Indigene Kinder haben oft keine guten Lehrer

Veröffentlicht am 28. April 2007 unter Nachrichten aus 2007

Kinder indigener Abstammung werden oftmals von nicht ausreichend qualifizierten Lehrkräften unterrichtet. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie des Erziehungsministeriums. Die „Statistik über Ausbildung in indigenen Schulen in Brasilien“ bestätigt, dass ein „signifikanter Anteil der Lehrer“ nicht über die notwendige Ausbildung verfügt, um die Schüler professionell zu unterrichten zu können.

Rund 8.000 Lehrer sind an indigenen Schulen beschäftigt. 64.8% davon haben eine mittlere Ausbildung, 13.2% verfügen über einen höheren Ausbildungsgrad. 12.1% können gerade einmal die geringsten Anforderungen nachweisen und 9.9% haben nach Angaben des Erziehungsministeriums überhaupt keine fachliche Ausbildung. Besonders im Nordosten mangelt es an guten Lehrkräften für die Nachkommen der Ureinwohner. Im Landesdurchschnitt sind dort Lehrer mit nicht abgeschlossener Grundausbildung am häufigsten anzutreffen.

Auch wenn sich die Zahl der Lehrer mit mittlerem Ausbildungsgrad seit 1999 in ganz Brasilien stetig erhöht, muss noch mehr in die Weiterbildung der Lehrkräfte investiert werden. Gerade einmal 10% aller Lehrer sind indigener Abstammung und diese haben im Grunde genommen niemals die notwendige Ausbildung erhalten, noch die pädagogischen Kenntnisse, um als Lehrer arbeiten zu können, erläutert die Studie.

Doch auch bei der Gestaltung des Lehrplanes sind grosse Mängel zu verzeichnen. Weniger als die Hälfte der Schulen (41.5%) verfügt über spezielles Lehrmaterial für die unterrichteten ethnischen Gruppen. Oftmals schreiben die Kinder alles gemeinsam in ein einzelnes Heft, arbeiten nur mit einem Buch oder Lexikon. Nach Aussage der Studie ist die Situation äusserst prekär, da ein klarer Mangel an Unterrichtsmaterialien vorliegt, welche den Kindern praktisch und verständlich die kulturelle Vielfalt der Gesellschaft und die vorhandenen Werte in Bezug auf das Wissen der eigenen indigenen Gesellschaftsstruktur erklären sollen.

Kléber Matos, zuständig für Bildung und Alphabetisierung der indigenen Bevölkerung will sich nun für eine verstärkte Ausbildung der Lehrkräfte einsetzen. Er weist jedoch auch darauf hin, dass sich die Weiterbildung von indigenen Lehrkräften anders gestaltet als im Normalfall. Um den Magister zu erreichen, sei normalerweise ein dreijähriges Studium notwendig. Indigene Lehrkräfte bräuchten jedoch bis zu 5 Jahren, um den gleichen Ausbildungsgrad zu erreichen. Das Ministerium sei dabei, dieses Problem zu lösen, doch die Effekte würde man erst mittelfristig spüren.

Für Kléber fehlen derzeit aber auch professionelle Lehrer, die speziell für Indios ausgebildet wurden. Besonders in den mittleren Schulen der Indianersiedlungen würden oft Lehrer ohne indigene Abstammung arbeiten. Dies sei weit entfernt von den Idealvorstellungen, aber unglücklicherweise die derzeitige Situation in der Schulausbildung indigener Gruppen in Brasilien.