Babaçu – Babacu-Nuss

Veröffentlicht am 29. November 2009

Der Volksmund nennt die Pflanze auch: Baguacu; Coco–de–macaco
Wissenschaftlicher Name: Orbignya speciosa (Mart.) Barb. Rodr.
Deutscher Name: Babacu–Nuss
Aus der botanischen Familie der: Palmae
Herkunft: Brasilien – Amazonasgebiet und Atlantischer Regenwald

Charakteristische Eigenschaften der Pflanze
Elegante Palme, die bis zu 20 Metern Höhe erreichen kann. Charakteristischer Stamm, der in der Regel zahlreiche alte, bereits abgestorbene Blätter rundherum aufweist. Die frisch grünen Blätter sind bis zu 8 Metern lang und gebogen. Die Blüten cremefarben bis gelb, zusammen gefasst in langen Dolden. Jede Pale kann bis zu 6 dieser Dolden hervorbringen – zwischen Januar und April.

Frucht
Die länglich, ovalen Früchte von kastanienbrauner Färbung erscheinen zwischen August und Januar – zusammengefasst in hängenden Rispen. Ihr Fruchtfleisch ist mehlig und ölig, es umgibt drei bis vier ölhaltige Kerne.

Anbau
Wächst wild im Regenwald Amazoniens, bringt etwa 2.000 Früchte pro Baum und Jahr hervor – allerdings nicht über einen langen Zeitraum.

BabaçuDie Babaçu–Palme (sprich: Babassú) ist eine der bedeutendsten Repräsentanten unter den brasilianischen Palmen. Über ihre Bedeutung hat sich Alpheu Diniz Gonzalves 1955 folgendermassen ausgelassen: „Es ist schwierig zu entscheiden, worin ihr grösserer Reichtum liegt – in ihrer eleganten Schönheit, und damit ihrem Anteil an der Vollkommenheit der Natur, oder in ihrem unerschöpflichen wirtschaftlichen Nutzen für das Leben der Menschen“ Die Babaçu–Palme fällt in der Tat unter den anderen Palmen, die man im brasilianischen Territorium findet, durch ihre charakteristische Grazie und die Schönheit ihrer Struktur auf: sie erreicht zwischen 10 und 20 Metern Höhe, ihre Blätter halten sich in fast gerader Position – kaum gegen den Boden gebogen orientieren sie sich eher zum Himmel, was der Palme eine gewisse selbstbewusste Haltung verleiht.

Gegenwärtig finden sich in Brasilien weite Bestände der Babaçu–Palme – so genannte „Babaçuais“ – im Süden des Amazonasbeckens, dort wo der feuchte Regenwald von der typischen Vegetation des „Cerrado“ abgelöst wird. Es sind die Bundesstaaten Maranhão, Piauí und Tocantins, in denen sich die grössten Wälder mit Konzentrationen von Babaçus finden – dort bilden sie sehr oft homogene Bestände, so dicht, dass unter den riesigen Palmen ein Dämmerlicht herrscht.

Es ist durchaus wahrscheinlich, dass in derselben Region, schon vor der Invasion der Europäer, solche Babaçu–Wälder existierten, aus denen die lokalen Eingeborenen ihren wirtschaftlichen Nutzen zogen. Camara Cascudo berichtet schon 1612, dass ihm der Reisende Claude d’Abbeville von der Bedeutung erzählte, welche jene „Palmfrüchte“ in der Ernährung der Eingeborenen des brasilianischen Nordostens hätten – „dort in der Gegend von Pernambuco und Potiú“ – und diese Palme war, sehr wahrscheinlich, die „Babaçu“, von den Tupi–Indianern „Uauacu“ getauft. Allerdings wuchsen jene antiken „Babaçuais“ verstreut innerhalb von komplexen Arealen grosser biologischer Diversifikation – ganz anders als sie sich heute darstellen: nämlich als weite und homogene Palmwälder, die sich stetig weiter ausbreiten.

Wie die Wissenschaftler Anthony Anderson und Peter May bestätigen, verbreitet sich die Palme durch Samen – jede einzelne kann sogar Samen auf Vorrat produzieren. Sie bevorzugen ein warmes Klima, und Peter May hebt hervor, dass die periodischen Brandrodungen schuld daran waren, dass sich die Babaçu–Palmen besonders im Nordosten Brasiliens so stark ausgebreitet haben. Diese leidige Praxis der Brandrodung, in Zusammenhang mit einer periodischen Landwirtschaft, wird von den lokalen Bewohnern in der Regel zur Eliminierung jener „Babaçuais“ angewendet, hat aber, will man dem Wissenschaftler glauben, gerade den gegenteiligen Effekt: nach dem grossen Feuer sind es nämlich die kleinen „Pindovas de Babaçu“ – die winzigen Palmenschösslinge – welche zuerst aus der noch warmen Asche hervordringen. Man weiss inzwischen, dass die Babaçu extrem widerstandsfähig ist, immun gegen die zahlreichen Erbeuter ihrer Früchte und, dass sie sich aussergewöhnlich schnell zu regenerieren versteht. Mit einem Brand werden die meisten ihrer pflanzlichen Mitbewerber eliminiert und machen den Boden frei für ihre resistenten Sprösslinge.

babacuDas bedeutendste Produkt von wirtschaftlichem und industriellem Wert der Palme sind die mandelförmigen Kerne ihrer Früchte. 3 bis 5 Stück in jeder Frucht, werden sie mittels einer t