Brasilianisches Pfeffergewächs soll Dengue bekämpfen

Veröffentlicht am 3. April 2007 unter Nachrichten aus 2007

Auch wenn bislang weltweit kein Gegenmittel gegen den gefährlichen Denguevirus gefunden wurde, sind brasilianische Wissenschaftler bei der Bekämpfung der Ausbreitung der Krankheit einen grossen Schritt weiter gekommen. Ein pflanzliches Gift kann nun gezielt gegen die Überträgerlarven eingesetzt werden, ohne die restliche Umwelt zu schädigen.

Allein in Brasilien wurden in den ersten zwei Monaten diesen Jahres über 85.000 Fälle der Erkrankung registriert, fast die Hälfte davon im Bundesstaat Mato Grosso do Sul. Dies sind knapp 30% mehr Fälle als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Laut den internationalen Gesundheitsorganisationen erkranken jährlich rund 40 Millionen Menschen weltweit am Denguefieber.

Das brasilianische Gesundheitsministerium reagiert seinerseits auf die beunruhigenden Zahlen im eigenen Land mit erhöhten Präventivmassnahmen. So wird landesweit in grossen Medienkampagnen die Bevölkerung sensibilisiert, den Moskitos keine Möglichkeit zur Brut zu bieten. Brackwasser, aber auch Wasser in Giesskannen, Eimern oder Blumenuntersetzern sollen vermieden werden. Trupps der lokalen Gesundheitsbehörden überprüfen dabei oftmals jedes Haus und leisten dabei ebenfalls wertvolle Aufklärungsarbeit.

Übertragen wird die Krankheit durch die Moskitoart Aedes aegypti. Die vier bekannten Virusarten, die das Moskito in sich tragen kann – aber nicht muss – verursachen hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Durchfall und Erbrechen. In einigen Fällen kommt es auch zu einem hämorrhagischen Fieber, bei dem der Patient innerlich verblutet. So auch in Brasilien. In einigen Bundesstaaten mussten die Gesundheitsbehörden Todesopfer vermelden.

Nun haben Wissenschaftler in verschiedenen Forschungseinrichtungen in Rio de Janeiro und São Paulo in gemeinsamer Forschung aus einem Pfeffergewächs, welches im atlantischen Regenwald vorkommt, ein Naturgift gewonnen, welches bei richtiger Dosierung 100% der Larven innerhalb von 24 Stunden tötet. Die Sträucher mit dem botanischen Namen Piper solmsianum produzieren in ihren Blättern einen Wirkstoff, um sich in der Natur vor pflanzenfressenden Insekten zu schützen.

Laut den Wissenschaftlern wurden dem pflanzlichen Wirkstoff auf chemische Weise die Primärstoffe entzogen und daraus ein konzentriertes Gift hergestellt, welches an den Moskitolarven umfangreich in verschiedenen Dosierungen getestet wurde. Dieses rein pflanzliche Gift soll nach der Anwendung keinerlei Rückstände in der Natur hinterlassen oder andere Tier- und Pflanzenarten schädigen. Lediglich die Moskitolarven, deren Entwicklungsphase im Wasser rund 8 Tage beträgt, werden bei richtiger Anwendung getötet.

“Die derzeit verwendeten Mittel haben immer einen bestimmten toxischen Grad, der Menschen, Tiere und Pflanzen schädigen kann. Wir haben aus einer wilden Pflanze im Mata Atlântica nun ein Mittel gewonnen, dass nur die Larven tötet, die Umwelt jedoch in keiner Weise beeinträchtigt“ erklären die Wissenschaftler in der nun veröffentlichten Studie.

Der Gewinnungsprozess des Wirkstoffes gegen die Larve der Aedes aegypti soll nun schnellstmöglich patentiert werden. In den kommenden Tagen werden zudem Artikel in internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht, um einen weltweiten Meinungsaustausch unter den Wissenschaftlern zu initiieren Bis das Mittel freigegeben wird und in grossem Umfang produziert werden kann, werden jedoch noch einige Jahre vergehen.