Das Fest im Himmel

Veröffentlicht am 22. November 2009

Es verbreitete sich die Nachricht unter den Tieren der Savannen und der Wälder, dass im Himmel ein grosses Fest stattfinden würde. Alle Vögel und anderen flugfähigen Tiere waren dazu eingeladen – und alle Tiere, die keine Flügel hatten, platzten vor Neid. Aber stellt euch einmal vor, wer auch auf dieses Fest gehen, beziehungsweise fliegen wollte? Der Ochsenfrosch!

Ja, ausgerechnet der – schwer und träge, nicht einmal in der Verfassung einen kleinen Spurt hinzulegen, geschweige denn in die Höhen des Himmels aufzusteigen. Aber der Frosch behauptete steif und fest, er sei eingeladen worden und nun würde er auch hingehen – Verzeihung – hinfliegen. Die anderen Tiere, besonders diejenigen, welche auch keine Flügel hatten, wollten sich ausschütten vor Lachen. Und die Vögel – nun, sie standen sowieso weit über diesem lächerlichen Ansinnen des Ochsenfrosches.

Aber der hatte seinen Plan. Am Vorabend des Festes besuchte er den Königsgeier, seinen besonderen Freund – sie tranken einen zusammen und der Frosch unterhielt ihn mit allerlei anzüglichen Episoden, denen ein echter Geier nicht widerstehen kann – der Frosch unterhielt den Herrn des Hauses auf das köstlichste. Schliesslich meinte er: „Nun, Kamerad, es wird Zeit für mich – der Weg ist weit, und ich muss wieder früh raus!“

Und der Geier: „Und du gehst wirklich auf das Fest im Himmel?“ „Worauf du wetten kannst!“ entgegnete der Frosch. Anstatt nun aber seinen Heimweg anzutreten, machte er einen Bogen, betrat das Haus des Geiers von hinten und versteckte sich im hohlen Bauch der Gitarre, die auf dem Bett lag. In aller Herrgotts Frühe schnallte sich der Geier die Klampfe um und startete gen Himmel mit kräftigem Flügelschlag – rru-rru-rru…

Im Himmel angekommen, stellte der Geier seine Klampfe in eine Ecke und gesellte sich zu den anderen angekommenen Vögeln. Unser Frosch lugte mit einem Auge aus seiner Höhle im Bauch der Gitarre und machte dann einen Satz nach draussen – ohne bemerkt zu werden, gelangte er nach draussen – und war mit sich und der Welt zufrieden.

Ihr macht euch wirklich keinen Begriff von dem überraschten Schock, der die Tiere befiel, als der Ochsenfrosch plötzlich da oben im Himmel herumhüpfte! Sie bestürmten ihn mit Fragen, aber der schlaue Frosch laberte nur dies und das und genoss das ungläubige Staunen derer, die ihn offensichtlich unterschätzt hatten, über alle Massen. Das Fest begann, und der Frosch war überall staunenswerter Mittelpunkt – aber er behielt sein Geheimnis für sich. Im Morgengrauenentschuldigte er sich und zog sich zurück, denn er musste sich um seinen Heimweg kümmern. Also hüpfte er dorthin zurück, wo der Geier seine Gitarre abgestellt hatte – und schlüpfte in ihren Bauch.

Als die Sonne aufging war das Fest vorbei, und die Teilnehmer flogen davon – jeder in seine Richtung. Der Geier schnallte sich die Klampfe um und startete zur Erde zurück – rru – rru – rru… Dann, so auf halbem Weg, flog er eine Kurve und der Frosch setzte sich wieder zurecht, als der Geier aufmerksam wurde und durch das Loch in die Gitarre hineinlugte – er entdeckte den Frosch, wie er dunkel und aufgebläht, wie eine Kugel da drinnen hockte.

„Ah, Kamerad Frosch, so bist du also zum Fest im Himmel gelangt – auf meine Kosten und Anstrengung – nun, dein Vertrauen ehrt dich, aber…“ was er dann noch sagte, hörte unser armer Frosch schon nicht mehr, denn der erboste Geier dreht die Gitarre einfach um und kippte den Frosch nach draussen. Wie ein Stein fiel er nach unten und sein verhallendes Schreien klang wie: „Béu – Béu – Béu… wenn ich davonkomme geh‘ ich nie mehr auf ein Fest im Himmel „! Und als er die Berge dort unten gewahrte, rief er aus: „Geht weg ihr Steine, sonst zerbreche ich euch!“

Er schlug auf die Felsen auf, wie eine reife Frucht – zerplatzte wie eine dicke „Jaca“ – zerspritzte in viele kleine Teilchen. Aber unsere Gottesmutter, „Nossa Senhora da Piedade“, hatte Mitleid mit dem mutigen Ochsenfrosch – sie sammelte alle einzelnen Teilchen, fügte sie fein säuberlich zusammen und hauchte dem Frosch wieder neues Leben ein. Nun beobachtet mal, wenn Ihr einen Ochsenfrosch trefft, wie runzlig und ungleichmässig seine Haut ist – voller Narben und Flicken – und nun wisst Ihr warum.