Auf den Strassen werden jährlich 400 Millionen Wildtiere von Autos überfahren

Veröffentlicht am 4. September 2015 unter Brasilien News

Tote Spezies_O Grito do BichoIn jedem Jahr werden auf den Strassen dieser Welt zirka 400 Millionen Wildtiere durch unachtsame Autofahrer getötet. Allein in Brasilien sind es jährlich 750.000, was einer täglichen Quote von 2.055 Opfern entspricht. Ein grosser Teil davon stirbt auch infolge der urbanen Ausbreitung und durch die Reservatorien der Wasserkraftwerke. Die Zahlen wurden vom Präsident der “Associação Protetora dos Animais Silvestres” (Vereinigung zum Schutz der Wildtiere) Apas, Agnaldo Marinho, präsentiert.

“Leider ist die “Onça-parda“ (Puma) in einigen Orten zur Strassenkatze geworden, und die Menschen fangen an zu glauben, dass alle Tiere innerhalb der Stadt entweder Katzen oder Hunde sind“, sagte er während eines Programms des “Rádio Amazônia Brasileira“ der “Empresa Brasil de Comunicação“ (EBC).

Aber es sind nicht nur die Autos, von denen Wildtiere in Brasilien getötet werden. “Wir müssen weniger Abfall in der freien Natur zurücklassen, denn das wird zu einem grossen Problem für die Fauna des Waldes, und weniger Wildtiere als Haustiere halten. In einigen Bundesstaaten ist es üblich, Papageien anzuschaffen, weil es den Leuten gefällt, wenn sie sprechen lernen. Aber für jeden “Louro, der einem das Füsschen gibt, wenn man ihn darum bittet“, mussten 50 Exemplare ihr Leben geben, beim Transport durch gewissenlose Tierhändler“, bestätigt der Präsident.

Ausserdem erklärt er, das die Personen, die sich ein Wildtier anschaffen, nicht ahnen, dass sie damit ein Risiko für ihre eigene Gesundheit eingehen. “Diese Tiere pflegen mit Viren behaftet zu sein, die in Stresssituationen aktiv werden und auch auf den menschlichen Organismus übergreifen können. Das ist bewiesen! Und deshalb sage ich immer: Wir müssen jetzt vorbeugen, um nicht morgen für unsere Fahrlässigkeit bezahlen zu müssen“, fügte er hinzu.

Ein weiterer Faktor, den der Experte als schädlich für die Umwelt bezeichnete, sind die Reservatorien der Wasserkraftwerke. Im Umfeld der Stadt Assis, im Bundesstaat São Paulo – wo er die Apas gegründet hat, nachdem er auf die grosse Anzahl von kranken Tieren aufmerksam geworden war, die Verbrennungen und andere Wunden aufwiesen – gibt es drei Wasserkraftwerke, die hintereinander, in einem Abstand von zehn bis fünfzehn Kilometern, errichtet worden sind.

Wegen der Wassertanks, die man für die Wasserkraftwerke angelegt hat, haben die Wildtiere begonnen, ins Umfeld der Städte dieser Region einzuwandern. “Als man mit der Implantierung dieser Kraftwerke begann, gab es in dieser Region endemische Tiere und solche, die “auf der Durchreise“ waren. Ich bemühte mich darum, kranke Tiere einzufangen und in eine Tierklinik zu bringen – jeden Tag in eine andere, um niemanden zu überfordern“, erinnert sich der Umweltschützer.

“Da mein Vater einen kleinen Landsitz besass, begann ich, ihn zu benutzen, um zur Behandlung der Tiere beizutragen. Dann begriff ich, dass es notwendig geworden war, den Staatsanwalt einzuschalten. Die Apas entwickelte sich zu einer Referenz, und heute gelingt es uns, sowohl die Wildtiere wieder gesund zu machen, als auch in schweren Fällen sie einem “Mantenedor“ (von der IBAMA autorisiertes Unternehmen zur Aufzucht und Haltung von Wildtieren, die Opfer schlechter Behandlung geworden sind) zu überstellen“, ergänzte er.

Wie er weiter erklärt, führen die besagten Reservatorien für weniger sichtbare Tierarten zu grossen Problemen. “Die aquatische Fauna der Region wurde fast zu 70% vernichtet. Die Konzessionäre der Wasserkraftwerke haben Pläne für eine Neubesetzung, jedoch bevorzugen sie Fische, die von Sportanglern begehrt sind, und so wird die native Fauna verschwinden“.

Das Gesetz gegen die Umweltkriminalität ist “exzellent“ – jedoch bemängelt er seine praktische Umsetzung als “Fehlschlag“. “Es werden Strafen bis zu R$ 200.000 (70.000 Euro) verhängt, aber weil der Betroffene keine Möglichkeit hat, sie zu bezahlen, läuft es darauf hinaus, dass er stattdessen die Strafe in Dienstleistungen für die Allgemeinheit abarbeiten muss. In der Regel für Institutionen wie Obdachlosenasyle etc. – die überhaupt nichts mit Natur und Umwelt zutun haben“!