Meere in Not

Veröffentlicht am 7. Juni 2014 unter Brasilien News

Untersuchungen, die weltweit veröffentlicht wurden, deuten an, dass es am 08. Juni – dem Internationalen Tag des Ozeans – keinen Grund zum Feiern gibt, sondern eher zur Trauer.

Underwater coral reef seabed view with horizon and water surfaceLeidenszeiten für die Ozeane. Studien und Berichte die während der letzten Monate veröffentlicht wurden, zeigen, dass das Meeresszenario noch nie so “versalzen“ war. Wissenschaftler aus der ganzen Welt bestätigen zunehmend die Risiken, denen die Biodiversifikation der Meere und das Wohlergehen der Menschheit durch die klimatischen Veränderungen ausgesetzt sind. Verschmutzung, Übersäuerung und Erwärmung des Wassers sind nur einige der Gründe, warum das Meer “in Rage“ ist.

An der Universität von São Paulo sind sich die Wissenschaftler der Abteilung Ozeanographie einig, dass es am “Tag des Meeres“ in diesem Jahr viel mehr Gründe gibt, über ihre Rettung nachzudenken, als diesen Tag zu feiern. Der letzte Bericht des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change), zum Beispiel, zeigte, dass die Zunahme von klimatischen Veränderungen zu einer um 82 Zentimeter ansteigenden Meeresoberfläche führen kann. Dadurch würden sämtliche Küstenregionen rund um den Globus weitläufig und dauerhaft überflutet werden.

“Die zunehmende Temperatur der Atmosphäre löst ein Abtauen der Eiskappen an den Polen aus, und das führt zu einer thermovolumetrischen Ausbreitung der Ozeane und hebt damit das gesamte Meeresniveau an. Über den Schaden für die Menschen hinaus, durch die Überflutung der Küstenregionen, wird die Ausbreitung der Meere mit einer Erhöhung der Wassertemperatur einhergehen, die sich besonders auf die Meeresfauna und Flora auswirken wird. Durch den sinkenden Sauerstoffgehalt werden sich die Algen ausbreiten, und das Wasser wird seine Qualität einbüssen“, erklärt ein Wissenschaftler.

Deutsche und amerikanische Forscher haben ebenfalls in einer in “Nature Climate Change“ veröffentlichten Studie bewiesen, dass die Zunahme der CO2-Emissionen des so genannten “Treibhauseffekts“ zu einer zunehmenden Absorbierung von Kohlendioxyd durch die Ozeane führt. Und dieser Prozess resultiert wiederum in einer steigenden Übersäuerung der Meere.

“Je grösser die industriellen Aktivitäten, desto mehr CO2 gelangt in die Atmosphäre und umso grössere Mengen dieser Gase werden auch von den Ozeanen absorbiert – und umso “saurer“ werden sie. Die Ausbleichung der Korallen ist ein Anzeichen für die ambientale Degradierung, und sie steht möglicherweise in Zusammenhang mit der Übersäuerung des Meeres“, bemerkt einer der Wissenschaftler.

Eine andere Studie der Uni São Paulo, in Partnerschaft mit dem Museum für Naturgeschichte in Uruguay, demonstriert, dass 41% der Ozeane unseres Planeten sich in einem durch humane Aktivitäten stark beeinträchtigten Stadium befinden. Die Studie beweist mit ihren Daten, dass die oft vertretene Idee, die salzhaltigen Meere seien unerschöpfliche Ressourcen, und man brauche sich deshalb keine Sorgen um sie zu machen, unhaltbar geworden ist.

Seit Anbeginn der Zivilisation hat der Mensch die Küstenregionen besetzt, die fruchtbare Ebenen und Mündungsgebiete von Flüssen als ideale Regionen für die humane Besiedelung bereithielten. Mit Ausnahme von São Paulo und Mexiko-City befinden sich heute die anderen bedeutenden Metropolen der Welt in Küstenregionen. Jedoch beweist sich diese Besetzung inzwischen als fataler Irrtum, weil sie auf der Annahme fusste, dass der Ozean eine unerschöpfliche Reinigungskapazität besässe.

Ungenügende Schutzzonen

Die so genannten “Zonen zum Schutz des Meeres”, die zur Erhaltung der Biodiversifikation der Meere eingerichtet wurden, bedecken nicht mehr als 1,17% der Meeresoberfläche unseres Planeten. Brasilien, mit einer Küste von 9.200 Kilometern Länge, hat zum Beispiel lediglich an 1,5% seiner Küste Schutzzonen eingerichtet. Ausserdem wurden 9% dieser für den Naturschutz bestimmten Areale inzwischen wieder für die Förderung von Erdöl an entsprechende Unternehmen abgetreten.

“Zone zum Schutz des Meeres“ bedeutet eine Begrenzung der Aktivitäten zur Ausbeutung der Natur-Ressourcen, ausserdem Einschränkungen eines touristischen Zugangs, der Fischerei und anderer wirtschaftlicher Aktivitäten. Diese Voraussetzungen einzuhalten ist keine einfache Aufgabe, jedoch die Idee der erhaltenden Durchführung gibt diesen Ressourcen eine echte Chance“, so die Wissenschaftler.

Um die ambientalen Ziele zu befolgen, haben Regierungen gigantische Schutzzonen rund um unbewohnte Inseln und Archipele geschaffen. Diese Einheiten befinden sich weit weg vom Territorium der Länder und haben keinen Einfluss auf den Schutz der Küsten-Biodiversifikation. Und gewisse Länder umgehen sogar das Gesetz, um aus ihren isolierten Schutzzonen wirtschaftlichen Nutzen zu ziehen.

“Häufig benutzen Entwicklungsländer ihre protektionistische Fahne dazu, grosse Reserven an Natur-Ressourcen anzulegen, um sie zur Verfügung zu haben, wenn sie sie brauchen. Diese Haltung hat nichts mit dem eigentlichen Ziel einer Schutzzone zutun, das darin besteht, die natürlichen Ressourcen für unsere zukünftigen Generationen zu erhalten“, kritisiert ein Wissenschaftler.

Von allen aktuellen Problemen betreffs der Meere, sind für die Wissenschaftler die Verschmutzung der Flussmündungen und der Küstenregionen die allerschlimmsten. Diese Gebiete bieten einerseits die besten Bedingungen für die Fischerei, eine der bedeutendsten Grundlagen zur Ernährung der Menschheit – andererseits sind genau diese Gebiete am stärksten von der Verschmutzung betroffen und vom biologischen Verfall bedroht.

Die einerseits wachsende Nachfrage nach Lebensmitteln durch sieben Milliarden Erdbewohner forciert andererseits einen zunehmenden Mangel an notwendigem Protein unter den Menschen. Die Fischerei und die Fischzucht besitzen ein bedeutendes produktives Potenzial zur Ernährung der Menschheit.

Trotz diesem insgesamt gespenstischen Szenario, sagen die Wissenschaftler, dass es immer noch möglich ist, die “empörten Wellen der Ozeane zu glätten“. Und zwar, indem sich Nationen verbinden und Grenzen fallen lassen, denn die Meere brauchen eine gemeinsame Anstrengung aller Länder, um erhalten zu werden. Wie die Wissenschaftler vorschlagen, würden sich die Meere “beruhigen“, wenn die Menschheit sich gemeinsam auf die Verringerung des Treibhauseffekts konzentrierte.

Wir wollen hoffen, dass dieser “Tag des Meeres“ die Menschen mobilisieren möge, um sich der Frage zur Qualität der Küstengewässer anzunehmen. Die Erhaltung der Ozeane verlangt nach einem gemeinsamen Engagement. Regierungen und Bevölkerungen müssen endlich verstehen, dass es die Aufgabe dieses Jahrhunderts ist, den CO2-Ausstoss zu begrenzen, um die Qualität der Ozeane zu verbessern!