WM-Vermächtnis: Leere Stadien, unfertige Bauprojekte und Untersuchungen zu überhöhten Preisen

Veröffentlicht am 12. Juni 2015 unter Brasilien News

Als vor einem Jahr die Copa 2014 eröffnet worden ist, haben die Brasilianer noch große Hoffnungen gehabt, nicht nur auf den Weltmeistertitel, sondern ebenso auf bleibende Infrastrukturmaßnahmen. Beinahe die Hälfte von diesen sind heute allerdings immer noch nicht fertiggestellt. Bei einigen gibt es nicht einmal einen voraussichtlichen Termin zur Beendigung. Geblieben sind indes leerstehende Stadien, die hunderttausende Euro im Monat an Unterhaltskosten verschlingen.

Nach einer Studie der Stiftung Fundação Dom Cabral und der australianischen Universität Griffith fällt das Vermächtnis der Fußballweltmeisterschaft aus wirtschaftlicher Sicht negativ aus. Dass das ausgegebene Geld hätte sinnvoller angelegt werden können, darüber sind sich viele Brasilianer einig. Einige der sündhaft teuren Stadien, die zwar mit internationalen Architektur-Auszeichnungen aufwarten können, reissen nach wie vor Löcher in die Kassen. Ein Beispiel ist die Arena da Amazônia in Manaus, deren außerordentliche Architketur wenig dazu beiträgt, dass sie genutzt wird. Lediglich neun Fußballspiele haben nach der WM dort stattgefunden. Die Wartungskosten betragen indes etwa 150 Millionen Euro im Jahr. Seit der WM hat sie für einen Verlust von über einer Millionen Euro gesorgt.

Chico Batata Agecom-AM

Die Pantanal-Arena in Cuiabá ist bis heute nicht endgültig fertiggestellt, soll aber über 300 Millionen Euro Unterhaltskosten im Monat aufweisen. Längst nicht fertig ist ebenso die groß angekündigte Stadtbahn. Von den 33 Stationen ist bisher eine einzige gebaut worden, von den 22 Kilometern Schienennetz lediglich 800 Meter. Währenddessen stehen die 40 bereits eingetroffenen Wagons auf dem Hinterhof des Flughafens und warten auf ihren Einsatz, der auf 2018 verschoben wurde. Stattdessen gibt es Untersuchungen über Unregelmäßigkeiten bei der Bauvergabe- und ausführung, der auf 400 Millionen Euro teuren geschätzten Anlage. Dass diese bis zu ihrem Abschluß wesentlich teurer sein wird, steht schon jetzt fest. Allein für die Analyse zu den Unregelmäßigkeiten wurden über fünf Millionen Euro ausgegeben. Beim Kauf der Wagons werden zudem überhöhte Preise vermutet.

Auch in Fortaleza sind die 12,7 Kilometer Stadtbahn weit davon entfernt, in Betrieb zu gehen. Von dem über 50 Millionen teuren Bau ist gerade einmal die Hälfte fertiggestellt. Auch in Recife sind einige Arbeiten zur Infrastruktur bisher lediglich auf dem Papier vorhanden. Von den städtebaulichen Plänen, rund um die Arena Pernambuco Einkaufszenter, Hotel, Krankenhaus und Wohngebäude zu errichten ist bisher nichts verwirklicht. Stattdessen wurde unlängst eine knapp 400 Millionen Euro teure Studie in Auftrag gegeben, mit der nun die Durchführbarkeit und Rentabilität eroiert werden sollen.

Noch gebaut wird ebenso an den Infrastrukturmaßnahmen zur WM-2014 in den Städten Curitiba und Porto Alegre. In São Paulo wurden die Stadtbahn wegen Verzögerungen kurzerhand aus der Projektliste zur Copa 2014 gestrichen. In Rio de Janeiro sind die wichtigsten Arbeiten zur Verbesserung der städtischen Mobilität einfach auf die Olympischen Spiele verschoben worden. Ob die Reformarbeiten am internationalen Flughafen der Stadt bis August 2016 abgeschlossen werden ist jedoch fraglich. Begonnen wurde mit dem Umbau indes bereits 2008.

Offiziell übergeben wurden die Arbeiten in Belo Horizonte. Allerdings hat dort ein Pfusch am Bau zu zwei Toten und 23 Verletzten geführt, als noch während der WM die Überführung Guarapes eingestürzt ist. Die polizeilichen Untersuchungen haben ergeben, dass ein Berechnungsfehler bei der Statik vorgelegen hatte und die Stadtverwaltung davon schon vor dem Bau informiert worden sei. Gepfuscht wurde ebenso am Viadukt Montese, das neun Monate lang wegen Reparaturarbeiten gesperrt war.

Ursprünglich waren im Plan zur Fußball-Weltmeisterschaft in den zwölf Austragungsorten 82 Baumaßnahmen vorgesehen, inklusive der Stadien, Flughafenunmbauten und den Projekten zur Mobilität und Infrastruktur. Übrig geblieben sind von diesen 44. Allerdings sind von denen bisher lediglich 24 tatsächlich abgeschlossen worden.