Begegnung mit Engeln

Veröffentlicht am 22. November 2009

“Und vergesst nicht die Gastfreundschaft, denn durch sie, ohne es zu wissen, habt Ihr Engel aufgenommen“. (Brief an die Hebräer, 13:2). Schöne Zeiten, die guten alten biblischen Zeiten. Stellen Sie sich nur vor, heutzutage einem Engel zu begegnen oder ihn gar aufzunehmen. Könnte Ihnen nicht schon einmal ein Engel begegnet sein, und Sie haben ihn nicht erkannt? Seine Aufgabe war, bei Ihnen zu erscheinen und Ihnen eine Botschaft zu vermitteln.

Und Ihre einzige Verpflichtung war, ihn zu empfangen, aber Sie wussten natürlich nicht, wer er war. Also haben Sie sich abgewendet, dachten er sei aufdringlich, ein Verrückter, es ging daneben, Pech. Kann schon vor einigen Jahren passiert sein  – oder immer wieder.

Jene Gestalt, die ein kurzes Stück an Ihrer Seite marschiert ist und etwas Komisches zu Ihnen gesagt hat, und Sie haben lediglich Ihren Schritt beschleunigt – erinnern Sie sich? Jener (oder jene – sie erscheinen in vielerlei Gestalt) der sich zu Ihnen gesetzt hat und vom Wetter gesprochen – das war eine Gesprächseinleitung, um Ihnen die Botschaft zu überbringen – aber Sie haben sich sofort verschlossen und sind dann aufgesprungen und weiter gegangen.

Er mag an Ihre Tür geklopft haben, und Sie haben gleich eine Münze gezückt und ihm als Almosen in die Hand gedrückt – oder gesagt, dass Sie heute nichts hätten – oder gedroht, die Polizei zu rufen. Früher war das alles ein bisschen leichter – ich meine, die Engel zu erkennen. Jetzt ist es zu spät. Heutzutage, wenn er an die Tür klopft, schauen sie durch den Spion und öffnen gar nicht erst. “Bin doch nicht verrückt“! Und wenn er sich Ihnen auf der Strasse nähert, ergreifen Sie gleich die Flucht oder brüllen ihn an, dass Sie bewaffnet sind, und er besser daran tue, sich zu entfernen. Wenn er sich neben Sie setzen sollte, dann ziehen Sie sich zurück, wenn er es wagen sollte, Ihren Arm zu berühren, dann werden Sie schreien. Wenn er Sie per Telefon zu erreichen sucht, wird Ihr Anrufbeantworter ihm raten, seine Nachricht nach dem Piepton zu hinterlassen – und er wird gar nichts sagen: seine Nachricht ist für Sie und nicht für die Maschine.

Und wenn er Sie erreicht, ohne von Ihnen einen Tritt zu kriegen, seinen Auftrag ausführt und Ihnen die Nachricht überbringt – werden Sie ihn nicht verstehen. Sie werden vielleicht sagen, er solle lauter sprechen, wegen dem Lärm ringsherum. Dann werden Sie ungeduldig “Was“? rufen oder “wie meinen Sie das? Ist das eine Metapher? Ein Code? Übersetzen Sie mir das! Was soll das heissen“?

Er hat ihnen in die Augen gesehen, wollte Ihnen seine Nachricht überbringen und dann wieder verschwinden, um Ihrer Seele die Welt zu öffnen und Ihrem Herzen den Weg zu zeigen. Aber dazu ist es jetzt zu spät. Sie haben ihn abgewiesen mit den heutzutage üblichen Ausflüchten: “Sieh mal, heute geht es nicht – aber wir müssen mal in Ruhe miteinander reden – ruf mich an! Ja, am besten du rufst mich mal an“!