Essen und Trinken

Veröffentlicht am 27. November 2009

casa-da-feijoadaEin so immens grosses Land wie Brasilien, in dem sich so viele unterschiedliche Völker niedergelassen haben, die alle ihre ihnen eigene Kultur mitbrachten, ihre angestammten Sitten und Gebräuche und nicht zuletzt auch ihre typische Küche und ihre Essgewohnheiten einführten, bietet heute seinen Besuchern eine breite Palette von Spezialitäten, die buchstäblich keinen Wunsch offen lassen. In den grossen Städten, wie São Paulo, Rio de Janeiro, Belo Horizonte, Brasília, Salvador oder Recife – um nur einige zu nennen – haben sich Küchenmeister aus aller Welt und von Weltklasse niedergelassen. Die verführerischen Düfte aus ihren Töpfen und Pfannen vereinen ein touristisches Rassen- und Völkergemisch in einträchtiger Bewunderung vor den köstlichen Kreationen ihrer internationalen Kochkunst.

Der wahre Gourmet allerdings ist stets auf der Suche nach einem bisher unbekannten Reiz seiner ausgeprägten Geschmackssensoren, und deshalb möchte er – wenigstens zwischendurch – auch mal etwas Landestypisches auf seinem Teller haben. In Brasilien findet er sein Paradies – und das besondere Geheimnis seiner Küche liegt in den verwendeten Gewürzen, die vornehmlich von den drei Säulen der brasilianischen Kultur beeinflusst worden sind: der afrikanischen – wie zum Beispiel dem Dendé-Palmöl und der Kokosmilch, der portugiesischen – wie zum Beispiel dem kalt gepressten Olivenöl, und der indianischen – wie zum Beispiel den nativen Kräutern, dem roten Pfeffer, Ingwer, Koriander, Muskat und vielen anderen.

Vom Rio Oiapoque bis zum Rio Chuí – um mit diesen beiden Grenzflüssen den extremen Norden und den extremen Süden Brasiliens zu definieren – werden Sie in diesem kontrastreichen Land, grösser als Europa, eine ebenso kontrastreiche Küche entdecken – und mindestens so vielseitig wie in Europa! Eine Küche, in der Reis und manchmal auch Maniok die Grundlage bilden, in der Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte und Geflügel meisterhaft verarbeitet werden und viele exotische Gemüse und tropische Früchte als Beilagen auf den Tisch kommen. Eine gesunde Küche, in der es noch üblich ist, sämtliche Zutaten frisch vom Markt zu verwenden – und nicht aus dem Gefrierfach! Das werden Sie als Gourmet sofort herausschmecken.

Scheuen Sie sich also nicht, gute Restaurants im Norden, Nordosten, Mittelwesten, Südosten oder Süden aufzusuchen – am besten auf Empfehlung von den Einheimischen – um ihre regionaltypischen Menüs kennen zu lernen und zu probieren. Sie werden bestimmt erstaunliche Entdeckungen machen!

DIE BRASILIANISCHE KÜCHE

Das brasilianische Nationalgericht heisst “Feijoada” – es stammt aus der Küche der afrikanischen Sklaven und war ein “Arme-Leute-Essen”: In diesem Eintopf wurden Reste verarbeitet, welche die Herrschaft ihren Sklaven überliess, wie Schweinsohren, Rüssel, Füsse und Schwanz, vom Rind die Zunge und gewisse Innereien. Die Sklaven assen sie mit Bohnen und Reis, sowie einem Blattgemüse – ähnlich unserem Grünkohl – den sie in feine Streifen schnitten und in Öl und Knoblauch dünsteten. Die Cariocas lieben die Feijoada mit all ihren ungewöhnlichen Teilchen – mehr als alles andere! Ohren, Rüssel, Schwänzchen und Füsschen – dazu die scharf gewürzten Würstchen, den frisch-grünen Kohl, die Farofa aus Maniok und die dekorativen Orangescheibchen. Dazu einen Caipirinha als Aperitiv und viel eisgekühltes Bier zum Essen. Wenn Sie einen schwachen Magen haben, dann müssen Sie nicht auf dieses exotische Gericht verzichten: schieben Sie einfach eine säurebindende Tablette nach – und schon sind Sie fit für den Nachschlag! Zu einer Feijoada Completa (Komplett-Feijoada) gehört unbedingt auch eine Ambulanz an der Eingangstür!

churrasco2Das zweite Nationalgericht stammt von den Landsleuten aus dem Süden, den Gaúchos, und heisst Churrasco. Es besteht aus unterschiedlichen Arten von Fleisch, die über dem Holzkohlen-Grill zubereitet werden. Die Cariocas haben nach Angaben einiger Küchenchefs auch dieses, einstmals für ihren Geschmack etwas rudimentäre Gericht, inzwischen wesentlich verfeinert und ihm gewissermassen eine “gourmetrische Schönheitsoperation” angedeihen lassen – besonders hinsichtlich seiner Beilagen. Und so ist der Churrasco in ganz Brasilien zum erfolgreichsten Repräsentanten der Küche aufgestiegen – auch unter den internationalen Touristen.

Den Churrasco selbst tragen die Kellner auf grossen Spiessen zwischen den Gästen umher – der tropfende Saft wird mit einem kleinen Teller unter dem Spiess vom Rock oder Hosenbein des Gastes ferngehalten – dann der Spiess auf den Teller des Gastes aufgesetzt und ihm das Stück, auf welches er mit seiner Gabel deutet, herunter geschnitten (bitte mit der Gabel nur deuten – nicht hinein stechen, denn das gilt auch hier nicht als fein!). Dabei verlangt auch die Auswahl von Seiten des Gastes einige Fleischerfahrung, um sich jeweils die ihm genehmsten Stücke zu ergattern – nicht zu fett, medium gegrillt etc. Auf den verschiedenen Spiessen befinden sich immer ganz unterschiedliche Fleischsorten – diese grosse Auswahl macht den besonderen Fleischreiz für Kenner aus.

An der fast 8.000 Kilometer langen Küste sollten Sie natürlich besonders ihre Delikatessen aus Fisch und den unterschiedlichsten Meeresfrüchten probieren, welche zum Beispiel in Bahia besonders exotisch und köstlich zubereitet werden.

Wir haben für Sie einige Rezepte für Salat, Fisch, Fleisch, Beilagen und Desserts zum Nachkochen ausgewählt. Dabei müssen wir allerdings gestehen, dass wir hie und da die eine oder andere exotische Zutat weggelassen haben – einfach deshalb, weil sie auf europäischen Märkten nicht zu finden ist – oder wir haben sie durch eine ähnliche ersetzt. Auf jeden Fall wird es Ihnen gelingen, ein Pseudo-Menü zu fabrizieren, welches Ihre Brasilienträume sicher ganz angenehm unterstreichen wird.

Sicher, über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, und die Regeln werden von unserem Appetit, dem Zustand unseres Magens und auch dem unserer Seele bestimmt. Aber wir wollen einmal versuchen, Ihnen “den Mund ein wenig wässrig zu machen” in Vorfreude auf ein echtes brasilianisches Menü (wenn Sie Brasilien dann besuchen gehen) – haben wir in unserem BrasilienPortal auch mal die Küchentür für Sie geöffnet – und zwar zu Spezialitäten und Besonderheiten aus allen Bundesstaaten:

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