Brasilien: 77 % der behinderten Kinder besuchen Regelschulen

Veröffentlicht am 9. Oktober 2014 unter Brasilien News

escola-brasilTheoretisch hat auch in Brasilien ein jedes Kind ein Recht darauf, in die Schule gehen zu dürfen. Die zwölfte internationale Aktionswoche über Inklusion zeigt jedoch, dass im größten Land Südamerikas 140.000 Buben und Mädchen mit einer geistigen oder körperlichen Behinderung noch davon ausgeschlossen sind. Trotz dieser erschreckenden Zahlen wurde in den vergangenen Jahren Vieles erreicht. Immerhin sind mittlerweile bereits drei von vier behinderten Kinder in Regelschulen eingeschrieben.

Das Thema der Inklusion erhitzt auch in Brasilien die Gemüter. Spezielle Schulen für behinderte Kinder fürchten um ihren Fortbestand und so manche Eltern haben Angst vor möglichen Vorurteilen der Mitschüler. Auch sind viele Schulen nicht behindertenfreundlich ausgestattet. Treppen statt Rampen am Eingang, fehlende Fahrstühle und Stolperschwellen sind keine Seltenheit. Nach einer Studie sind lediglich 22 Prozent der Schulgebäude barrierefrei ausgestattet.

Die Zahl der behinderten Buben und Mädchen, die Regelschulen besuchen, hat sich dennoch erhöht. Im Jahr 2010 wurden in Brasilien 3,8 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen vier und 17 Jahren gezählt, die eine geistige oder körperliche Behinderung haben. Ein Drittel von ihnen hat jedoch keinen Kindergarten oder Schule besucht. Beim Schulzensus von 2012 waren es 140.000 behinderte Kinder und Jugendliche zwischen Null und 18 Jahren, die in keiner Schule, Krippe oder Kindergarten eingeschrieben waren. 2013 konnte somit eine Inklusion von 77 Prozent erreicht werden. Ziel ist jedoch eine vollständige Integration.

Der im Juni dieses Jahres verabschiedete Nationale Erziehungsplan Brasiliens (PNE) sieht vor, dass in zehn Jahren alle Buben und Mädchen Zugang zu den Schulen haben sollen. Der integrale Unterricht wird dabei nicht nur für Menschen mit Behinderung als wichtig erachtet, sondern ebenso für die Nichtbehinderten, um Vorurteile abzubauen. In diesem Zusammenhang fanden während der Aktionswoche auch in vielen Städten Brasiliens in Schulen, Theatern und anderen öffentlichen Einrichtungen etliche Veranstaltungen statt, bei denen es neben der Inklusion in den Schulen auch um das Miteinander von behinderten und nichtbehinderten gegangen ist.