Geschichte September 2009

Veröffentlicht am 29. November 2009
Es war einmal ein reicher Plantagenbesitzer, der sich trotz seines vielen Geldes von Tag zu Tag mehr von Problemen umgeben sah, denen er sich nicht gewachsen fühlte. Da erfuhr er von einem grossen Meister, dem der Ruf vorauseilte, für jedwede Art von Schwierigkeiten einen passenden Rat zu erteilen – also suchte er ihn auf.

Guter Hoffnung, dass der weise Mann auch seine Probleme würde lösen können, berichtete er diesem aus seinem Leben – erzählte, dass er Besitzer einer “Fazenda” sei, dass es ihm Freude bereite, seine Ländereien zu verwalten – aber auch, dass es manchmal zu wenig regne und die Ernte folglich miserabel ausfalle – und dass er das vergangene Jahr zum Beispiel in totaler Misere hinter sich gebracht habe. Aber das Jahr sei noch besser gewesen als das Jahr davor, als es viel zu viel geregnet habe und die gesamte Ernte auf dem Feld verfault sei. Schliesslich brachte er sein Problem auf den Punkt, indem er lamentierte, dass seine Erträge niemals seinen Erwartungen entsprächen.

Der Meister hörte schweigend, aber sehr aufmerksam zu.

Also fuhr der Mann fort, ihm von seiner Ehe mit einer “guten Frau” zu erzählen, die er “über alles liebe” – aber die ihn manchmal auf die Palme bringe und ihn ermüde.

Der Meister hörte ihm immer noch aufmerksam und ernsten Gesichtes zu.

Der Mann erzählte jetzt von seinen Kindern. Dass diese sich als gute Kinder erwiesen aber manchmal es ihm gegenüber an Respekt fehlen liessen und ihn um mehr Dinge angingen als er zu geben in der Lage wäre . . . Und er fuhr fort, von seinen Sorgen zu berichten und alle seine Schwierigkeiten vor dem Meister auszubreiten.

Schliesslich wurde er ruhiger. Nachdem er dem Meister alle seine Probleme dargestellt hatte, wartete er nunmehr auf dessen Lösungen – auf Worte, die in der Lage wären, mit seinen Problemen aufzuräumen.

Und als der Meister endlich das Wort an ihn richtete, war es wie ein kalter Wasserguss, denn er sagte, dass er gar nichts für ihn tun könne, um ihm zu helfen! Enttäuscht, fing der Mann an, den Meister zu befragen: schliesslich, wenn er, wie die Leute sagten, für alle Probleme eine Lösung wisse, warum könne er dann ihm nicht helfen?

Und der Meister sagte:
“Alle haben Probleme. Genauer gesagt haben wir alle 83 Arten von Problemen und nichts kann man dagegen tun. Wenn wir hart daran arbeiten, um eines davon zu lösen, vielleicht gelingt uns das. Aber wenn wir das tun, tritt ein neues Problem auf, um den Platz des verschwundenen zu besetzen. Zum Beispiel: In einem bestimmten Abschnitt unseres Lebens verlieren wir unsere geliebten Angehörigen. Wir selbst verlieren unser Leben, wenn es zuende ist. Und das kann sich als ein Problem erweisen – jedoch gibt es nichts, was du oder ich oder sonst jemand dagegen tun können.

Der Plantagfenbesitzer wurde ärgerlich und sagte:
“Ich dachte, Du seist ein grosser Meister! Ich dachte, Du könntest mir helfen! Für was also hast Du dein ganzes Wissen?”

Der Meister antwortete:
“Vielleicht vermag ich nicht, Dir mit Deinen 83 Problemen zu helfen, aber ich bin gewiss, dass ich Dir bei Deinem Problem Nummer 84 werde helfen können”!

Der Mann horchte auf und fragte :
“Was wäre denn mein Problem Nummer 84”?

Und der Meister antwortete ihm:
“Dein Problem ist, dass Du keinerlei Art von Problemen haben willst. Das Leben besteht aber nun mal aus einer Hälfte Zufriedenheit und einer anderen Hälfte Gegensätzlichkeit. Wenn Du dich damit beschäftigst, sämtliche Probleme zu verhindern, dann wirst Du damit allerhöchstens einen Aufschub und die Anhäufung derselben erreichen – und Dein Leben nur ihnen widmen”!

Ihre Janice Drummond Reynolds