In Brasilien kommen täglich 28 Kinder und Jugendliche gewaltsam ums Leben

Veröffentlicht am 14. Juli 2015 unter Brasilien News

TatortWährend in Brasilien die Kindersterblichkeit in den vergangenen 25 Jahren um beinahe 70 Prozent verringert werden konnte, hat sich die Zahl der gewaltsam ums Leben gekommenen Kinder und Jugendlichen im gleichen Zeitraum mehr als verdoppelt. Das ist eins der Ergebnisse einer Bilanz, die von der Unicef zum 25. Jahrestag des Inkrafttreten des Estatuto da Criança e Adolescente (Statuten der Kinder und Jugendlichen) am Montag (13.) vorgelegt worden ist.

Seit der Verabschiedung der Satzung im Jahr 1990 konnte Etliches erreicht werden. So ist die Sterblichkeit von Kindern zwischen 1990 und 2012 um 68,4 Prozent auf 14,9 Todesfälle pro 1.000 Neugeborene gesunken. Verbesserungen konnten auch bei der Schulbildung erreicht werden. Immerhin sind mittlerweile 93 Prozent der schulfpflichtigen Jungen und Mädchen in einer Schule eingeschrieben.

Damit drücken allerdings immer noch drei Millionen Kinder und Jugendliche keine Schulbank obwohl sie das müssten. Darüber hinaus gehen 1,3 Millionen Minderjährige einer Arbeit nach. Beinahe ausgelöscht werden konnte die Kinderarbeit jedoch in der Altersgruppe der Fünf- bis Neunjährigen.

Düster sieht es indes aus, was die Gewalt anbelangt. Die Zahl der gewaltsam ums Leben gekommenen unter 18-Jährigen hat sich zwischen 1990 und 2013 von 5.000 auf 10.500 pro Jahr erhöht. Damit werden in Brasilien täglich 28 Kinder und Jugendliche umgebracht. Opfer sind vor allem schwarze Jungen, die in ärmeren Vierteln und Randregionen der Großstädte leben. Ihre Chancen, umgebracht zu werden, sind fast viermal höher als die eines weißen Jugendlichen. Mit der hohen Mordrate an Minderjährigen liegt Brasilien laut Unicef weltweit lediglich hinter Nigeria an zweiter Stelle.

Dies zu ändern wird seit Langem gefordert. Strittig sind allerdings die Wege. Während im brasilianischen Kongreß von der Mehrheit eine Reduzierung der Strafmündigkeit von 18 auf 16 Jahre befürwortet wird, sprechen Sozialverbände und Menschenrechtsorganisationen von einem Rückschritt. Nach Angaben der Unicef begehen zudem nur 0,01 Prozent der Jugendlichen ein Gewaltverbrechen gegen das Leben.