Mit Biogas aus Müll Strom für 300.000 Menschen erzeugen

Veröffentlicht am 20. September 2016 unter Brasilien News

Foto: Termoverde Caieiras/Divulgação

Foto: Termoverde Caieiras/Divulgação

In São Paulo ist ein Stromkraftwerk in Betrieb gegangen, dessen Grundlage der Hausmüll ist. Mit einer Potenz von 29,5 MW ist “Termoverde Caieiras“ die größte Biogasanlage Brasiliens. Theoretisch kann mit ihr eine Stadt mit 300.000 Einwohnern versorgt werden. Betrieben wird sie allein mit dem Methangas einer einzigen Müllhalde.

Die Auswirkungen von Methangas auf die Erderwärmung gelten um 20 Mal so hoch, wie die von Kohlendioxid. Auf dem Müllberg bei der Stadt Caieiras ist es bisher deshalb kontrolliert abgefackelt worden.

Statt es weiter abzufackeln, wird es nun über Turbinen in Strom verwandelt. Entstanden ist das gigantisch anmutende Kraftwerk mit Finanzmitteln aus dem Entwicklungsfond für Infrastruktur (REIDI) der brasilianischen Bundesregierung und Steuernachlässen.

Suani Teixeira Coelho vom Energieinstitut der Universität São Paulo (IEE-USP) sieht in der Biogasanlage eine große Zukunft. Würde der gesamte Hausmüll des Bundesstaates São Paulo über Biogasanlagen zu Energie verwandelt, könnten nach ihren Angaben 500 MW Strom erzeugt werden, 17 mal soviel wie mit dem jetzt eröffneten Werk in Caieiras.

Die Anlagen würden nicht nur eine alternative zu den mit fossilen Brennstoffen betriebenen Kraftwerken darstellen. Ein weiterer Vorteil wäre ihre Dezentralisierung. Durch diese entfallen große Überlandleitungen, wie sie für die Mega-Wasserkraftwerke notwendig sind, deren Strom teilweise über tausende Kilometer hinweg bis zum Endabnehmer geleitet wird.

Gibt es bei diesen ein Problem können schnell Millionen Mensch von einem Blackout betroffen sein. Suani Teixeira Coelho sieht in kleineren und den Müll-Biogasanlagen deshalb eine wichtige Alternative für die Stromversorgung des Landes.

Nicht alle Wissenschaflter sind ihrer Meinung. Carlos Bocuhy, Präsident des Umweltschutzinstitutes Proam, bezeichnet die Strategie als palliativ, weil der Müll das eigentliche Problem ist.

Der dürfte seit diesem Jahr eigentlich nicht mehr auf wilden Müllhalden landen, tut dies aber immer noch, weil viele Munizipe dem Gesetz zur Anlage von geregelten Müllbergen nicht nachgekommen sind. Auch gibt es Vorgaben zur Müllvermeidung.

Nach Meinung von Bocuhy würde mit der Umsetzung des Regierungsplans zur Festmüllentsorgung die Abfallmenge schon im Vorfeld reduziert und auch das Recycling gestärkt. Er fordert zudem ein Umdenken. Ziel sollte es sein, die Entstehung von Methangas von vorneherein zu vermeiden, so Bocuhy.