Kopf der Jesusstatue wird zur Restaurierung demoniert

Veröffentlicht am 1. April 2007 unter Nachrichten aus 2007

Es ist das Wahrzeichen von Rio de Janeiro. Doch Blitzeinschläge, Regen und Autoabgase haben die gigantische Jesustatue auf dem 710 Meter hohen Corcovado in den letzten 75 Jahren verwittern lassen. Pünktlich zum Papstbesuch soll die 30 Meter hohe Statue nun komplett renoviert werden.

Rund 15 Millionen Dollar lassen sich die Stadtväter der Millionenmetropole die aufwendigen Arbeiten kosten. In den kommenden Tagen wird zuerst ein riesiger Kran montiert, der extra aus London beigeschafft wurde und im Laufe des Sonntags im Hafen von Niteroí erwartet wird. Für den Transport der teilweise 35 Meter langen Bausteine aus Stahl wurden spezielle Tieflader aus Minas Gerais angefordert. Diese sind normalerweise für den Transport grosser Mengen an Eisenerz aus den Minen des Bundesstaates gedacht. 

Je nach Wetterverhältnissen soll die Aktion am Montag oder Dienstag starten. Dafür muss auch die Brücke zwischen Rio de Janeiro und Niteroí für rund 5 Stunden gesperrt werden. Die Verantwortlichen haben daher die Fahrt auf nach Mitternacht terminiert.

Innerhalb von 1 Woche soll die Hilfseinrichtung montiert sein und die Statue um rund 8 Meter überragen. „Wir haben dort oben einen sehr guten Untergrund und ideale Bedingungen, den Kopf auf die untere Ebene herabzulassen. Nur der Wind könnte uns einige Probleme bereiten. Wir sind aber guter Hoffnung“ erklärt Fabio Schwerneck von der Baufirma Schwerneck und Partner aus Belo Horizonte. Der Enkel deutscher Einwanderer hat schon an vielen Grossprojekten mitgewirkt, unter anderem an dem Bau des gigantischen Itaipu-Staudamm im Südwesten des Landes.

Doch der Zeitplan ist knapp bemessen. Nach Aussage von Schwerneck wurde der Kran bereits vor mehreren Wochen erwartet, ein Motorschaden verzögerte jedoch die Ankunft. „Das Schiff musste erst wieder in die Werft geschleppt werden. Den Kran kann man auch nicht so einfach auf ein anderes Schiff umladen“ erklärt er am Fuss der Statue den zahlreich erschienen Journalisten. Aber nun sei man guter Dinge. Während des Aufbaus könne schon am Kopf gearbeitet werden. Zuerst würden Halteschienen am Hals angebracht werden, bevor der Kopf aus seiner Verankerung gehoben wird. Dann wird er an Stahlseilen ins Tal abgelassen und auf einem Tieflader ins Viertel Maracanã gebracht. Rund zwei Wochen werden rund ein dutzend Spezialisten die Wunden von Wetter und Umwelt beseitigen, bevor der Kopf auf gleichen Weg wieder an seinen angestammten Platz kommt.

Auch der anwesende Restaurateur Emilio Silva Pereira ist zuversichtlich. „Eigentlich mag ich den ganzen Aufwand nicht, aber dort oben zu arbeiten ist einfach zu gefährlich. Wolken und vor allem der Wind machen die Feinarbeiten zu einem echt gefährlichen Abenteuer.“ Laut Pereira kann man den restlichen Körper an Ort und Stelle restaurieren. „Nichts ist so fein gearbeitet wie die Gesichtszüge. Hier müssen wir einfach in Ruhe arbeiten können. Zeitgleich wird aber eine ganze Armee den restlichen Körper hoffentlich wieder auf Hochglanz bringen“ erklärt der gelernte Bildhauer, der schon in Brasília und Salvador Monumente vor dem Verfall bewahrt hat. Für Schwarneck ist die Armee jedoch „eine Zusammenkunft von wahren Spezialisten, die eine gewaltige Aufgabe vor sich haben.“ Überzeugt vom Gelingen sind jedoch beide. „Wir werden es schaffen.“ erklären sie unisono und klopfen sich gegenseitig auf die Schultern.

Rund 30 Personen werden auf an dem Kran herabgelassenen Plattformen mit blosser Hand und kleineren Maschinen der Statue einen neuen Schliff geben. Ende April soll die Aktion beendet sein. „Dann kommt im Mai der Papst, die pan-amerikanischen Spiele sind hier in der Stadt im Juli und letztendlich wird der Cristo Rendentor wohl auch eines der neuen sieben Weltwunder werden. Alleine dafür lohnt sich schon der Aufwand.“ erklärt Pereira. Man sei gut vorbereitet und eigentlich kann fast nichts schief gehen. Nur bei dem Wetter hat er so seine Bedenken. Leid tun ihm vor allem die Touristen. Wer jetzt im April nach Rio kommt, der sieht dann einen kopflosen Jesus. „Kein schöner Anblick, zumal dort noch viele Arbeiter zugange sind. Aber es ist ja nur für kurze Zeit. Und schliesslich gibt es ja auch Postkarten zu kaufen. Oder man kommt einfach noch mal. Rio de Janeiro ist doch immer wieder eine Reise wert.“

Die Jesusstatue auf dem Corcovado ist 30m hoch und ruht auf einem 8m hohen Sockel, der auch eine Kapelle für 150 Personen beherbergt. Die Spannweite der Arme beträgt 28 Meter, das Gesamtgewicht der Statue beträgt 1.145 Tonnen. Hergestellt ist sie aus Stahlbeton, allerdings sind die als Mosaik übergezogenen Specksteine nicht so witterungsbeständig wie man bei der Errichtung im Jahre 1931 gedacht hatte.

Nachtrag:

Liebe Leser,

wir hoffen, Sie verzeihen uns diesen kleinen Scherz, doch auch hier im fernen Brasilien begehen wir mit ganzem Herzen das traditionelle Brauchtum. Heute am 01. April begehen wir hier im Land der Gegensätze ebenso den „Dia da Mentira“ (Tag der Lüge) und so konnten wir es uns nicht verkneifen, obigen Artikel zu verfassen.

Daher gestatten Sie uns eine kurze Richtigstellung: Niemand muss befürchten, bei einem Besuch von Rio de Janeiro eine kopflose Gestalt auf dem Corcovado vorzufinden. Cristo Redentor wacht genauso wie in dem vergangenen Dreivierteljahrhundert auch im April in seiner ganzen Grösse über die Millionenmetropole und hält seine Hände schützend über die Cariocas und begrüsst Besucher mit ausgebreiteten Armen. Und er wartet auch auf Sie.