„Huni Kuin – Die Wege der Jiboia“ – Brasiliens erstes indigene Computerspiel

Veröffentlicht am 29. August 2015 unter Aufsteller der Woche

In die faszinierende Welt der Mythen, Geschichten und Kultur eines indigenen Volkes aus dem brasilianischen Amazonas-Regenwald eintauchen wird bald mit Hilfe eines Videospiels möglich sein. Es entsteht derzeit in Gemeinschaftsarbeit mit Hilfe der Indios des Volkes Huni Kuin (Kaxinawá), Professionellen aus verschiedenen Branchen und dem Anthropologen Guilherme Meneses. Das Besondere an dem PC-Spiel ist nicht nur sein Inhalt und seine Entstehungsgeschichte, sondern auch, dass es kostenlos vertrieben werden soll.

Screen Indio-Videogame

Die Idee zu dem Projekt stammt vom Antrhopologen und Forscher Guilherme Meneses. Nach sechs Monatiger Forschung hat er den Anstoß zu dem Projekt gegeben, in das bisher zweieinhalb Jahre Arbeit investiert wurden. Anders als bei vielen Projekten dieser Art hat sich Meneses nicht nur auf das anthropologische Wissen verlassen.

Nachdem das Konzept des Spiels soweit feststand, haben er und sein Team sich vielmehr auf die Suche nach der Indio-Gemeinschaft gemacht, deren Kultur, Spiritualität und Geschichten die Grundlage für das Spiel sein sollten. Fündig geworden sind sie in einem Dorf der Huni Kuin im Bundesstaat Acre, etwa 460 Kilometer der Stadt Rio Branco entfernt.

Insgesamt drei Monate verbrachte das aus Programmierer, Künstler, Spieldesigner und weiteren Antrhopologen bestehende Team im aldeia der Huni Kuins, haben sich in die Kultur vertieft, Mythen und Legenden erfahren und sich gemeinsam mit 30 Indios aus dem Dorf an die Entwicklung des Spieles gemacht.

Entstanden ist schließlich “Huni Kuin, os caminhos da jiboia“ (Huni Kuin, die Wege der Jiboia-Schlange), das auf fünf Mythen des Volkes beruht. Sie bilden die verschiedenen Levels, die zu bewältigen sind. Die Protagonisten sind ein Zwillingspärchen, das im Traum von der Würgeschlange jiboia Yube empfangen wurde. Sie haben etliche Hindernisse zu überwinden, um pajé (Heiler) und Meisterin der Zeichen zu werden.

Auf ihrem Weg sammeln sie Fähigkeiten und Wissen ihrer Vorfahren, der Tiere, der Pflanzen und der Geister, sie treten mit den sichtbaren und unsichtbaren Wesen des Waldes in Kontakt und werden letztlich wahrhafte Menschen, Huni Kuin. In jedem Level gibt es zudem ein Geheimnis dieses Volkes zu entdecken.

Die erste Demo-Version kann bereits bei einer Ausstellung in einer Itau-Bankfiliale in São Paulo ausprobiert werden. Schon jetzt sind die Spieletester begeistert. Geplant ist, das kleine Abenteuerspiel Anfang 2016 kostenlos auf den Markt zu bringen und online zu stellen. Als erstes soll es dabei den indigenen Völkern selbst zur Verfügung gestellt werden. Eine weitere Besonderheit ist, dass es zweisprachlich sein wird, in der brasilianischen Staatssprache portugiesisch und ebenso in der Sprache des Huni Kuin Volkes.

Einer der Koordinatoren des Projektes ist Oswaldo Kaxinawá, der aus dem am Spiel beteiligten Dorf stammt. Er erhofft sich von dem Spiel eine Verbreitung der Kultur seines Volkes und zeigt sich stolz, dass es mit Hilfe seiner Dorfgemeinschaft entstanden ist. Die Huni Kuin gelten als größtes indigenes Volk des Bundesstaates Acre. Von der brasilianischen Indio-Behörde Funai wird ihre Zahl auf 7.500 Kinder und Erwachsene geschätzt.

Finanziert wurde das Projekt über den Kulturfond der Itau-Bank. Vorerst wird es das Spiel lediglich für den Computer geben. Eine Version für Handys wäre zwar möglich, würde aber das Budget sprengen. Wer weiß, vielleicht findet sich nach Erscheinen des Spiels ja noch ein Finanzgeber, um die Huni Kuin-Kultur mit Hilfe des Games auch über das Handy erfahrbar zu machen.