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Araticum – Grafen-Frucht

Der Volksmund nennt sie auch: Anona; Pinha; Fruta–do–conde (Grafen–Frucht); Ata; Coração–de–boi (Ochsenherz);
Cabeça–de–negro (Negerkopf); Condessa (Comtesse)
Wissenschaftlicher Name: Annona Sp
Deutscher Name: Grafen-Frucht
Aus der botanischen Familie der: Annonaceae
Herkunft: Antillen
Fotos der Flickr Community
Charakteristische Eigenschaften der Pflanze
Baum von unterschiedlicher Grösse, kann bis zu 7 m hoch werden, je nach Spezies. Harte Blätter, die in in einer charakteristischen Art und Weise horizontal entlang der Zweige angeordnet sind. Die Blüten sind fleischig, von grünlicher oder weissgelber Färbung – sie erscheinen während des gesamten Jahres.

Frucht
Kugelförmig oder etwas länglich, die zahlreiche Samen enthält, die auf weissem, wässrigen und weichen Fruchtfleisch angeordnet sind, umhüllt von einer gelblich–grünen Schale, glatt oder bedeckt von fleischigen Schuppen. Trägt Früchte ebenfalls während des gesamten Jahres.

Anbau
Verbreitet sich durch Samen oder auch durch Pfropfen. Bevorzugt warmes Klima, aber mit wenig Regen und einer gut definierten Trockenperiode. Beginnt drei Jahre nach dem Pflanzen mit seiner Produktion.

Die Familie der Anonaceae begreift eine Vielzahl von verschiedenen Fruchtbäumen ein. Ihre Früchte sind inzwischen auf der ganzen Welt bekannt und sehr beliebt, sie haben in der Regel eine rustikale Erscheinung, ihre charakteristische Form ähnelt einem voluminösen Pinien–Zapfen – manchmal runder, manchmal länglicher – und, je nach Spezies, sogar in Form eines Herzens. Grösse und Gewicht können sehr unterschiedlich sein – zwischen der Grösse einer Faust oder einem Rugby–Ball. Dazu gehören die ”Fruta–do–Conde“ (Annona squamosa), die “Araticum–do–Cerrado” oder “Araticum–marolo” (Annona crassiflora) und die vielen anderen “Araticuns” Brasiliens. Nach Maria do Carmo C. Sanchotene bedeutet “Araticum” im indianischen Guarani “weiche Frucht” – und das entspricht ihrem Charakter genau: je reifer sie werden, umso weicher sind sie, und ihr Fruchtfleisch zergeht buchstäblich auf der Zunge.

“Araticum” ist der gebräuchlichste der Namen für alle aus dem Wald stammenden Varianten der Ananaceae im Portugiesisch sprechenden Bereich Südamerikas – in den Spanisch sprechenden Ländern ist die häufigste Bezeichnung für diese Frucht “Anone” oder “Anona”.

Die kolumbianische Schriftstellerin Clara Inés Olaya bietet eine Piste zum Verständnis hinsichtlich der Motive, die zu solcher Verallgemeinerung führten. Sie erzählt, dass die Spanier diese Früchte zum ersten Mal auf den Inseln der Karibik kosteten, als sie dort anlandeten. Dort erfuhren sie auch den Namen der Früchte, die ihnen so gut mundeten – der Name “Anón” stammt aus der Eingeborenensprache der “Taína” und wird für den gesamten Komplex jener nativen Waldfrüchte gebraucht, die dann später von den Indianern nur noch “El manjor blanco de los Españoles“ genannt wurden.

Die ”Anón“, von den Seefahrern des 16. Jahrhunderts ausführlich beschrieben, ”wächst auf kleineren Bäumen, hat eine dunkelgrüne Färbung, schuppige Schale, und wenn sie reif ist – ganz im Gegenteil zu ihrem äusseren Aussehen – öffnet man sie mit einem leichten Druck der Hand. Offen, präsentiert die Frucht ein weiches, cremiges Fleisch, das im Mund zergeht und einen herrlichen Geschmack hinterlässt – ausserdem auch viele kleine, harte Samen– mit glatter, glänzender Oberfläche“.

Diese Beschreibung passt genau auf die Annona squamosa, welche unter allen Anonaceae die bekannteste ist – und auch die meist angebotene auf den freien Märkten und brasilianischen Supermärkten – obwohl genau diese nicht aus Brasilien stammt.

De facto gibt es für die Einführung dieser Frucht in Brasilien sogar genaue historische Daten. Nach Pio Corrêa war es das Jahr 1626, in dem der Conde de Miranda den ersten Baum dieser Spezies in Bahia pflanzte – und es war im Jahr 1811 als ein französischer Agronom, auf den Wunsch von König Dom João VI. hin, den Baum in Rio de Janeiro einführte. Ausserdem nimmt man an, dass einige andere wilde Varietäten der Pflanze von den Antillen die Amazonasregion erreichten und sich dort zu Unterformen entwickelten, noch vor der Eroberung durch die Europäer.

Den vielen Wanderungen zufolge, welche diese delikate Frucht im Lauf der Geschichte hinter sich gebracht hat, hat die spanischen ”Anón“ die verschiedensten Namen in den unterschiedlichen Regionen angenommen, in denen sie aufgetaucht ist und unter der Bevölkerung beliebt wurde. Im Norden und Nordosten Brasiliens nennt man sie ”Ata“ – im Interior von São Paulo und in Minas Gerais und Rio Grande do Sul nennt man sie ”Araticum“ – und in Bahia kennt man sie am besten unter ”Fruta–do–Conde“ oder einfach ”Pinha“. Und sie wird fast im ganzen Land angebaut. Normalerweise isst man sie am besten in natura, aber das Fruchtfleisch eignet sich bestens auch für Säfte und sogar Speiseeis.

Noch im 16. Jahrhundert, im selben Masse, wie die Europäer das Südamerika eroberten und sich in dem neuen Kontinent festsetzten, entdeckten sie auch neue Varianten von ähnlichen Früchten. Und weil sie einander so ähnelten – nach Clara Inés Olaya – nannten die ”Conquistadores“ sie einfach alle ”Anón“ – ohne je die unterschiedlichen Namen kennengelernt zu haben, mit denen sie von den Indianern bezeichnet wurden. Und es ist durchaus anzunehmen, dass die brasilianischen Arten ebenfalls einer solchen Verallgemeinerung zum Opfer fielen.

Unter allen Früchten unseres Planeten gibt es keine kompliziertere Familie als die der Anonaceae – was den Standpunkt der unzähligen Variationen betrifft, der Ähnlichkeiten unter ihnen und der unterschiedlichen volkstümlichen Namen, welche sie im Lauf der Geschichte erhielten.

Die ”Araticum–do–Cerrado (Annona crassiflora) ist noch eine unter vielen. Mit diesem Namen ist sie in der Zentralregion Brasiliens bekannt, in den Cerrados, nach denen sie ihren Namen trägt. Als ”Marolo“ bezeichnet man sie dagegen im gesamten Süden von Minas Gerais, wo sie wild wächst.

Aber kommen wir einmal auf die beiden Sorten zurück, die wegen der besonderen Qualität ihres Fruchtfleisch sicher zu den begehrtesten gehören: die “Araticum” mit rosa Fruchtfleisch – sie ist weicher und süsser – und die mit gelblichem Fruchtfleisch, sie ist weniger weich und etwas säuerlich im Geschmack. In beiden Fällen ist allerdings der Prozess zur Gewinnung des Fruchtfleisches – das man, wie bei anderen Früchten auch, in tiefgefrorenem Zustand exportieren könnte – eine manuelle Tätigkeit, die wenig lohnend ist. Aber unter dem einen oder dem anderen Namen ist die Frucht jedermann in Brasilien bekannt und wird auch überall gern gegessen – auf den offenen Märkten findet man sie kistenweise im Angebot – oder am Rand der Strassen wird sie von lokalen Einwohnern während der Erntezeit angeboten.

Unter den nativen brasilianischen Früchten, die sich nicht in kultivierte Arten veredeln lassen, ist die ”Araticum–do–Cerrado“ eine mit der häufigsten Nutzung innerhalb der Küche. Ausser ihrem Konsum in natura gibt es unzählige Rezepte für Süssigkeiten und Getränke, zu denen man den würzigen Geruch und Geschmack ihres Fruchtfleisches zusetzt, um sie zu veredeln – so kann man ”Batidas“, Liköre, Erfrischungsgetränke, Plätzchen, Kuchen, Eiscremes, Gelees, Gelatines, Kompottes, Puddings, und viele andere Leckereien mit der ”Araticum“ angenehm abrunden.
 

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