Die Geschichte des brasilianischen Weins

Veröffentlicht am 24. September 2016 unter Brasilien News

19233544462_8fc953363dBrasilien ist nach Chile und Argentinien der drittgrösste Weinproduzent Südamerikas. Chardonnay, Sauvignon Blanc, Muscatel, Cabernet Franc, Pinot Noir, Merlot und Gamay Beaujolais sind nur einige der wichtigen und weltweit begehrten Rebsorten, die in Brasilien zu Wein verarbeitet werden.

Im globalen Vergleich hat Brasilien nur wenige Winzer, allerdings produzieren diese einige der besten Weine für den Gaumen. Auch die Einwohner Brasiliens selbst sind auf den Geschmack gekommen: Vinho tinto, vinho branco und vinho espumante gehören bereits zum bunten Mosaik der brasilianischen Küche.

Angefangen hat alles …
… mit der Kolonialisierung. Die Besiedelung und Bewirtschaftung des Landes durch die Europäer begann im heutigen Bundesstaat São Paulo. 1532 brachten die Portugiesen mit der Einnahme des Landes auch die ersten Rebstöcke hierher. Knapp ein Jahrhundert später übernahmen spanische Jesuiten den Weinbau mit eigenen Reben. Sie waren bis zu ihrer Vertreibung die dominierende Kraft im Weinanbau. Wirtschaftliche Erfolge erzielten sie allerdings keine, da die Reben das brasilianische Klima schlecht vertrugen. Im 18. Jahrhundert folgten Einwanderer von den Azoren. Sie versuchten, die bereits vorhandenen Rebsorten mit ihren heimischen zu veredeln.

Die erste wirtschaftliche Kultivierung …
… begann dann um 1840. Die Hybridrebe Isabella, die an der Küste von Rio Grande gepflanzt wurde, kam gut mit den klimatischen Bedingungen zurecht und erbrachte erste, aber noch recht einfache Weine. Wirtschaftlich erfolgreich gelang die Kultivierung einige Jahre später, genauer gesagt 1875. Zu dieser Zeit kamen italienische Einwanderer mit ihren heimischen Rebsorten ins Land. Im Gegensatz zu den Portugiesen und Spaniern kultivierten sie eine grosse Zahl unterschiedlicher Sorten, um zu sehen, welche für das Klima am besten geeignet sind. Unter den italienischen Winzern befanden sich unter anderem die drei Valduga-Brüder aus Rovereto. Sie liessen sich im Vale dos Vinhedos nieder.

Heute bauen ihre Nachfahren dort unter dem Namen Casa Valduge in der dritten Generation an und produzieren Weine wie den Merlot Storia und den Valduga Brut Vintage, einen Mix aus Chardonnay und Pinot Noir. Das Weingut ist eines der besten Weingüter Brasiliens und hat sich innerhalb von ganz Südamerika als Premium-Gut etabliert. Die italienischen Einwanderer gelten heute als treibende Kraft und Begründer des soliden Weinbaus in Brasilien. Spätere Einwanderer aus verschiedensten Teilen der Welt folgten den italienischen Beispielen und experimentierten mit immer mehr Sorten.

Einen erfolgreichen Qualitätssprung …
… machten die Weine ab etwa 1970. Zu dieser Zeit interessierten sich auch grosse Unternehmen wie Bacardi-Martini, Cinzano, Heublein und Moët et Chandon für den brasilianischen Weinbau. Ihre modernen Technologien verbesserten die Arbeit in den Bergen sowie die Kellertechnik. Damit strukturierten sie den Weinbau um, wodurch die ersten international erfolgreichen Weine in grösseren Mengen hergestellt werden konnten. Seit den 1990er Jahren erhielten brasilianische Weine zahlreiche wichtige Auszeichnungen. Auf der Lebensmittelmesse Anuga im Jahr 2007 gingen 14 Prozent der Medaillen an Brasilien.

Heute …
… besitzt vor allem Südbrasilien eine ausgezeichnete Auswahl heimischer Weine, die ebenso wie die einheimische Küche die unbeschwerte Vielfalt des Landes in sich tragen. So, wie man in der Schweiz auf das treffende Zusammenspiel des Weines mit der Vorspeise, dem Hauptgericht und dem Nachtisch Wert legt, entfaltet auch die brasilianische Kultur ein immer besseres Gefühl für den Wein. Er galt lange Zeit als Wohlstandsgetränk für die Oberschicht.

Heute macht er aber auch in allen anderen sozialen Schichten traditionellen Getränken wie Bier oder Caipirinha Konkurrenz. Wobei: Bier wird auch in Brasilien viel und gerne getrunken: Nach der interaktiven Welt-Alkoholkarte konsumieren die Brasilianer im Durchschnitt 1651 ml pro Kopf in der Woche. Beim Wein sind es gerade mal 47 ml – Tendenz jedoch steigend. Die Erfolgsgeschichte ist also noch nicht beendet …