Indios erzwingen Verbesserung bei Gesundheitsversorgung

Veröffentlicht am 20. März 2007 unter Nachrichten aus 2007

Durch eine Geiselnahme haben Indios vom Stamm der Pataxó für ihr Volk Verbesserungen in der Gesundheitsversorgung erzwungen. Schon seit mehreren Monaten verhandelten die Ureinwohner mit der nationalen Gesundheitsstiftung Funasa in Carmésia, im Osten des Bundesstaates Minas Gerais über Veränderungen der medizinischen Versorgung. Am vergangenen Donnerstag eskalierte die Situation, indem die Pataxó nach einer abermals ergebnislosen Diskussionsrunde den regionalen Mitarbeiter der Funasa, Altino Barbosa als Geisel nahmen.

Am Freitag erschienen dann nationale Vertreter der Funasa mit Beamten der Bundespolizei, um über die Freilassung von Barbosa zu verhandeln. Der Aufmarsch bewaffneter Polizisten verschreckte die Indios jedoch dermassen, dass diese die Zufahrtswege mit einem LKW und einem Traktor blockierten. Es kam zu erhitzten Diskussionen zwischen den Anführern der Gemeinschaft und der Funasa. Zudem tanzten die Pataxó aus Protest um Fahrzeuge herum, auch um die Behörden an der Räumung zu hindern.

Für den Samstag wurde eine erneute Verhandlungsrunde angesetzt. Nach einer vierstündigen Diskussion brachen die Pataxó die Verhandlungen als gescheitert ab und erklärten, Barboso entgegen ihrer Ankündigung nicht freizulassen. Vielmehr behielten sie einen weiteren Vertreter der Funasa, Antônio Divino, ebenfalls in ihrer Gewalt. Alleine der Koordinationsleiter der Funasa, Ronaldo Cerqueira durfte den Verhandlungsort verlassen, nachdem er schriftlich erklärt hatte, am Montag erneut zu den Beratungen zu erscheinen..

Gestern schaltete sich nun auch die Staatsverwaltung in die Verhandlungen ein. Es folgte eine siebenstündige Beratung, an der sich Vertreter der Indios, der Funasa und der Staatsverwaltung beteiligten. Am Ende akzeptierte die Gemeinschaft der Ureinwohner einen 18-Punkte-Plan, der den Pataxó neben verbesserter Versorgung mit Medikamenten auch eine vereinfachte Behandlung in Krankenhäusern und Laboratorien zusichert und den Angehörigen Unterkünfte in den Hotels der Region zur Verfügung stellt. Die Mitarbeiter der Funasa wurden daraufhin im Laufe der Nacht freigelassen und von der Polizei in die nahe gelegene Stadt Governador Valadares eskortiert.

Die Gemeinschaft der Indios wird für ihre Geiselnahme keine strafrechtlichen Konsequenzen befürchten müssen. Abermals hat eine brasilianische Minderheit mit zweifelhaften Methoden ihre Forderungen durchgesetzt. Wie lange die breite Öffentlichkeit ein solches Verhalten noch tolerieren wird, bleibt abzuwarten.