Der Literatur zu Liebe radeln

Veröffentlicht am 8. Januar 2017 unter Aufsteller der Woche

Foto: Rovena Rosa/Agência Brasil

Wessen Heim die Straße ist, hat wenig Chancen, an den Kulturangeboten einer Stadt teilzunehmen. Das gilt selbst für kostenlose Angebote. Ein Ex-Obdachloser will das ändern. Er betreibt in São Paulo eine Fahrradbibliothek, die Bücher explizit an Obdachlose ausleiht, diese zum Lesen animiert und zur Nachahmung des Projektes aufruft.

Im Juli 2011 ist die Radbibliothek an den Start gegangen. Dass es sie gibt, ist Robson Mendonça und Helfern zu verdanken, wie Lincoln Paiva vom Instituto Mobilidade Verde (IMV). Dem hat Robson von seinem Wunsch einer „Bicicloteca“ erzählt. Weil die auf der Straße lebenden Menschen keinen Wohnortnachweis erbringen können, bleiben ihnen die gewöhnlichen Bibliotheken und damit die Literatur verwehrt. Das weiß Robson aus eigener Erfahrung.

Mit Hilfe des Institutes für grüne Mobilität wurde der Traum von Robsons mobiler Bibliothek erfüllt und ein spezielles dreirädriges Bike kreiert. In dessen aufgesetzten Schrank passen 150 Kilogramm Bücher. Bestückt wird er mit unter anderem bei Aktionen gespendeten Büchern, wie der vom Samstag (7.) bei dem zuerst gemeinsam geradelt und dann von den Teilnehmern 100 Bücher gespendet wurden.

Jeden Tag fährt die Radbibliothek einen anderen Platz im Zentrum São Paulos an. Unter den Obdachlosen stößt sie auf ein großes Echo. Seit sie in Betrieb ist, sind über 100.000 Bücher ausgeliehen worden, 99.000 sind wieder zurückgegeben worden, wie Robson berichtet. Damit übertrifft er die Rückgaberate öffentlicher Bibliotheken.

Der 65-Jährige engagiert sich aber nicht nur für das Verbreiten von Literatur. Er ist ebenso Präsident des „Movimento Estadual da População em Situação de Rua de São Paulo“, eine Organisation zur Unterstützung der obdachlosen Menschen São Paulos.