Fruta-de-Lobo – Wolfsapfel

Veröffentlicht am 30. Januar 2011

Der Volksmund nennt sie auch: fruteira-de-lobo; jurubeba-lobeira
Wissenschaftlicher Name: Solanum lycocarpum St. Hil.
Deutscher Name: Wolfsapfel
Botanische Familie: Solanaceae
Herkunft: Brasilien – Regionen des Cerrado

Lobeira
Lobeira (B&W)
Microcosmos
Fazenda do Lobo - Wolf's Farm - Brazil
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Charakteristische Eigenschaften der Pflanze
Busch von bis zu 3 Metern Höhe, stark verzweigt und mit Dornen bewehrt. Grosse, ovale Blätter mit weisser Behaarung, welche in der Sonne glänzt. Grosse, blau-lila Blüten.

Die Frucht
Fast rund, etwas abgeflacht, von grüner Färbung im jungen Stadium und später gelblich – sehr aromatisch. Besitzt gelbes Fruchtfleisch, welches zahlreiche Samenkerne umhüllt.

Verbreitung
Die Büsche wachsen im Cerrado wild, am Rand der Strassen und Wege. Die Früchte reifen zwischen Juli und Januar.

Die „Fruta-de-lobo“ (wörtlich: Wolfsfrucht) ist ein ganz typische Pflanze im brasilianischen Cerrado, man kann sie aber auch spontan selbst im Nordosten und im Süden des Bundesstaates São Paulo antreffen. Die „Lobeira“ ist ein niedriger Baum mit unregelmässiger Verzweigung und verkrüppeltem Stamm, sieht also eher aus wie ein Busch. Seine Früchte sind die Basis für die Ernährung verschiedener Tiere, wie Vögel, Nager und Säugetiere verschiedener Spezies.

Die Frage hinsichtlich der Nutzung ihrer Früchte für den Menschen ist ziemlich umstritten. Für einige Meinungen handelt es sich hier um eine essbare, köstliche Frucht für verschiedene Verwendungszwecke. Für andere ist sie eben nur „eine Frucht für Wölfe“! Nach der Meinung verschiedener Sertão-Bewohner hat ihr Genuss schwer wiegende Magenverstimmungen zur Folge und kann sogar zum Tod führen.

Für F.C. Hoehne dagegen ist die „Lobeira“ eine sehr interessante Pflanze für die Kultivierung, denn ihre Früchte, in Grösse und Form einer grossen, grünen Tomate ähnlich, „sind äusserst aromatisch und eignen sich gut zur Herstellung von Süssspeisen – sie können auch mit anderen Früchten und mit Marmeladen gemischt werden“. Pio Corrêa stimmt dem zu – er bestätigt, dass die Früchte „einen Grad von Apfelaroma“ besitzen und „reichlich süsses Fruchtfleisch“. Und er fügt noch hinzu, dass sich die Früchte ebenfalls vorzüglich in natura als Nachtisch eignen. Gegenwärtig stellt man aus dem reifen Fruchtfleisch delikate Gelees mit etwa säuerlichem Geschmack her – in unreifem Zustand sind die Früchte wegen ihres hohen Tanin-Gehalts weniger zu empfehlen.

Es ist kein Zufall, dass die „Lobeira“ diesen eigentümlichen Namen besitzt: Denn es handelt sich um eine Spezies, welche besonders vom „Lobo-guará“ – dem südamerikanischen Mähnenwolf – bevorzugt wird. Das Tier, ein typischer Vertreter der Cerrado-Tierwelt, steht auf der Liste der stark gefährdeten Säugetiere. Wissenschaftliche Untersuchungen des „Centro Nacional de Recursos Genéticos e Biotecnologia“ von Planaltina (Federal Distrikt Brasília) haben ergeben, dass einige in der Frucht enthaltene Substanzen anscheinend besonders wichtig für die Erhaltung des biologischen Gleichgewichts jener Säugetier-Spezies ist.

Allerdings, so wie man den Mähnenwolf immer seltener zu Gesicht bekommt, so scheint auch seine Futterpflanze mit ihm am Verschwinden – beide leiden nicht nur unter dem direkten Raubbau des Menschen sondern auch unter den grossen Veränderungen, welche sich in ihrem Habitat in den letzten Jahrzehnten vollzogen haben. Die weiträumige Verwüstung der Cerrados durch die Viehherden, die schon vor langer Zeit begann, und seit kürzerer Zeit die Verwandlung der Cerrado-Region in riesige Soja-Plantagen, sowie die Abholzung der nativen Bäume zur Herstellung von Holzkohle für die Brennöfen der Eisenhütten, haben sowohl dem Lobo-guará wie der „Lobeira“ übel mitgespielt.