Projekt soll die Strassen für Wildtiere sicherer machen

Veröffentlicht am 29. Mai 2016 unter Brasilien News

Das Gesetz 466/2015 soll die Sicherheit von Menschen und wilden Tieren mit der Einführung von Massnahmen garantieren, durch die sich diese Spezies im nationalen Territorium frei bewegen können und die Unfälle auf Autostrassen und Eisenbahnschienen zurückgehen. Dieser Vorschlag liegt der Abgeordneten Kammer, mit dem Vermerk “eilig“, seit dem 22. März dieses Jahres vor und wartet auf eine Abstimmung im Senat.

Nach einer Aufstellung des “Centro Brasileiro de Estudos em Ecologia de Estradas (CBEE)”, von der Universität in Lavras, werden jährlich 475 Millionen Wildtiere auf Brasiliens Strassen überfahren. Wie der Koordinator des Zentrums, der Professor und Forscher Alex Bager , erklärt, sind 90% dieser Tiere kleine Wirbeltiere, wie Kröten, Schlangen und Vögel.

Im Pantanal weisen Schilder darauf hin, dass Tiere die Strasse überqueren - Foto: sabia brasilinfo

Im Pantanal weisen Schilder darauf hin, dass Tiere die Strasse überqueren – Foto: sabia brasilinfo

“Sie repräsentieren 400 Millionen und sind genauso bedeutend wie die grösseren Tiere, und sie sind es wert, genauer erforscht zu werden. Dass wir die kleinen Tiere nicht bemerken, soll nicht heissen, dass sie nicht auch eine grosse Bedeutung für die Erhaltung unserer Biovielfalt haben“, sagte er. Von den grossen Wirbeltieren, wie zum Beispiel Tapir, Wasserschwein, Mähnenwolf und Grosskatzen werden jährlich 5 Millionen in Brasilien überfahren!

Der Forscher hält die Verabschiedung des vorgeschlagenen Gesetzesprojekts für einen der grössten Beiträge zur Erhaltung der Biodiversität in Brasilien. “Dieses Gesetz hätte Gültigkeit im gesamten nationalen Territorium und würde einige Verpflichtungen mit sich bringen, die, wenn sie gut implantiert und sorgfältig kontrolliert würden, sowohl die Biovielfalt als auch die Menschen schützen würden. Stellen Sie sich nur mal vor, dass 5 Millionen grosse Tiere jedes Jahr überfahren werden! Sie verursachen Kosten, sowohl durch den Verlust ihres Lebens als auch materieller Art, etwas, das man überhaupt noch nicht bedacht hat“.

Wie Bager fortführt, werden in anderen Ländern jedes Jahr Milliarden Dollar ausgegeben für Unfälle, die mit Wildtieren zutun haben. “Also diskutieren wir einen Aspekt von ambientaler, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Bedeutung. Es ist unumgänglich, dass dieses Projekt endlich genehmigt wird“, sagt er.

Freie Bewegung

Unter den Massnahmen, die für dieses Gesetzesprojekt vorgesehen sind, ist auch die Installation von Geschwindigkeit reduzierenden Strassenschwellen und Reflektoren, sowie die Konstruktion von Brücken, Tunneln und Zäunen.

Nach Auskunft des Koordinators der CBEE, 19 Aktionspläne für die Erhaltung der Fauna, die vom “Institut Chico Mendes de Conservação da Biodiversidade (ICMBio)“ entwickelt wurden und 35 in Brasilien bedrohte Spezies berücksichtigen, bestätigen die Notwendigkeit von Aktionen und Studien zur Verringerung der Tötung durch den Strassenverkehr. “Das ist so zu verstehen, dass jene Spezies durch die Präsenz von Strassen und Schienen erschreckt und in den Tod getrieben werden“.

Wie Bager betont, sind besonders die Grosskatzen durch heranrasende Fahrzeuge unfallgefährdet. “Diese Tiere legen weite Strecken auf der Suche nach Beute zurück, sie brauchen ein grosses Territorium als Lebensraum. Deshalb kreuzen sie verschiedene Pisten und Schienen. Und wie die Grosskatzen, sind auch Mähnenwolf und Tapir aus demselben Grund höchst gefärdet“.

Andere Folgen

Die Zusammenstösse mit Tieren sind die offensichtlichsten Folgen auf den Strassen, jedoch, so der Forscher, gibt es darüber hinaus die sogenannten Nebenwirkungen, die sich viele Kilometer von der Strasse entfernt abspielen können. “Zum Beispiel die Geräusche. Das Geräusch des Motors, der Hupe, das Geräusch der vorbeirasenden Autos allein führt zu einer Störung der auditiven Kapazität der Tiere, mit der sie gewöhnt sind, Partner und Nahrung aufzuspüren und sich in ihrer Umgebung zurechtzufinden“, erklärte er.

“Irgendeine Grosskatze, die aus dem Wald heraustritt, die Strasse vor sich sieht und nicht den Mut hat, sie zu überqueren. Sie wird nicht überfahren, aber stellen Sie sich vor, dass sie ein Beutetier auf der anderen Seite entdeckt – und sie kann nicht hinüber. Es existieren viele Spezies, die es nicht wagen, die Strasse zu überqueren, jedoch wird sie genauso vom Autoverkehr betroffen in ihrer angestammten Lebensweise. Vielleicht etwas langsamer, denn sie stirbt nicht sofort, wird jedoch auf längere Sicht benachteiligt“, fügt Bager hinzu.

Kritische Abschnitte

Unter den kritischsten Strassenabschnitten für die Tiere nennt der Koordinator der CBEE vier:

BR-471, in Rio Grande do Sul, an der Stelle, wo die Strasse die “Estação Ecológica do Taim” kreuzt: “Die Anzahl der dort überfahrenen Tiere ist erschreckend, und seit Jahrzehnten hat man dagegen nichts unternommen. Rundherum befindet sich eine grosse Lagune, mit riesigen Reispflanzungen“.

BR-101, im Norden von Espírito Santo, im Abschnitt, der das Biologische Reservat von Sooretama kreuzt: “Diese von Süd nach Nord verlaufende Küstenstrasse kreuzt eine Unendlichkeit äusserst bedeutender Naturreservate, eines davon ist das in Espirito Santo“.

BR-262, in Mato Grosso do Sul, im Abschnitt, der den Cerrado vom Pantanal trennt: “Der gesamte Strassenabschnitt, beginnend in Três Lagoas (Mato Grosso do Sul) ist eine einzige Schlachtbank. Dort hat man bereits einige Geschwindigkeit begrenzende Schwellen implantiert und Verkehrsschilder aufgestellt, aber es ist immer noch extrem wichtig, weitere Massnahmen zu ergreifen.Die Region ist ein bedeutender touristischer Pol – von Campo Grande bis Bonito – und jene Szenen der toten Tiere am Strassenrand werfen ein böses Licht auf unser Land“.

BR-163, am Abschnitt der Mato Grosso von Mato Grosso do Sul trennt: “Diese Strasse wurde vor etwa einem Jahr an ein Konzessionär-Unternehmen übergeben, und in den nächsten vier Jahren soll sie verdoppelt werden – danach wird sie zu einem besonders grossen Problem für die Wildtiere, deshalb brauchen wir eine detaillierte Studie. Dies ist unsere ganz grosse Chance, die vorgeschlagenen Massnahmen zum Schutz von Mensch und Tier zu verwirklichen, denn die Kosten der Vorsorge werden jetzt viel geringer sein, das müssen die Kozessionäre und die Regierung endlich kapieren“.

Das Urubu -System

Sistema-urubuDie CBEE hat im Jahr 2014 das sogenannte Urubu-System entwickelt, das bereits auf mehr als 17.000 Partner zählen kann, die verantwortlich sind für das Registrieren und Versenden von Informationen hinsichtlich des Überfahrens von Wildtieren im ganzen Land. Die Fotos und Koordinaten werden mittels einer Software für Handys gesammelt, von Spezialisten ausgewertet und einer Datenbank zugeführt. Die Software steht zur Verfügung für die Systeme Android und IOS.