Buriti

Veröffentlicht am 29. November 2009

Der Volksmund nennt sie auch: Carandá–guaçu; Coqueiro–buriti; Palmeira–do–brejo; Miriti
Wissenschaftlicher Name: Mauritia flexuosa L
Deutscher Name: Buriti; Morichepalme; Yurumabrot
Aus der botanischen Familie der: Palmae
Herkunft: Brasilien – tiefer gelegene Regionen unterschiedlicher Vegetationsformen

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Buriti
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Buriti
Povoado de Cardosa
Povoado de Cardosa
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Charakteristische Eigenschaften der Pflanze
Palme von elegantem Wuchs mit geradem Stamm bis zu 35 Metern Höhe. Grosse, fächerartig angeordnete Blätter. Blüten in langen Rispen bis zu 3 Metern Länge, von gelblicher Färbung, erscheinen zwischen Dezember und April.

Frucht
Ellipsoid, von kastanienroter Färbung, an der Oberfläche mit glänzenden Schuppen bedeckt. Harter ovaler Kern, dessen Inneres essbar ist. Reift von Dezember bis Juni.

Vorkommen
burutiKommt isoliert oder in Gruppen in der freien Natur vor – vorzugsweise in sumpfigen Terrains, wird deshalb auch als “Palmeira–do–brejo“ (Sumpfpalme) bezeichnet – weitere Namen sind: Buritis Altos, Vereda do Buriti Pardo, Buriti Mirim, Vereda Funda, Bom Buriti, Vereda–Meã, Buriti Comprido, Vereda–da–Vaca–Preta, Vereda–Grande, Buriti–do–Á, Vereda do Ouriço–Cuim, Buriti–Pintado, Veredas–Mortas, Córrego do Buriti–Comprido.

Die Buritis und die Tiefebenen Mittelbrasiliens, sind unsterblich mit dem literarischen Werk von Guimarães Rosa verbunden, mit so vielen treffenden Schilderungen der vom Cerrado vereinnahmten weiten Ebenen. Wo auch immer sich ein Fluss, ein Bächlein oder ein Rinnsal einen Weg durch die Landschaft bahnt – mitten in den tropischen Savannen des Cerrado und in den so genannten “Lavrados“ der Ebenen von Boa Vista (Roraima), Vegetations–Enklaven ähnlich denen Mittelbrasiliens inmitten des tropischen Regenwaldes – entwickeln sich die Galeriewälder und in ihnen die Buritis. Sie halten ein bisschen Abstand zum eigentlichen Wald, begrenzen ihn auf tiefergelegenen, deutlich markierten Flächen bedeckt von hellem Sandboden und niedriger Vegetation, die man “Veredas“ nennt.

In der Regel umgeben von “Campos limpos“ (Grassavannen), erhebt sich die Buriti–Palme majestätisch aus dem grünen, feuchten Teppich der Veredas: elegant und mit geradem Stamm, gekrönt von riesigen brillant–grünen Blättern, welche sternförmig angeordnet eine runde, gleichmässige Krone bilden, von unten herrlich anzusehen gegen den klaren, blauen Himmel.

Wenn man jene Wälder mit den sich abzeichnenden Buritis von weitem erblickt, kann man als müder Wanderer ganz sicher sein, dass dort irgendein Wasserlauf existiert, wo man ausruhen und sich neue Nahrung beschaffen kann: Sumpfige Terrains mit weichem, feuchten Boden, bedeckt mit grossen Ansammlungen von Buriti–Palmen, verbergen in ihrer Mitte das fliessende Wasser. Und wo immer das Wasser hinfliesst, nimmt es die Samen der Buritis mit sich und verteilt sie im Land.

Über die Buriti “verde que afina e esveste, belimbeleza“, wie Riobaldo de Guimarães Rosa schreibt, wurde bereits unzählige Male geschrieben und viele Male bestätigt, dass es sich um die schönste Palme Brasiliens handelt – schon seit die ersten Europäer und ihre Naturwissenschaftler ins Land kamen! Mehr noch: in den Regionen in denen sie vorkommt, ist die Buriti tatsächlich die bedeutendste Pflanze unter allen anderen, aus der die dort ansässigen Bewohner, als Erben des Wissen der Indianer, gelernt haben, einen grundlegenden Bestandteil ihrer Existenz zu gewinnen.

Die Fruchtrispen und die Blätter, welche die Menschen für vielerlei Zwecke in ihrem bescheidenen Haushalt verwenden, werden hoch oben in der Baumkrone geerntet – man schneidet sie mit einem gut geschärften Haumesser am Stielansatz ab, um die Palme nicht weiter zu verletzen. Danach springt der erfahrene “Sertanejo“ (Inlandsbewohner) von der hohen Palme, indem er die abgeschnittenen Blätter wie einen Fallschirm benutzt – er landet weich im Wasser!

Aus den Früchten der Buriti – einer Art verkleinerter, rostbrauner Kokosnuss, die im jungen Stadium harte Schuppen besitzt, welche mit fortschreitender Reife nachdunkeln – benutzt man das goldgelbe Fruchtfleisch. Um es herauszuholen, muss man vorher jene Schuppen in lauwarmem Wasser, oder durch Einpacken in Blätter oder Plastikbeutel, aufweichen.

Aus diesem Fruchtfleisch werden dann die leckeren Süssspeisen, Süssigkeiten und andere traditionelle Produkte hergestellt. Allerdings übertrifft der anderweitige Nutzen der Pflanze den ihrer Frucht noch bei weitem: Vielerlei feinste Holzarbeiten werden aus dem Holz der Palme gefertigt – die “Farinha de Buriti“, eine Art Mehl aus dem Mark des jungen Palmstammes wird im Haushalt benutzt – die “Raspas de Buriti“ gewinnt man, indem man das Fruchtfleisch in der Sonne trocknet und anschliessend raspelt – Die “Paçoca de Buriti“ ist eine energiespendende Mischung aus den Buriti–Raspeln, Maniokmehl und Rohrzucker–Melasse. Alle diese Nährmittel können ohne Konservierungseinrichtungen lange Zeit aufgehoben werden, ohne zu verderben, um in Zeiten der Not Verwendung zu finden.

Man kann das Fruchtfleisch auch tiefgefroren länger als ein Jahr aufheben und es dann auf die gleiche Art wie die frischen Früchte zu verwenden. Damit produziert man heutzutage verschiedene Arten von Speiseeis, Cremes, Gelees, Liköre und Vitamin–Drinks exotischen Geschmacks und mit hohem Vitamin–C Gehalt – moderne Entdeckungen, welche zum grössten Teil in den wissenschaftlichen Zentren der brasilianischen EMBRAPA entwickelt wurden.

Die Buriti versorgt aber nicht nur die Menschen mit Nahrung. Man hat beobachtet, dass gewisse Tiere zur Reifezeit der Buritis sich den Bauch dermassen mit dem Fruchtfleisch vollschlagen, dass sie buchstäblich Opfer ihrer Fressgier werden: So zum Beispiel im Fall des “Porco–montado“ in Roraima, eine Art von verwildertem Hausschwein, das in den Wäldern lebt – in dieser Jahreszeit ist es so vollgefressen, dass es die Jäger leicht zu Fuss einholen können – und sein Fleisch ist durch und durch von der starken gelben Farbe der Buriti–Früchte durchdrungen.

Und die Buriti ist sogar noch viel mehr als nur Nahrung für Mensch und Tier. Aus ihrem Fruchtfleisch quetschen die Einheimischen ein Öl von blutroter Farbe, welches bei der Behandlung von Brandwunden Verwendung findet, es lindert die Schmerzen und wirkt wundheilend. Dieses Öl kann auch im Haushalt benutzt werden, es enthält einen hohen Grad an Vitamin A. Ebenfalls essbar, und wie man