Steinkakerlake zwischen Haien entdeckt

Veröffentlicht am 6. November 2016 unter Aufsteller der Woche

Foto: Handout Video RBS/TV

320 Millionen Jahre alte Kakerlake – Foto: Handout Video RBS/TV

Der Anblick von Kakerlaken ruft eigentlich bei kaum jemanden Freude hervor. Die im Süden Brasiliens gefundene Küchenschabe hat jedoch Begeisterung ausgelöst. Vor 320 Millionen Jahre hat sie gelebt, bevor sie ins Meer gestürzt und jetzt von Wissenschaftlern als Fossilie entdeckt worden ist.

Noch bevor Dinosauriere die Welt bevölkert haben, hat es dem Fund im brasilianischen Bundesstaat Santa Catarina zufolge bereits Küchenschaben gegeben. Für Erstaunen unter den Forschern hat gesorgt, dass sich diese Insekten kaum verändert haben. Laut den Experten waren die Urzeitkakerlaken etwa fünf bis sieben Zentimeter groß.

Nach genaueren Untersuchungen im Labor sind bei der Anatomie der Flügel und des Körpers zwischen den heute lebenden Küchenschaben und dem 320 Millionen Jahre alten Exemplar große Ähnlichkeiten festgestellt worden. Im Gegensatz zu vielen anderen Tierarten haben sich diese Insekten somit auch über Millionen von Jahren hinweg kaum verändert.

Die Region um die Stadt Mafra ist seit Anfang des 20. Jahrhunderts für ihren Reichtum an Fossilien bekannt. Der Abdruck einer Küchenschabe zwischen den Steinen war dennoch eine Überraschung. Entdeckt worden ist sie zwischen Fragmenten von Haien, Schwämmen und Fischen, die das kontinentale Meer besiedelt haben, das es einst in dieser Region gegeben hat.

Dass mitten unter den Meeresbewohnern auch eine Kakerlake zum Vorschein gekommen ist, erklären die Wissenschaftler mit dem Vorhandensein von Wäldern am Meeresrand. Sie vermuten, dass das Insekt nahe dem Wasser geflogen, in dieses gefallen, untergegangen und dort von Schlamm überdeckt worden ist.

Im Laufe von Millionen von Jahren hat sich aus dem Schlamm ein Stein gebildet, der jetzt den Paläonthologen in die Hände gefallen ist.

Seit 20 Jahren untersuchen die Wissenschaftler dreier Universitäten die Steine der Region um Mafra. Vertreten ist dabei auch eine Universität aus Rußland. Die Fossilien sind für sie wie Fotos aus der Vergangenheit. Teile der Funde sind im Paläonthologischen Zentrum der Universität Contestado (Cenpaleo) ausgestellt.