World Resource Institute kritisiert Brasiliens Energiematrix

Veröffentlicht am 24. September 2015 unter Brasilien News

agenciabrasilWährend weltweit die Reduzierung von Treibhausgasen diskutiert wird, setzt Brasilien bei der Energiematrix weiterhin auf herkömmliche und fossile Energien. Zu dem Ergebnis kommt ein Bericht des World Resources Institute (WRI), der auf offizielle Daten der brasilianischen Behörden beruht. Danach sind bis 2020 über 70 Prozent der Investitionen für Energien vorgesehen, die mit hohen Emissionen an Treibhausgasen einhergehen.

Schon jetzt gilt Brasilien im globalen Vergleich als siebtgrößter Emitent von Treibhausgasen. Nach Ansicht der WRI-Experten wird das südamerikanische Land allerdings in den kommenden Jahren die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verstärken.

Positiv auf die CO2-Bilanz hat sich indes die starke Reduzierung der Abholzung im Amazonas-Regenwald ausgewirkt. Zwischen 2005 und 2011 ist die mit den Kahlschlägen und Brandrodung einhergehende Kohlendioxidfreisetzung um 74 Prozent gesunken. Gleichzeitig sind die Ausstöße im Energiebereich um 24 Prozent gestiegen.

Die starke Trockenheit im Süden und Südosten Brasiliens während der vergangenen zwei Jahre hat gezeigt, wie anfällig das Energiesystem des Landes ist, das bisher vor allem auf die Wasserkraft gesetzt hat. Mangels Wasser in den Stauseen mussten jedoch Kraftwerke zugeschaltet werden, die mit fossilen Energien arbeiten.

Bis 2024 soll die Kapazität des Stromsektors nach den jüngsten Ankündigungen um 73.000 Megawatt erweitert werden. Etwa 27.200 sollen von großen Staukraftwerken kommen, 18.900 von Windkraftanlagen und 16.400 von anderen regenerativen Energien wie die Solarenergie oder Biogas. Knapp 11.000 werden indes auf fossilen Brennstoffe beruhen.

Eine große Herausforderung stellt der Verkehr dar. Bahnnetze und Wasserwege sind nur eingeschränkt vorhanden. Auch wenn nach dem Investitionsplan der Ausbau von Wasserwegen und in einigen Bereichen des Bahnnetzes vorgesehen sind, konzentriert sich der Großteil auf den Ausbau von Straßen.

Vom WRI wird zudem gefordert, den öffentlichen Nahverkehr stärker auszubauen, sei es mit dem Schienenverkehr oder dem BRT-System (Bus Rapid Transit), um die Städte vor dem Verkehrskollaps zu bewahren und ebenso zur Verminderung der Treibhausgase beizutragen.

Noch ist offen, wie Brasilien zur Verringerung der Treibhausgase beitragen will und welche Vorschläge das Land bei der Weltklimakonferenz im Dezember in Paris vorschlagen wird. Präsidentin Dilma Rousseff hat angekündigt, den Kompromis Brasiliens zur Abmilderung des Klimawandels am Sonntag bekannt zu geben.