Es ist für uns alle eine Tragödie

Veröffentlicht am 28. Januar 2013 unter Brasilien News

AgenciaBrasil280113_WDO1859A“Gurizada Fandangueira“ – die “partywütigen Jugendlichen“ – so lautet der Name der Band, die wohl verantwortlich ist. Verantwortlich für die Katastrophe im südbrasilianischen Santa Maria in Rio Grande do Sul, an deren Ende 233 Menschen ihr Leben lassen mussten. Sie starben bei einer Party in einer Disko, weit über 100 der Gäste liegen mit zum Teil schweren Verletzungen in Krankenhäusern.

Rodrigo Moura, ein Türsteher der Diskothek, kann noch immer nicht fassen, was er hautnah miterlebte. “Das war totale Panik. Nur wer da drin war kann es sich vorstellen. Ein Horrorfilm war das“, so Moura gegenüber Korrespondenten vor Ort. Zeugen der Tragödie gaben an, dass Musiker der Band auf der Bühne Feuerwerkskörper zündeten und sogar Fackeln in die Höhe hielten, sodass die Decke der Diskothek sofort in Brand gesetzt wurde. Die Flammen griffen sofort über, breiteten sich rasend schnell aus. Die giftigen Gase, die in dem brennenden Dämmmaterial entstanden und in den Raum strahlten, töteten viele der Gäste binnen weniger Minuten.

Keine Chance für eine geregelte Evakuierung

Eine Chance, dass ein Grossteil der Gäste überhaupt lebend aus der Diskothek herauskommen könnte, hätte es nie gegeben: “Wir haben die Leute aufgefordert, den Klub zu verlassen. Aber inmitten des Tumults fingen die Menschen an, sich gegenseitig zu überrennen und sich totzutrampeln. Viele hatten keine Zeit mehr, rauszukommen. Wir haben auch noch welche gerettet und ins Krankenhaus gebracht. Einige hatten 80 Prozent des Körpers verbrannt und überlebten nicht. Auch einige meiner Arbeitskollegen starben.“

Viele der Fluchtwege sollen nach Zeugenaussagen abgeschnitten gewesen sein, weil sich einige Türsteher weigerten, die flüchtenden Besucher aus dem brennenden Gebäude zu lassen, um zunächst noch die Getränke abzukassieren, was jedoch nicht unüblich sei. In Brasilien wird oftmals erst beim Verlassen des Klubs bezahlt und am Montag wurde zudem bekannt, dass einige Sicherheitsmitarbeiter nicht von Anfang an das Feuer bemerkt hatten. Der Medizinstudent Murilo de Toledo konnte sich noch in letzter Minute ins Freie retten: “Alle liefen zum einzigen Ausgang, der in Wahrheit die Eingangstür war. Da gab es einen Eisenzaun, der dazu diente, dass die Besucher geordnet reinkommen konnten. Die Sicherheitsleute wollten zuerst niemanden rauslassen, bevor nicht gezahlt wurde. Sie dachten, dass es eine Massenschlägerei sei. Dann kam das Feuer aber bis an den Ausgangsbereich heran.“

Einziger Ausgang wurde zur Todesfalle

Andere Gäste berichteten, der einzige Ausgang des Klubs, wurde zur Todesfalle. Nachstürmende Jugendliche trampelten andere am Boden liegende tot. Bilder und Berichte der Einsatzkräfte zeigen, dass vor der Tür die Leichen übereinander lagen. Von aussen versuchten Rettungskräfte sich mit Äxten und schweren Hämmern Zutritt zur Disko zu verschaffen, die Wände zu zerstören, um Eingeschlossenen zu befreien.

Staatspräsidentin Dilma Rousseff eilte sofort nach Bekanntwerden vom EU-Lateinamerika-Gipfel aus Santiago de Chile nach Santa Maria, an dem auch Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnahm, und traf sich in einem Krankenhaus mit verletzten Diskobesuchern. Sprach Trost zu und versicherte den verletzten Opfern und Angehörigen der vielen Toten eine unbürokratische Hilfe. “Es ist für uns alle eine Tragödie“, sagte die Präsidentin.