Hinrichtung Brasilianers in Indonesien überschattet Beziehungen der beiden Länder

Veröffentlicht am 19. Januar 2015 unter Brasilien News

Die Beziehungen zwischen Indonesien und Brasilien sind überschattet. Anlass dafür ist die Hinrichtung eines 53-jährigen Brasilianers, der 2004 wegen Drogenschmuggels zum Tod verurteilt worden war. Während die brasilianische Regierung ihr Missfallen über die Hinrichtung ausdrückt, werden in den sozialen Netzwerken des südamerikanischen Landes die Stimmen nach einer Einführung der Todesstrafe laut.

handout-archerIn der Nacht von Samstag auf Sonntag wurde in Indonesien der Brasilianer Marco Archer Cardoso Moreira hingerichtet. Der 53-Jährige war 2003 festgenommen und nach einem Geständnis bereits 2004 verurteilt worden. Der Fluglehrer hatte versucht, in einem Drachen 13,4 Kilogramm Kokain nach Indonesien einzuschmuggeln. In einem kurz vor seinem Tod gedrehten Video sagte Archer, dass er sein Handeln bereue und sich nichts sehnlichster wünsche, als in sein Heimatland zurückkehren zu können, um dort den jungen Menschen zu zeigen, dass Drogen unweigerlich entweder in den Tod oder ins Gefängnis führen. Aufgenommen wurde das Video bei einem Telefongespräch mit dem Filmdirektor Marcos Prado, einem Freund Archers, der über den Fall einen Dokumentarfilm drehen wollte.

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff zeigte sich schockiert und zutiefst empört über die Entscheidung ihres indonesischen Kollegen Joko Widodo sowie über die Hinrichtung. Sowohl sie als auch bereits Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hatten bei der indonesischen Regierung und beim Präsidenten im Vorfeld mehrfach darum gebeten, die Vollstreckung des Urteils aufzuheben. Eingeschaltet worden war ebenso Pabst Franziskus. Allerdings blieben die Gesuche ungehört.

Einer Pressemitteilung zu Folge soll der Botschafter Brasiliens in Jacarta nun nach Brasília berufen worden sein. Dies wird als Zeichen dafür verstanden, dass die Beziehungen zwischen den beiden Ländern angespannt sind. Vom Generalsekretär des Außenministeriums, Sérgio Danese, wurde der indonesische Botschafter in Brasilien bereits ins Amt zu Gesprächen berufen. Sérgio Danese sprach von einem “Schatten“, der sich über die Beziehungen zwischen Indonesien und Brasilien gelegt habe.

Doch Brasilien scheint wieder einmal zweigeteilt zu sein. Während Politiker die Erschießung Archers kritisieren, werden im Facebook, Twitter und Co. Sein Fall und die Todesstrafe heftig diskutiert. Viele Internauten sprechen sich öffentlich und vehement dafür aus, dass Drogenhändler und andere Kriminelle zum Tode verurteilt werden sollten. Eine Rolle spielt dabei wohl die hohe Gewaltrate des südamerikanischen Landes und der Wunsch nach mehr Sicherheit. Etwa 60.000 vor allem junge Menschen kommen in Brasilien jährlich gewaltsam ums Leben. Das ist mehr als in so manchen Regionen der Welt, in denen Krieg herrscht. Gleichzeitig liegt die Aufklärungsrate jedoch bei lediglich fünf bis acht Prozent.

Bei öffentlichen Umfragen über die Todesstrafe fielen die Ergebnisse bisher indes anders aus. Erst im Oktober 2014 hatte das Institut Datafolha eine Studie veröffentlicht, nach der sich 43 Prozent der Befragten für und 52 Prozent gegen eine Todesstrafe ausgesprochen hatten. Im Jahr 2013 lag die Zahl der Befürworter hingegen noch bei 47 Prozent.

Andererseits hatten sich vor der Vollstreckung des Urteils ebenso etliche Brasilianer dafür stark gemacht, Marco Archer zu helfen, unter anderem mit Bitten auf der Facebookseite des indonesischen Staatschefes zur Aufhebung des Todesurteils.

Marco Archer ist der erste Brasilianer, der im Ausland aufgrund eines gerichtlichen Urteils erschossen worden ist. Er ist allerdings nicht der Einzige, der zum Tode verurteilt wurde. Ebenso in einer Todeszelle Indonesiens sitzt der 42-jährige Surfer Rodrigo Muxfeldt Gularte. Er wurde 2004 beim Versuch festgenommen, sechs Kilogramm Kokain ins Land zu schmuggeln. Die Vollstreckung seines Todesurteils ist angeblich für den Februar festgesetzt. Wären Gulart und Marcher in Brasilien verurteilt worden, hätte ihnen lediglich eine 15-jährige Haftstrafe gedroht.