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Guaraná

Der Volksmund nennt die Pflanze auch: Guaranazeiro
Wissenschaftlicher Name: Paullinea cupana H.B.K.
Deutscher Name: Guarana
Aus der botanischen Familie der: Sapindaceae
Herkunft: Brasilien – Amazonas–Region

Charakteristika der Pflanze
Kletterpflanze mit gefurchtem Stängel und dunkler Rinde, die sehr gross werden kann. Die Blätter sind mit kleinen Widerhaken besetzt. Die weissen Blüten sind rund um den Stängel gruppiert.

Die Frucht
Die Früchte sind von rötlicher Färbung und halb offen, wenn sie reif sind – dann präsentieren sie schwarze Kerne mit einem breiten weissen Streifen rundherum und ähneln so kleinen Augen.

Der Anbau
Die Pflanze verbreitet sich durch Samen und wird fast ausschliesslich in Amazonien angebaut, wo sie auch wild vorkommt. Ihr bevorzugtes Klima ist feucht–heiss. Man sollte zu ihrer Kultivierung sumpfige und sandhaltige Böden meiden. Sie trägt Früchte zwischen Januar und März.

“Guaraná“ ist die Frucht einer Kletterpflanze. Wenn sie im Innern des Regenwaldes wächst – je nach den jeweiligen Lichtbedingungen – kann sie sich mit Hilfe grosser Bäume, und zusammen mit einem verschlungenen Gewirr von Lianen, Zweigen und Blättern, bis auf beachtliche Höhen emporranken. Wächst sie dagegen in offenem, besonntem Gelände, verhält sie sich wie ein kriechendes Gewächs. Sowohl im einen wie im anderen Fall sind die charakteristischen Blätter der Guaraná auffallend grün, und ihre vielen kleinen Früchte gruppieren sich in langen Rispen.

Von ihrer Heimat Amazonien hat sich die Guaraná zwar auch an andere Regionen Brasiliens angepasst, aber nur im Regenwald findet man ihre ursprüngliche Form – in grossen Konzentrationen im Gebiet der Flüsse “Rio Madeira – Tapajós, Amazonas“ und am Oberlauf der Flüsse “Maraú und Andira“.

Wie die Biologin Sonia Lorenz berichtet, grenzen diese Gebiete alle an das traditionelle Territorium der Sateré–Maué–Indianer. Sie waren es, die die Kultivierung der Guaraná einführten, das heisst, sie verwandelten die wild wachsende Kletterpflanze in eine Kulturpflanze und entwickelten die nötigen Techniken zu ihrer Nutzung für den Menschen.

guaranaEine indianische Legende erzählt, dass die Guaraná aus den im Boden verscharrten Augen des Sohnes von “Onhiámuacaba“ hervorspross, einer Indianerin, welche alle Pflanzen des Waldes und ihre Anwendung zum Wohle der menschlichen Gesundheit gekannt haben soll. Die Indianer erzählen, dass ihr Sohn, kaum hatte er ein bisschen sprechen gelernt, von seiner Mutter die Nüsse einer bestimmten Baumart verlangte, welche sie im “Nocoquém“ gepflanzt hatte – einem heiligen Ort des Stammes, an dem sogar die Steine sprechen konnten. Aber dieser heilige Ort stand unter der Obhut ihrer Brüder, den Onkeln des Kindes, und diese widersetzten sich dem Wunsch der Mutter und trachteten ihrem Sohn nach dem Leben. Kaum konnte der auf seinen zwei Beinen gehen, sahen ihn die Tiere des Waldes, wie er mit Hilfe einer Bambusgerte die Nüsse vom heiligen Baum schlug und sie dann genüsslich verspeiste. Sie meldeten den Frevel seinen Onkeln, und die liessen ihn kurzerhand von den Raubtieren in Stücke reissen. Als die Mutter herbeieilte, war es bereits zu spät – weinend vergrub sie die Reste ihres Sohnes an einem besonderen Platz, zwischen den Wurzeln eines Urwaldriesen. Die verzweifelten Tränen der Mutter benetzten ein kleines Pflänzchen, das über den Gebeinen ihres Sohnes aus der Erde spross: aus dem linken Auge ihres Sohnes wuchs das „falsche Guaraná“, welches der Volksmund auch mit “Guaranarana“ bezeichnet, und das zu nichts zu gebrauchen ist – aus dem rechten Auge dagegen wuchs das “Guaraná–verdadeiro“ (das echte Guaraná). Aber auch verschiedene Tiere kamen aus dem Grab ihres Sohnes hervor, die sich im Wald verteilten und schliesslich auch ein kleiner Junge, der erste Indianer des Stammes der “Mané“ – die sich deshalb heute die “Kinder des Guaraná“ nennen. Der Begriff “Uaraná“ in ihrer Sprache bedeutet “Menschenauge“ oder auch “ähnlich einem Auge“. Tatsächlich sind die Früchte des Guaraná rot wie Blut und, wenn sie reif sind, platzen ihre Schalen auf und präsentieren einen schwarzen Kern, der in einer weissen Haut liegt – diese Anordnung ähnelt auf verblüffende Art und Weise einem menschlichen Auge, und es entsteht der Eindruck, dass jede Guaraná–Rispe aus Hunderten von Augen besteht.

Die Indianer wissen allerdings, dass es zu spät für eine Ernte ist, wenn die Guaraná–Früchte an den Zweigen reifen. Darüber hinaus haben sie sich hinsichtlich ihrer Verwendung und Verwertung ein grosses Wissen angeeignet. Besonders die Indianer vom Stamm der “Sateré–Maué“ sind bekannt als wahre Meister in der Herstellung des Endprodukts, was ebenfalls den Namen “Guaraná“ trägt.

Sein Herstellungsverfahren hat sich aus traditionellen Erfahrungen und Praktiken der Indianer im Laufe der Jahrhunderte entwickelt – ein langwieriger und aufwendiger Prozess, der bereits mit der Auswahl der pflanzlichen Ableger im Regenwald beginnt, die dann auf einem zu diesem Zweck ausgesuchten Terrain eingesetzt werden – eine Guaraná–Pflanzung entsteht. Sie braucht zwei bis drei Jahre, bis die eingesetzten Ableger Frucht tragen. Zum “richtigen Zeitpunkt“ werden ihre fast reifen Rispen gesammelt, die Früchte geschält und ihre Samen gewaschen, um die sie umgebende weisse Haut zu entfernen. Nach dem Trocknen werden die Samenkerne während einiger Stunden langsam geröstet. Dann füllt man die gerösteten Kerne in Säcke ab, auf die man von aussen eindrischt, um so ihre Schalen zu lösen. In Handarbeit entfernt man schliesslich die Schalen ganz und zerquetscht die sauberen Kerne in einem Mörser, unter Zusatz von ein wenig Wasser. Die so gewonnene dicke Paste wird gut durchgeknetet und schliesslich in eine Form gebracht, die kleinen Brötchen gleicht – den so genannten “paes de guaraná“ (Guaraná–Brötchen). Diese Brötchen werden nach dem Trocknen von den indianischen Frauen gewaschen und langsam geräuchert – während zweier langer Monate auf niedriger Glut – bis sie endlich fertig sind zum Verbrauch.

Um nun den zum Verbrauch bestimmten Guaraná–Puder zu bekommen, werden die “Brötchen“ oder “Guaraná–Stäbe“ von den Indianern mittels eines Steins mit rauer Oberfläche geraspelt – manche Stämme benutzen als Raspel auch die getrocknete, mit unzähligen Zäpfchen besetzte Zunge des Pirarocú–Fisches. Zum Konsum wird der abgeraspelte Guaraná–Puder mit Wasser gemischt und so getrunken – wann immer man Lust hat oder zu besonderen zeremoniellen Anlässen. Ausser in seiner traditionellen Stabform, kann man heute den Guaraná–Puder schon in Dosen auf dem Markt finden oder als flüssigen Extrakt, sowie in Form von Guaraná–Sirup. Darüber hinaus ist das energiereiche Produkt heutzutage Bestandteil von Formeln zur Fabrikation von unzähligen Erfrischungsgetränken in Flaschen.

Nach Sonia Lorenz weiss man aus historischen Aufzeichnungen, dass die Produktion und der Handel  mit Guaraná besonders in der Region von “Maués“ (Amazonas) besonders rege war. Nicht nur unter Indianern – auch die “Zivilisierten“ interessierten sich für die besonderen Eigenschaften und heilenden Qualitäten, welche diesem Produkt zugeschrieben wurden. Nach diesen eher volkstümlichen Theorien soll das Guaraná im menschlichen Organismus folgende Wirkungen haben: es stimuliert, reguliert die Verdauung, ist schweisstreibend, ein gutes Herztonikum, gibt Energie zurück und soll sogar als Aphrodisiakum wirken.

Die meisten dieser dem Produkt zugeschriebenen Eigenschaften sind noch nicht getestet worden oder gar bewiesen. Was man mit Bestimmtheit weiss, dass Guaraná ein starkes Stimmulanz ist – es enthält nach seiner Verarbeitung einen sehr hohen Anteil an Koffein, sehr viel höher als Kaffee oder Tee. Das Koffein wird in der Pharmazie zur Anreicherung unzähliger Medikamente verwendet. Aber, wenn man es unkontrolliert verwendet, kann es eine Reihe unerwünschter Nebenwirkungen produzieren.

Neuere Studien der Guaraná–Pflanze an der Universität von São Paulo machen von sich reden, welche die Möglichkeit andeuten, dass man ihre Inhaltsstoffe als wirksame Ingredienzien in Kosmetika zur Behandlung von fettiger Haut und Cellulitis einsetzen sollte.
 
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