Flüchtlingsmädchen schwimmt sich in Herzen der Brasilianer

Veröffentlicht am 8. August 2016 unter Aufsteller der Woche

“Auch wir sind glücklich, dich hier empfangen zu dürfen“, sagt eine Reporterin und drückt damit das aus, was viele Brasilianer denken. Sie haben am Samstag die junge Yusra Mardini begeistert angefeuert und ihr tosenden Applaus gespendet.

Gewonnen hat die Schwimmerin bei ihrem ersten Wettkampf im 100 Meter Schmetterling zwar keine Medaille und auch keine Klassifizierung für das Halbfinale. Die Ovationen hat sie aber erhalten, weil sie außerhalb der Sportanlagen Herausragendes geleistet hat und weil sie Mut, Durchhaltekraft und den Willen zur Überwindung verkörpert. Angetreten ist die junge Syrerin bei Rio 2016 für das Team der Flüchtlinge.

Schon bei der Eröffnungszeremonie der olympischen Spiele sind Yusra und ihre Kollegen vom Flüchtlignsteam mit einem aufbrausenden Applaus bedacht worden, als sie nach den Athleten der 206 Teilnehmerländer ins Maracanã-Stadion eingezogen sind.

Es war, als wollten die Brasilianer die Athleten, die stellvertretend für Millionen von Menschen stehen, die wegen Krieg, Verfolgung, Katastrophen oder Hunger ihre Heimat verlassen müssen, besonders in Empfang nehmen.

Die Anteilnahme an Yusras Geschichte ist enorm. Die musste sie immer und immer wieder den fragenden Reportern erzählen, die sich um sie ringen. Auf der Flucht aus dem kriegsgebeutelten Syrien waren sie und ihre Schwester gezwungen, in einem voll besetzten Schlauchboot das Mittelmeer zu überqueren.

Als der Motor ausgefallen ist, sind sie, ihre Schwester und zwei weitere Flüchtlinge ins kalte Meer gesrpungen, um das Boot schwimmend zu ziehen und zu schieben. Dreieinhalb Stunden sind sie geschwommen und haben 20 Leben gerettet.

Heute lebt Yusra in Berlin und schwimmt für sich und die Welt. Am Mittwoch wird sie ein weiteres Mal bei den olympischen Spielen antreten, dann im 100 Meter Freistil.

Schon jetzt steht fest, dass sie auch dann wieder ganz unabhängig vom Ergebnis anhaltenden Applaus erhalten wird, als Anerkennung für ihre Lebensgeschichte und stellvertretend für all die anderen Flüchtlinge dieser Welt.