Camu-Camu – Kamu-Kamu

Veröffentlicht am 29. November 2009

Der Volksmund nennt sie auch: Caçari; Cauari
Wissenschaftlicher Name: Dubia (H B K..) McVaugh
Deutscher Name: Kamu-Kamu
Aus der botanischen Familie der: Myrtaceae
Herkunft: Brasilien – Amazonas–Region

Charakteristische Eigenschaften der Pflanze
Kleinwüchsiger Busch, kann bis zu 3 Metern Höhe erreichen, Stamm mit glatter Oberfläche. Rötliche Blätter in jungem Stadium, später grün – glatt und glänzend. Weisse Blüten, aromatisch duftend, in Gruppen zu drei und vier Stück angeordnet.

Frucht
Abgerundet, von rötlicher Färbung im jungen Stadium, und dunkelrot wenn sie reif ist. Fruchtfleisch wässrig, umhüllt einen grünlichen Kern. Reift zwischen November und März.

Vorkommen
Wilde Spezies, die vorwiegend an Fluss– und Seeufern vorkommt – der untere Teil ihres Stammes ist meist unter Wasser.

camu_camuDie Früchte des Camu-Camu, so beweisen die Ergebnisse von Versuchen, welche vom “Instituto Nacional de Pesquisas da Amazônia (INPA)” durchgeführt wurden, sind von hohem Nährwert und enthalten einen Vitamin–C Gehalt in ihrem Fruchtfleisch, der den der bekannteren Acerola noch übertrifft! Dieselben Techniker des INPA versuchen, darüber hinaus, den Anbau der Pflanze zu kommerzialisieren und sie produktiver zu machen. Für diejenigen, welche den hohen Gehalt an Ascorbinsäure – auch Vitamin C genannt – in der Acerola–Frucht kennen, und sich der Dimension seiner wirtschaftlichen Möglichkeiten bewusst sind, sind dies bedeutende und sehr erfreuliche Neuigkeiten.

Als Frucht einer nativen Spezies des Amazonas–Gebiets, ist sie in der Form von Büschen fast in der gesamten Region verbreitet. Man findet sie stets an den Ufern von Wasserläufen, Flüssen oder in kontinuierlich überschwemmten Regionen, wo der untere Teil des Stammes von Wasser bedeckt ist. Die Früchte sind kleine, kirschgrosse Kugeln, mit einer widerstandsfähigeren Schale als die der Acerola, sie ähnelt daher eher der Jabuticaba: Wenn man die Schale im Mund zerquetscht, quillt der Saft heraus – das Fruchtfleisch umhüllt einen einzigen Kern. Die Früchte sind rötlich, und mit zunehmender Reife wird dieses Rot immer dunkler.

Oft trifft man in der Amazonas–Region auf diese Früchte in solch grosser Anzahl, dass ihr herrliches Rot am Ufer der Flüsse die Aufmerksamkeit der Vorüberfahrenden auf sich zieht. Im Bundesstaat Roraima, wo sie im Überfluss wächst, gibt es sogar einen Stadtteil in der Hauptstadt Boa Vista, der nach der kleinen Frucht benannt worden ist – dort nennt man die Frucht allerdings mit ihrem volkstümlicheren Namen “Caçari”!

Es hat in diesem Fall der native Brasilianer immer noch nicht verstanden, welch wertvolle Pflanze er da für seine Gesundheit vor sich hat. Im Höchstfall lutschen ein paar Fischer die kleinen Früchte, um sich die Zeit zu vertreiben in den langen Stunden, die sie am Ufer des Flusses und in der Nähe jener Büsche verbringen. Bei der Angelei selbst wird die Frucht auch als Köder für den Tambaqui verwendet, einen der häufigsten und besten Speisefische Amazoniens.

Gegenwärtig beschäftigt man sich mit dem peruanischen Teil Amazoniens, von dessen Bewohnern die Brasilianer viele nützliche Anregungen zur Verwendung der Camu-Camu-Früchte bekommen können. Weil sie sehr säurehaltig sind, obwohl süss von Geschmack, werden die Früchte bevorzugt zur Zubereitung von Erfrischungsgetränken verwendet, für Speiseeis, Eis am Stiel, Gelees, Süssigkeiten und Liköre – ausserdem würzen sie mit ihrem pikanten Geschmack und ihrem starken Rot verschiedene Arten von Torten und Desserts, die zusammen mit anderen Früchten hergestellt werden. In allen Fällen sollte man die Schale mitverwenden, denn in ihr enthalten sind die meisten Nährstoffe enthalten – ausserdem ist ihr starkes Rot sehr dekorativ!

Die Camu-Camu ist eine typische Wald–Spezies, aber mit einem grossen wirtschaftlichen Potential und in der Lage, sich zu ebensolcher Bedeutung aufzuschwingen, wie andere traditionelle Fruchtbäume aus derselben Region – zum Beispiel der Açaí  oder der Cupu açu.

Jedoch nicht nur in Amazonien hat der Camu-Camu eine Zukunft: In São Paulo, im “Vale do Ribeira”, in einer Region von Mangroven und mit einem feucht–warmen Klima – ähnlich dem im Amazonasgebiet – hat man die Pflanze bereits versuchsweise angebaut. Mit grossem Erfolg!