Graviola – Stachel-Annone

Veröffentlicht am 29. November 2009

Der Volksmund nennt den Baum: Gravioleira; Jaca–de–Pobre
Wissenschaftlicher Name: Anona muricato L.
Deutscher Name: Stachel-Annone
Aus der botanischen Familie der: Annonaceae
Herkunft: Zentral–Amerika

Charakteristika der Pflanze
Baum mit bis zu 6 m Höhe, mit geradem Stamm und reduzierter Krone, die von breiten Blättern geformt wird. Grosse Blüten von blassgelber Färbung.

Die Frucht
Dies ist die grösste Frucht aus dieser botanischen Familie, in der Form eines grossen Eies, von grüner Farbe, sie präsentiert so genannte „falsche Stacheln“, die aus Fruchtfleisch bestehen und weich und kurz sind. Das Fruchtfleisch selbst ist weiss, süss, aber leicht säurehaltig. Sie besitzt viele dunkle Kerne.

Der Anbau
graviolaEine tropische Pflanze, die bezüglich des Bodens nicht besonders wählerisch ist. Sie bevorzugt lehmigen Boden und sie gedeiht besser im brasilianischen Nordosten und Norden, obgleich sie sich auch im subtropischen Klima hält. Die Fortpflanzung geschieht durch Setzlinge, Aufpfropfen oder Samen. Die Früchte sind reif zwischen Januar und März.

Der Chronist Fernandez de Oviedo, der über die Endeckungen der ersten portugiesischen Invasoren Buch führte, beschreibt die Graviola im 16. Jahrhundert so: “Eine schöne und grosse Frucht, wie eine Melone an Grösse und grün. Aussen herum hat sie gezeichnete Schuppen, ähnlich einer “Pinha“. Eine herrliche Erfrischung in der Hitze – und selbst wenn ein Mann eine ganze Frucht alleine isst, wird sie ihm nicht schaden. Ihr Fruchtfleisch innen gleicht weichem, weissen “Manjar“ (eine Art Pudding). Es zergeht gleich im Munde, wie Wasser, und hinterlässt einen guten Geschmack“.

Die Graviola ist die tropischste, grösste, wohlriechendste und wichtigste unter all den Früchten, welche genetisch bekannt sind unter dem Namen “Araticun“ – oder, anders ausgedrückt, aus der Familie der Ananaceae stammen. Ihre Ähnlichkeit mit der Biribá ist offensichtlich – wenn man ihr äusseres Erscheinungsbild betrachtet – charakterisiert durch ihre gleichmässige, schuppenartig unterteilte Oberfläche, mit falschen, kurzen und weichen Stacheln, hat die Graviola allerdings einen runderen und längeren Corpus als die Biribá, kommt jedoch in verschiedenen Varianten vor. Der Baum, den die Brasilianer “Gravioleiro“ nennen, bringt keinen besonders zahlreichen Fruchtstand hervor – eine Tatsache, die von der Grösse und dem Gewicht seiner einzelnen Früchte kompensiert wird: in Ausnahmefällen hat man einzelne Früchte geerntet, die ein Gewicht von bis zu 10 kg hatten. Ansonsten sind Früchte zwischen 1 kg und 4 kg die Regel.

Man muss die Früchte noch vor ihrer kompletten Reife ernten, denn wegen ihres enormen Gewichts fallen sie schnell vom Ast und platzen auf dem Boden auf – und dann sind sie schnell verdorben. Andererseits sind sie unreif kaum zu etwas nutze und vor allem geschmacklos – also muss der richtige Moment der Ernte abgepasst werden.

Im Allgemeinen ist ihr Fruchtfleisch weiss, saftig, von exzellentem Aroma und sehr angenehm im Geschmack. Für einen anderen Chronisten aus der Kolonialzeit, Pimentel Gomes, präsentiert sich die Graviola als “süss, aber leicht säuerlich“. Das Fruchtfleisch enthält Fasern, die der Baumwolle gleichen, es hat eine ganze Anzahl von Proteinen, Fetten, Karbohydraten, Vitamin C und B, sowie Pothassium und Phosphor. Wenn die Frucht einmal reif ist und ihre Schale platzt, verdirbt sie in der Regel sehr rasch. Aus diesem Grund wird sie im Handel eher als tiefgefrorenes Fruchtfleisch transportiert, als in ihrer Originalverfassung – die direkt nach ihrer Reife verarbeitet werden muss.

Heute kann man das tiefgefrorene Fruchtfleisch der Graviola auch schon auf europäischen Märkten finden, in Nordamerika und natürlich auch den grossen brasilianischen Metropolen, wo es als Saft und Speiseeis sehr begehrt ist. Oft wird es mit anderen Säften gemischt – wie zum Beispiel mit Limonen, Orangen, Bananen, Ananas und anderen. Man macht auch eine Unzahl von Mouse, Puddings und Kompott daraus.

Unter Brasilianern geniesst die Frucht einen hohen Stellenwert, und ihr Anbau ist in den Vorgärten und auf den Landsitzen der Nord– und Nordostregionen sehr häufig. Dort findet man auch kommerziell genutzte Pflanzungen der Graviola. Ausserdem hat man in diesen Gegenden ihre Nutzung in unreifem Zustand entdeckt: als Gemüse – man kocht sie, bäckt sie oder frittiert sie in Scheiben. Während ihrer Reifezeit jedoch, findet man die Graviola auf allen offenen Märkten des Nordostens, auf allen Ständen, auf allen Tischen, in allen Mündern – ein wahres Graviola–Delirium!

Der Biologe Paulo Cavalcante versichert, dass der Graviola–Baum noch in seinem wilden, Original–Stadium in der Amazonas–Region existiert. Die Kräutergärten des Goeldi–Museums in Belém enthalten verschiedene wilde Spezies, die man als unmittelbare Vorgänger der heutigen kultivierten Graviola klassifiziert hat. Allerdings gibt derselbe Autor, übereinstimmend mit anderen, als Stammgebiet der Pflanze die Inseln der Karibik an, wo man sie noch heute in ihrem wilden Originalzustand antrifft auf Cuba, Santo Domingo, Jamaika und anderen kleineren Inseln. Von dort wurde die Graviola nach Amazonien eingeführt.

In den Antillen kennt man die Frucht unter dem Namen “Guanábana“ – ein Wort aus der Taína–Sprache, die auf jenen Inseln üblich war – dieselbe Sprache, aus der auch das Wort “Anón“ stammt, das man für die ebenfalls in Brasilien eingewanderte Ata–Frucht (brasilianisch auch “Pinha“ oder “Fruta–do–conde“ genannt) auf den Antillen gebraucht.

Jahrhunderte nach der europäischen Invasion in Südamerika, findet man die Graviola in fast allen tropischen Regionen des Planeten. Zum Beispiel in Hawaii hat sie sich, mit Hilfe von modernsten Pflanzungs– und Industrialisationstechniken besonders gut entwickelt und wird von dort besonders nach USA exportiert. Eine exotische Frucht, die Sie unbedingt einmal probieren sollten, wenn Sie irgendwo Gelegenheit dazu haben!