht auszugehen.