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Wissenschaftlicher Name: Orbignya speciosa (Mart.) Barb. Rodr. Deutscher Name: Babacu–Nuss Aus der botanischen Familie der: Palmae Herkunft: Brasilien – Amazonasgebiet und Atlantischer Regenwald Charakteristische Eigenschaften der Pflanze Elegante Palme, die bis zu 20 Metern Höhe erreichen kann. Charakteristischer Stamm, der in der Regel zahlreiche alte, bereits abgestorbene Blätter rundherum aufweist. Die frisch grünen Blätter sind bis zu 8 Metern lang und gebogen. Die Blüten cremefarben bis gelb, zusammen gefasst in langen Dolden. Jede Pale kann bis zu 6 dieser Dolden hervorbringen – zwischen Januar und April. Frucht Die länglich, ovalen Früchte von kastanienbrauner Färbung erscheinen zwischen August und Januar – zusammengefasst in hängenden Rispen. Ihr Fruchtfleisch ist mehlig und ölig, es umgibt drei bis vier ölhaltige Kerne. Anbau Wächst wild im Regenwald Amazoniens, bringt etwa 2.000 Früchte pro Baum und Jahr hervor – allerdings nicht über einen langen Zeitraum. Die Babaçu–Palme (sprich: Babassú) ist eine der bedeutendsten Repräsentanten unter den brasilianischen Palmen. Über ihre Bedeutung hat sich Alpheu Diniz Gonzalves 1955 folgendermassen ausgelassen: "Es ist schwierig zu entscheiden, worin ihr grösserer Reichtum liegt – in ihrer eleganten Schönheit, und damit ihrem Anteil an der Vollkommenheit der Natur, oder in ihrem unerschöpflichen wirtschaftlichen Nutzen für das Leben der Menschen" Die Babaçu–Palme fällt in der Tat unter den anderen Palmen, die man im brasilianischen Territorium findet, durch ihre charakteristische Grazie und die Schönheit ihrer Struktur auf: sie erreicht zwischen 10 und 20 Metern Höhe, ihre Blätter halten sich in fast gerader Position – kaum gegen den Boden gebogen orientieren sie sich eher zum Himmel, was der Palme eine gewisse selbstbewusste Haltung verleiht. Gegenwärtig finden sich in Brasilien weite Bestände der Babaçu–Palme – so genannte "Babaçuais" – im Süden des Amazonasbeckens, dort wo der feuchte Regenwald von der typischen Vegetation des "Cerrado" abgelöst wird. Es sind die Bundesstaaten Maranhão, Piauí und Tocantins, in denen sich die grössten Wälder mit Konzentrationen von Babaçus finden – dort bilden sie sehr oft homogene Bestände, so dicht, dass unter den riesigen Palmen ein Dämmerlicht herrscht. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass in derselben Region, schon vor der Invasion der Europäer, solche Babaçu–Wälder existierten, aus denen die lokalen Eingeborenen ihren wirtschaftlichen Nutzen zogen. Camara Cascudo berichtet schon 1612, dass ihm der Reisende Claude d'Abbeville von der Bedeutung erzählte, welche jene "Palmfrüchte" in der Ernährung der Eingeborenen des brasilianischen Nordostens hätten – "dort in der Gegend von Pernambuco und Potiú" – und diese Palme war, sehr wahrscheinlich, die "Babaçu", von den Tupi–Indianern "Uauacu" getauft. Allerdings wuchsen jene antiken "Babaçuais" verstreut innerhalb von komplexen Arealen grosser biologischer Diversifikation – ganz anders als sie sich heute darstellen: nämlich als weite und homogene Palmwälder, die sich stetig weiter ausbreiten. Wie die Wissenschaftler Anthony Anderson und Peter May bestätigen, verbreitet sich die Palme durch Samen – jede einzelne kann sogar Samen auf Vorrat produzieren. Sie bevorzugen ein warmes Klima, und Peter May hebt hervor, dass die periodischen Brandrodungen schuld daran waren, dass sich die Babaçu–Palmen besonders im Nordosten Brasiliens so stark ausgebreitet haben. Diese leidige Praxis der Brandrodung, in Zusammenhang mit einer periodischen Landwirtschaft, wird von den lokalen Bewohnern in der Regel zur Eliminierung jener "Babaçuais" angewendet, hat aber, will man dem Wissenschaftler glauben, gerade den gegenteiligen Effekt: nach dem grossen Feuer sind es nämlich die kleinen "Pindovas de Babaçu" – die winzigen Palmenschösslinge – welche zuerst aus der noch warmen Asche hervordringen. Man weiss inzwischen, dass die Babaçu extrem widerstandsfähig ist, immun gegen die zahlreichen Erbeuter ihrer Früchte und, dass sie sich aussergewöhnlich schnell zu regenerieren versteht. Mit einem Brand werden die meisten ihrer pflanzlichen Mitbewerber eliminiert und machen den Boden frei für ihre resistenten Sprösslinge. Das bedeutendste Produkt von wirtschaftlichem und industriellem Wert der Palme sind die mandelförmigen Kerne ihrer Früchte. 3 bis 5 Stück in jeder Frucht, werden sie mittels einer traditionellen, manuellen Technik von den lokalen Bewohnern extrahiert. Dies ist in manchen Gegenden die einzige Möglichkeit zur Selbsterhaltung der Bevölkerung, deren Mitglieder kein Stück Land besitzen: in Maranhão, zum Beispiel, beschäftigt die Extraktion der Babaçu–Kerne zirka 300.000 Familien. Besonders Frauen, denen ihre Kinder zur Hand gehen, man nennt sie: "Quebradeiras" (Nussknacker). Obwohl man zahllose Versuche gemacht hat, Maschinen zu erfinden und einzuführen, um diese schwere Handarbeit zu ersetzen, hat sich doch bis heute die manuelle Extraktion als die einzig effiziente gehalten. Weil die Schale der Frucht von aussergewöhnlicher Härte ist, geht man dabei folgendermassen vor: Auf die Schneide einer Axt, die zwischen den Beinen der "Quebradeira" eingeklemmt ist, wird die Babaçu–Nuss aufgesetzt und ausbalanciert – dann mit grossem Kraftaufwand mittels einer Holzkeule aufgeschlagen, bis sie sich in zwei Teile spaltet und die wertvollen Kerne freigibt. Im Allgemeinen kann man in allen Palmen, besonders aber in der "Dendé", der "Buriti" und der "Babaçu", relativ grosse Mengen von öligem Material, oder besser Fetten vorfinden, die in der Lebensmittel– oder der Kosmetikindustrie verwendet werden können. Im Falle der Babaçu werden die ölhaltigen Kerne von lokalen Raffinerien ausgepresst und das in ihnen zu 65% enthaltene Rohöl an die Hersteller von Seife, Glycerin, Speiseöl und Margarine weiter vertrieben. Aus dem öligen Kernresten bereitet man ausserdem ein hochwertiges Viehfutter. Aber das ist bei weitem nicht alles! Von der Palme selbst – auch wenn es ein pa ar Jahre dauert, bis sie Früchte trägt – haben die Menschen besonders in den unterentwickelten Regionen gelernt, einfach alles für ihre persönlichen Zwecke in ihrem Haushalt zu verwenden. Ihre Blätter dienen als Grundmaterial für vielerlei Gebrauchsgegenstände – zum Beispiel Körbe aller Grössen und Funktionen, für Fächer, Siebe, Matten, Zäune, Fenster, Türen, Tierfallen, Käfige, und vieles andere – und natürlich als wichtige Dachbedeckung der bescheidenen Behausung. Und während der Trockenzeit sind dieselben Blätter auch als Notration für das Vieh zu gebrauchen. Der Stamm der Palme, wenn er bereits verwittert ist, gibt einen guten Dünger ab – ist er noch in guter Verfassung, wird er oft zur Herstellung verschiedener rustikaler Möbel verwendet. Von den gefällten jungen Palmen entnimmt man das "Palmito" (Palmenmark) und einen Saft, der nach seiner Fermentierung einen allerseits beliebten Wein abgibt. Die noch grünen Kerne – frisch herausgenommen, geraspelt und durch ein feinmaschiges Tuch gepresst, mit ein wenig Wasser – liefern eine Art Milch mit ähnlichen nutritiven Eigenschaften wie die Muttermilch – dies haben Wissenschaftler des "Instituto de Recursos Humanos" von Maranhão herausgefunden! Diese "Milch" wird in der regionalen Küche häufig verwendet – als Verfeinerung von Wildfleisch und Fisch – es ersetzt die aus der bahianischen Küche bekannte "Leite–de–coco" (Kokosmilch) – man kocht in ihr auch Cuscuz aus Maismehl, aus Reis oder Maniok – und man trinkt sie sogar gekühlt als Kuhmilch–Ersatz. Die Schale der Nuss liefert eine sehr effiziente Kohle – einzige Energiequelle in verschiedenen Regionen des nordöstlichen Brasiliens. Die Bevölkerung, welche sich mit allen Reichtümern auskennt, die ihnen die Babaçu–Palme zu liefern imstande ist, bereitet den Prozess der Karbonisierung der Babaçu–Nuss während der Nacht vor: sie verbrennen die Nussschalen in mit Blattwerk und Erde abgedeckten Gruben ganz langsam – der hervordringende Qualm ist übrigens ein exzellentes Mittel zur Vertreibung von Stechmücken – zurück bleibt eine Grube voller Kohle. Industriell kann man aus den Nussschalen weitere interessante Produkte gewinnen, wie zum Beispiel: Etanol, Metanol, Koks, reaktivierte Kohle, Antriebsgas, Essigsäure und Teer. Obgleich von so grossem Nutzen und solch vielfältiger Wirtschaftlichkeit für die einheimische Bevölkerung, behandelt man die Babaçu–Palme leider immer noch mit eher beiläufigem Interesse von Seiten der Industrie. Sie ist lediglich eine Möglichkeit zur traditionellen Selbsterhaltung geblieben. |
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