Sapucaia – Kastanien

Veröffentlicht am 29. November 2009

Der Volksmund nennt sie auch: Castanha–sapucaia; Cumbuca–de–macaco
Wissenschaftlicher Name: Lecythis pisonis Camb.
Deutscher Name: Kastanien
Aus der botanischen Familie der: Lecythydaceae
Herkunft: Brasilien – Atlantischer Regenwald

Charakteristika der Pflanze
Baum von gewaltigen Ausmassen, der bis zu 30 m hoch werden kann, mit einem Stamm bis zu 1 m Durchmesser und dichter Krone. Die Blätter rosafarben, wenn sie jung sind, später grün. Grosse Blüten von rötlicher bis violetter Färbung. Üppige Blüte in den Monaten September und Oktober.

Die Frucht
Rund, mit harter, dicker Schale von kastanienbrauner Farbe, hat die Grösse einer kleinen Kokosnuss. Wenn sie reif ist, öffnet sich am unteren Ende ein kleiner “Deckel“ und gibt die Samen (Kastanien) frei, die zu Boden fallen und den Baum so verbreiten. Diese Kastanien sind essbar und besonders wohlschmeckend. Die Reife liegt zwischen August bis September.

Der Anbau
Verbreitung durch Samen. In der Regel erntet man die Früchte noch vor ihrer Reife und setzt sie dann der Sonne aus, bis sich der Deckel öffnet und die Kerne freigibt. Der Baum braucht lehmhaltigen Boden, reich an organischem Material und Schatten. Unter demselben Namen “Sapucaia“ sind in Brasilien verschiedene Baumarten bekannt, die zur botanischen Familie der Lecitidaceae gehören – auch die bekanntere “Castanheira–do–Pará“, der Baum von dem die Pará–Nuss stammt, gehört zu dieser Gruppe.

Die meisten Bäume der Sapucaia–Familie zeichnen sich durch die besonderen Formen ihrer Früchte aus. Einige von ihnen bringen hartschalige, holzähnliche Formen hervor, mit einer grossen Anzahl von wohlschmeckenden und sehr beliebten Nüssen oder Kastanien, die sich auf dem Waldboden verteilen, wenn sich ihre Deckel – einer nach dem andern – öffnen und ihren Inhalt freigeben.

sapucaiaSapucaias und die Verwendung ihrer Früchte waren den Eingeborenen bereits bekannt, als die ersten Europäer den südamerikanischen Boden betraten (16.Jahrhundert). Und jene fühlten sich von der ausserordentlichen Qualität dieser Pflanzen angezogen – nahrhaft, exotisch und dekorativ – entdeckten sie darüber hinaus noch eine Reihe von anderen Qualitäten, die von ihren Wissenschaftlern herausgefunden und von ihren Historikern beschrieben worden sind.

Nach Eurico Texeira, hat der Seefahrer Pero de Magalhaes Gandavo die Früchte des Sapucaia–Baumes als “sehr harte Kokosnüsse“ beschrieben, “gefüllt mit süssen Kastanien von aussergewöhnlichem Geschmack“. Für ihn schienen diese Früchte kein Werk der Natur zu sein, sondern das einer “menschlichen Industrie“ – er fand ihre Konstruktion mit dem aufspringenden Deckel ganz besonders aussergewöhnlich, der dann den enthaltenen Kastanien erlaubt, eine nach der andern herauszufallen.

Diese aromatischen und sehr ölhaltigen Kastanien des Sapucaia–Baumes kann man sowohl roh als auch gekocht oder gebacken konsumieren, sie sind ein wertvolles Nahrungsmittel. Man kann sie ohne weiteres als Ersatz für Nüsse aller Art verwenden – sehr gut machen sie sich in Süssspeisen, Konfekt oder auch gesalzenen Rezepten.

Der Baum ist charakteristisch für den Pflanzenverbund des Atlantischen Regenwaldes und war einst von Ceará bis nach Rio de Janeiro verbreitet – heute halten sich diese Bäume noch in grösserer Anzahl in den Restbeständen des Atlantischen Regenwaldes, im Süden von Bahia, zum Beispiel, oder im Norden des Bundesstaates Espirito Santo. In seinem Urzustand entdeckt man ihn auch im Regenwald Amazoniens. Einige Exemplare im hohen Regenwald können bis zu 30 Metern Höhe erreichen und präsentieren damit die Majestät der Natur. Wenn sie in Blüte stehen, sind sie ein Fest für Bienen und andere Insekten – dann verwandelt sich der ganze Baum: alles Grün verschwindet unter einem rosaroten Blütenschleier – ein herrliches Spektakel für jeden Beschauer, und ein Dufterlebnis der besonderen Art ebenfalls.

Dann fallen die Blüten ab und das Grün der Blätter kehrt zurück – später bilden sich die Früchte mit ihrer charakteristischen, eigenwilligen Form. Diese Form ist es, welche die lokalen Bewohner anregt, sie zu Gebrauchsgegenständen oder zu dekorativen Stücken zu verwenden: Vasen, Trinkbehälter, Rasseln, Schalen, Essbehälter und vieles mehr lässt sich aus diesen Formen fertigen – zusätzlicher Nutzen, der den Waldbewohnern zugute kommt.

Natürlich werden die Kastanien des Sapucaia auch von den Tieren des Waldes begehrt. Besonders die Affen sind wahre Meister im Herausholen der Früchte aus der dicken Schale. Sie öffnen den beschriebenen Deckel an der Unterseite, noch bevor er die reifen Kerne freigibt, und holen sie einer nach dem andern aus ihrem Behältnis heraus. Fallen die Kerne reif auf den Boden, werden sie von Wildschweinen und anderen bodenständigen Tieren gefressen. Apropos – eine kuriose Geschichte rankt sich um diese Frucht und ihre Hauptverehrer im Tierreich, die Affen, denn nicht umsonst wird die Frucht auch “Cumbuca–de–Macaco“ (Affengefäss) genannt:

Verschiedene Wissenschaftler, unter ihnen auch Pio Correa, haben beobachtet, dass ein junger, unerfahrener Affe seine Hand durch das enge Loch der offenen Sapucaia–Frucht steckt, um gierig eine Handvoll der Kerne herauszuholen – mit dieser Faust voll Kernen bringt er seine Hand nicht mehr zurück aus dem Loch, fühlt sich gefangen und fängt an, hysterisch herumzuhüpfen, bis ihm ein erwachsenes Tier zu Hilfe kommt. Ein alter Affe handelt niemals so: mit seiner Erfahrung aus seinen jungen Jahren hat er sich nun unter Kontrolle und benutzt lediglich die Spitzen seiner Finger, um die Kerne, einen nach dem andern, aus ihrem harten Gehäuse heraus zu angeln, wobei er einen nach dem andern verzehrt. So wie es scheint, hat diese Vorliebe der Affen für die Sapucaia–Früchte jenes wohlbekannte Sprichwort geschaffen: “Macaco velho nao poe a mao na cumbuca“ (Ein alter Affe steckt seine Hand nicht in irgendein Gefäss).

Die Frucht des Sapucaia birgt ein überragendes Potential für die Ernährung, ihr Öl ebenfalls, die Asche der verbrannten Blätter ist ein hervorragender Dünger und die Wurzeln des Baumes finden in der Hausmedizin Verwendung.