Cagaita – Kirschmyrten

Veröffentlicht am 29. November 2009

Der Volksmund nennt sie auch: Cagaiteira
Wissenschaftlicher Name: Eugenia dysenterica DC
Deutscher Name: Kirschmyrten
Aus der botanischen Familie der: Myrtaceae
Herkunft: Brasilien – Cerrado

Charakteristische Eigenschaften der Pflanze
Baum mittlerer Grösse, der eine Höhe von 3 bis 4 Metern erreichen kann, mit verwundenem Stamm. Grüne, glänzende Blätter, wenn sie jung sind von hellgrüner Färbung, leicht lichtdurchlässig. Weisse, aromatisch duftende Blüten.

Frucht
Rund und abgeflacht, von fahlgelber Färbung, mit einem bis drei weissen Kernen umgeben von cremefarbenem Fruchtfleisch, mit säuerlichem Geschmack.

Vorkommen
Wild wachsend in Regionen des “Cerrado“. Seit langer Zeit weiss man, dass die “Cerrados“, welche einen grossen Teil der Zentralregion des brasilianischen Territoriums bedecken, einige der bekannt schlechtesten intertropikalen Böden besitzen. Als “wahrhaft ökologisches Wunder“, so drückt sich Professor Aziz Ab’Saber aus, hat sich die Cerrado–Vegetation gegen natürliche Brände, und solche durch den Menschen absichtlich verursachte, immer wieder behauptet – aus der Asche entstand neues Leben!

cagaiteiraJüngere Untersuchungen haben gezeigt – im Gegensatz dazu, was man bis noch vor kurzer Zeit behauptete – dass der Cerrado hinter seiner scheinbaren Rauhheit und Trockenheit für Überraschungen gut ist, betreffs seiner ungewöhnlichen Vielfalt an natürlichen Ressourcen. Man weiss heute ebenfalls, dass die Cerrados in ihren verschiedenen vorherrschenden Vegetationsformen einen wahrhaften Obstgarten der Natur darstellen. Mehr als einhundert native Pflanzenarten der Region bieten dem Menschen, der sich ihrer zu bedienen weiss, wohlschmeckende Früchte von hohem Nährwert. Eine grössere Zahl noch als diese, wird von den wilden Tieren genutzt. Unter diesen Arten sind folgende bedeutend: die Mangaba, die Marmelada–nativa, die Bacupari, die Araticum und die Marolo, die Buriti, die Pequi, die Cajuí, die Guariroba, die Jatobá, die Murici, die Araçá, die Baru, die Jaracatiá, die Curiola, die Gabiroba und die Cagaita, unter anderen.

Als Verwandte der Pitanga, der Araçá und der Uvaia, ist die Cagaita ein rundes, lichtgelbes Früchtchen. Sie hat eine feine Schale, einen säuerlichen Geschmack und ist sehr saftig – sie enthält etwa 90% Saft in ihrem Innern. Trotz ihres angenehmen Geschmacks und ihrer erfrischenden Wirkung, kennen die Bewohner der Region jene Laune der Natur, welche die Cagaita–Frucht mit einer Wirkung ausgestattet hat, die ihren Genuss mit einer gewissen Zurückhaltung erforderlich macht!

Wer meint, sich daran nicht halten zu müssen, wird schon bald erkennen, dass sowohl volkstümlicher wie wissenschaftlicher Name der kleinen, hinterlistigen Frucht, durchaus ihre Berechtigung haben! Tatsache ist, dass die Cagaita, wenn sie in grossen Mengen gegessen wird, eine stimulierende Fermentierung im Darm verursacht und eine Art von Übelkeit hervorruft, wie bei Trunkenheit. Auf der anderen Seite hat eine Infusion uas der Baumrinde der Cagaita den gegensätzlichen Effekt und wird in der Volksmedizin als Mittel gegen Durchfall eingesetzt.

Im Zentrum für Landwirtschaftliche Technologie der EMBRAPA, in Rio de Janeiro, entwickelt und testet man neue Rezepte für Säfte, Gelees und Süssspeisen aus Cerrado–Früchten. Dort gehört der Cagaita–Saft, zusammen mit der gerösteten Mandel des Baru, zu den bevorzugten Leckereien von Mitarbeitern wie Besuchern.

Dort hat man übrigens auch herausgefunden, was die Eingeborenen der Cerrado–Region schon seit langem wussten: Wenn die roh konsumierte Frucht unangenehme Nebenwirkungen im Darm provoziert, dann bietet ihr Fruchtfleisch als Zusatz bei Säften, Gelees, Erfrischungsgetränken, Speiseeis, Süssigkeiten und Likören lediglich seine angenehmen Seiten: den unvergleichlichen Geschmack und seinen herrlichen Duft!