Mehrzahl der brasilianischen Nationalparks sind für Besucher geschlossen

Veröffentlicht am 21. April 2007 unter Nachrichten aus 2007

Wer in Brasilien unberührte Natur hautnah erleben will, steht oft vor verschlossenen Toren. Denn von den 62 brasilianischen Nationalparks sind gerade einmal 19 für Besucher geöffnet. Und zwei davon vereinigen rund ¾ aller Besucher auf sich: der Nationalpark von Iguaçu im Bundesstaat Paraná und der Nationalpark Tijuca in Rio de Janeiro.

Andréa Zimmermann hat dies in ihrer Abschlussarbeit an der Universität von Brasília untersucht. Nach ihrer Meinung liegt es daran, dass die brasilianische Politik die Nationalparks fast immer mit Zugangsbeschränkungen versieht, um die Natur schützen zu wollen. Aber organisierte Wanderungen und Besuche im Park, die ein stärkeres Bewusstsein in der Bevölkerung schaffen, könnten diese Ziele jedoch weitaus besser fördern.

Zimmermann hat herausgefunden, dass lediglich 1,5% der brasilianischen Bevölkerung im letzten Jahr einen Nationalpark besucht hat, da eben nur 16 Stück ganz offiziell ihre Tore für Besucher öffnen. „Dies ist eine sehr kleine Zahl, wenn man es mit Ecuador oder Argentinien vergleicht“ erklärt die Wissenschaftlerin. In Ecuador sind sämtliche Nationalparks für Besucher geöffnet, in Argentinien ist lediglich ein einziger geschlossen.

Nationalparks, so kann man in ihrer Studie nachlesen, können drei Dinge ermöglichen: Wissenschaftliche Forschung, Schutz der Natur und nicht zuletzt Umwelterziehung und den damit verbunden Ökotourismus. Und gerade letzter Punkt wird stark vernachlässigt.

„Andere Länder, die die gleichen Probleme wie Brasilien haben, wo wenig Infrastruktur und Mitarbeiter vorhanden sind, finden trotzdem Wege, die Tore zu öffnen“ erläutert Zimmermann. Nach ihrer Aussage ist das grösste Problem im Land, dass potentielle Besucher prinzipiell als Räuber dargestellt werden. Aber dies müsse nicht sein. Mit organisierten Besuchen und der damit verbundenen Umweltarbeit entstünden Möglichkeiten, die Natur noch besser zu schützen.

Ein weiteres Problem ist nach Auffassung von Zimmermann das Fehlen von Attraktionen. In der „Chapada dos Veadeiros“ zum Beispiel gebe es zu wenig Wanderwege und so würden sich die Führer ständig über den Weg laufen. Im Nationalpark von Iguaçu hingegen sei eine optimale Infrastruktur mit vielen Attraktionen errichtet worden, aber dadurch wäre der Eintritt für die breite Bevölkerung mittlerweile einfach zu teuer.

Doch aufmerksam hat die junge Wissenschaftlerin die durch das Umweltministerium beschlossenen Neuregelungen für Besuche in Nationalparks beobachtet. Diese wurden im letzten Jahr verabschiedet und versprechen Besuchern verbesserte Zugangsmöglichkeiten zu den Schutzgebieten. Nun fehlt nur noch die praktische Umsetzung mit den notwendigen Kontrollmechanismen.

Für Zimmermann ist dies eine sehr positive Entwicklung. Denn eines sollte man ihrer Meinung nach niemals ausser Acht lassen: „Die Nationalparks gehören den Menschen und sie haben somit prinzipiell auch das Recht, diese besuchen zu dürfen.“