Korubo

Veröffentlicht am 31. Juli 2014

Die Korubo, auch als “Índios caceteiros“ (Keulen schwingende Indianer) bekannt, weil sie riesige Kriegskeulen als Waffen handhaben, leben in der Mündungsregion der Flüsse Ituí und Itaquaí, im Tal des Rio Javari. Der grösste Teil ihrer Bevölkerung (mehr als 200 Personen) sind noch ohne Kontakt mit der nationalen Bevölkerung und haben sich in die Isolation zurückgezogen – sie bewegen sich zwischen den Flüssen Ituí, Coari und Branco. 1969, nach vielen vergeblichen Versuchen, gelang es Mitarbeitern der FUNAI eine kleine Korubo-Gruppe zu kontaktieren.

Nach dieser Begegnung mit jener FUNAI-Equipe begannen die Korubo mit regelmässigen Besuchen in den Dörfern der “Matis“, von denen einige Mitglieder der FUNAI-Equipe als Dolmetscher gegenüber den Korubo gedient hatten. Heute hat sich diese kleine Gruppe in zwei Kommunen am unteren Rio Ituí niedergelassen.

Der vorliegende Text präsentiert eine Übersicht von Daten jener Population, die man in den 90er Jahren kontaktiert hat. Ergänzende Informationen, welche die isolierten Korubo betreffen, werden im Text extra erwähnt.

Korubo

Andere Namen: keine
Sprachfamilie: wahrscheinlich “Pano“ – noch nicht identifiziert
Population: Kontakt mit 27 Personen (FPEVJ, 2010) – zirka 200 noch ohne Kontakt
Region: Bundesstaat Amazonas
INHALTSVERZEICHNIS
Namen
Sprache
Lebensraum
Bevölkerung
Geschichte des Erstkontakts
Der offizielle Kontakt mit der FUNAI
Kulturelle Aspekte

nach obenNamen

Man kennt noch keinen Terminus mit dem sich die Korubo selbst bezeichnen. Einige Forscher haben den Terminus “Dslala“ als Selbstbezeichnung dieses Volkes identifiziert. Wo hingegen jüngste Forschungen der “Frente de Proteção Etno-ambiental Vale Javari (FPEVJ)“ zu der Überzeugung kommen, dass es keine Selbstbezeichnung gibt, die von allen Korubo angewendet wird.

Nach Aussage von Pedro Coelho wurde ihnen die Bezeichnung “Korubo“ von den benachbarten Matis verliehen. Und die bestätigen, dass “Korubo“ ein Eigenname aus ihrer Namenskunde ist. Einer der Matis-Indios erklärte die Bedeutung des Wortes “Korubo” so: “Koru” ist so “von Sand bedeckt” – “mit Asche” – durch Lehm verschmutzt”. Die Korubo beschmieren sich mit Lehm, um die Moskitos abzuwehren – so erscheinen sie schmutzig, bedeckt mit “Koru“ (Arisi, 2007:108).

Philippe Erikson (1999:74) stellt die Hypothese auf, dass “Korubo“ eine Allgemeinbezeichnung für “Feind“ sein könnte. In einem Kommentar über die Ethnonymen (Volksbezeichnungen) der nördlichen Pano-Völker hebt dieser Autor hervor, dass die “Kulina-Pano“ bestätigen, eine Gruppe ausgelöscht zu haben, die am “Igarapé Esperança“, einem Zufluss des Rio Curuçá gelebt hat, die unter der Bezeichnung “Korubo“ bekannt waren. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass es sich dabei nicht um jene Indios handelte, die wir heute als “Korubo“ kennen.

nach obenSprache

Die Korubo unterhalten sich in einer Sprache, die noch nicht identifiziert werden konnte, aber wahrscheinlich zur linguistischen Familie “Pano” gehört, denn sie ähnelt den Sprachen, welche von den Matis und von den Matsés (Mayoruna) gesprochen werden, die in Nachbarterritorien der Korubo leben. Wegen dieser linguistischen und geografischen Nähe versteht und spricht der grösste Teil der Korubo die Sprache ihrer Nachbarn, besonders die der Matis.

Man weiss, dass jene kleine Korubo-Gruppe, die man 1996 kontaktieren konnte, die Matis sehr gut versteht, einer Ethnie, mit der sie eine gute Beziehung aufrecht erhalten. Dazu muss man erklären, dass beide Gruppen vor dem Kontakt mit der FUNAI sich feindlich gegenüber standen und eine lange Geschichte der Rivalitäten und der Kriege hinter sich haben. Und wegen dieser Geschichte, die geprägt ist von Morden, Raub und Zerstörung der Wohnstätten, haben die Matis immer noch Angst vor jenen “wilden Korubo“ die in der Isolation leben.

Der Einfluss, den die Matis heute auf die kontaktierten Korubo ausüben, ist gross und deutlich. Ein Beispiel ist die Sprache der Matis, welche von den Korubo eingesetzt wird, um sich mit den Mitgliedern der “Frente de Proteção Etno-ambiental Vale Javari“ zu verständigen, die in diesem Fall Matis-Angehörige als Dolmetscher einsetzen. Die Korubo verstehen zwar auch die Sprache der Matsés – wie schon erwähnt – sie ist ihnen jedoch nicht so geläufig wie die der Matis.

Einige Korubo, die öfter Kontakt mit den Repräsentanten der Kontakt-Front pflegen, verstehen und sprechen die portugiesische Sprache einigermassen, sodass mit ihnen auch eine direkte Kommunikation möglich ist. Die Gruppe ist daran interessiert, besser Portugiesisch zu lernen, in der Absicht, besser mit der nationalen Gesellschaft umgehen zu können. Sie hören immer sehr gespannt zu, wenn die Matis von ihren Besuchen in der Stadt erzählen und ihre Neugierde ist offensichtlich. Auf der anderen Seite, obwohl sie bereits eine gewisse Kenntnis der portugiesischen Sprache besitzen, vermeiden sie es, sich in dieser Sprache zu unterhalten – sie ziehen die Sprache der Matis vor (oder verlangen nach den Matis als Dolmetscher). Um mit den Mitgliedern der FUNAI zu kommunizieren. Ausserdem merkt man, dass sie sogar einige Worte der Matis in ihr eigenes Vokabular aufgenommen haben.

Die Wertschätzung der Matis durch die Korubo, so hat man ebenfalls festgestellt, geht weit über den sprachlichen Bereich hinaus. Sie verteidigen die Matis in vielen Situationen – sowohl verbal als auch physisch – besonders bei gelegentlichen Konflikten mit Mitgliedern anderer Ethnien oder mit Funktionären der FUNAI.

nach obenLebensraum

Die Korubo bewohnen die Region der Flüsse Ituí und Itaquaí – letzterer ist ein rechter Nebenfluss des Rio Javari, nachdem auch das IT benannt ist, in dem sie sich befinden – es liegt im extremen Westen des Bundesstaates Amazonas und dehnt sich aus bis zur Grenze Brasiliens mit Peru.

Im IT “Vale do Javari” existieren ausser den Korubo und anderen isolierten Gruppen, weitere sieben Ethnien, die mit der nationalen Gesellschaft unterschiedliche Kontakte unterhalten: “Kanamari, Kulina Pano, Kulina Arawá, Marubo, Matis, Matsés (Mayoruna) und eine kleine Gruppe, die sich “Tsohom Djapá“ nennt. Diese Region ist insofern von besonderer Bedeutung, als von den Flüssen Rio Manu und Rio Purus in Peru bewässert wird und in ihr noch die grösste Anzahl isolierter Indios existiert.

nach obenBevölkerung

Die Zählung der kontaktierten Korubo durch die “Frente de Proteção Etno-Ambiental Vale do Javari“ im Jahr 2007 ergab 26 Personen. Allerdings starb gegen Ende dieses Jahres ein Kind durch ein angeborenes Problem – so sind es nur noch 25 Korubo.

Die männlichen Mitglieder dominieren, und das erschwert neue Ehen: Es sind 14 Männer und 11 Frauen (sechs der letzteren sind noch Kinder und die anderen sind bereits verheiratet). Einer der unverheirateten Männer hat vor, sich eine Partnerin aus der Mitte der isolierten Korubo zu holen. Aber dieses Vorhaben ist recht schwierig und gefährlich, denn er riskiert, dass sie ihn erschlagen.

Gegenwärtig werden die Korubo von verschiedenen Krankheiten heimgesucht, wie zum Beispiel der Malaria (zu Beginn des Jahres 2008 waren sämtliche Mitglieder von diesem Virus infiziert) und anderen Krankheiten, die aus dem Kontakt mit der nationalen Bevölkerung resultieren. Im Monat Mai des Jahres 2008 registrierte eine Arbeitsgruppe der FUNASA (Fundação Nacional de Saúde – Gesundheitsorganisation), zusammen mit dem Militär und verschiedenen Gesundheits-Institutionen, in der Absicht, die häufigsten Krankheiten der Indios in den Griff zu bekommen, vier Fälle von Hepatitis C bei den Korubo. Bei dieser Gelegenheit stellte man fest, dass zwei Korubo mit dem Virus der Hepatitis B infiziert waren, sich jedoch von selbst erholten, und mehr als 50% noch nie geimpft worden waren.

Sehr wahrscheinlich ist, dass die Krankheit durch die Matis eingeschleppt worden war, wenn man bedenkt, dass diese Indios häufige Besuche in den Städten “Atalaia do Norte“ und “Benjamin Constant“ machen, Gebiete mit grosser Konzentration von Virus-Krankheiten, wie Hepatitis B (VHB) und C (VHC) und dem HIV Virus. Dazu kommt noch die Tatsache, dass die Hepatitis-Viren A, B und C unter den Matis progressiv gewütet haben, und so entstand ein schneller Anstieg dieser Krankheiten in den einzelnen Dörfern.

Es wurde bereits erwähnt, dass die Matis ganz allgemein von den Korubo sehr geschätzt werden. Und die Matis nutzen ihrerseits diese positive Verbindung mit den Korubo, indem sie in ihren Malocas (Häusern) übernachten, wenn sie auf dem Weg in die umliegenden Städte sind, denn die beiden Korubo-Dörfer liegen am gleichen Fluss aber etwa auf halbem Weg nach “Atalaia do Norte“ oder “Benjamin Constant“.

nach obenGeschichte des Erstkontakts

Es gibt Berichte von sporadischen Kontakten mit der Gruppe seit den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Nach einer Aufstellung der Konflikte im “Vale do Javari“ (Tal des Rio Javari) von 1996, erarbeitet vom ehemaligen “Departamento de Índios Isolados“ (Abteilung für isolierte Indios) datiert das älteste Massaker der Indios Korubo aus dem Jahr 1928, als mehr als 40 Korubo von einer Gruppe Peruaner, unter Begleitung von Ticuna-Indios, getötet wurden.

Gegen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts begann die wirtschaftliche Ausbeutung des Javari-Tals getrieben von der steigenden Latex-Nachfrage. Viele Indios wurden gezwungen, wie Sklaven zu dieser Aktivität ihren Beitrag zu leisten, im Tausch gegen ein paar Industrieartikel und ihres eigenen Überlebens. Sie hatten nur zwei Alternativen: Entweder arbeiteten sie für die so genannten “Gummibarone“, oder sie wurden erschossen. In diese Zeit fällt die Ausrottung verschiedener indigener Völker, und diejenigen, die überlebten, waren auf wenige Mitglieder dezimiert.

Einige Jahre nach Beginn der Latex-Ausbeutung in Amazonien, kam eine Periode wirtschaftlicher Stagnation, weil sich inzwischen die von Henry Wickham aus Brasilien heraus geschmuggelten Ableger der Hevea brasiliensis in den englischen Kolonien Asiens soweit entwickelt hatten, dass die Engländer das brasilianische Gummi-Monopol auf dem Weltmarkt mittels niedrigerer Preise brechen konnten. Der Preisverfall löste dann die allgemeine Pleite der brasilianischen Latex-Unternehmen aus und das hatte zur Folge, dass sich die Nicht-Indios aus ihren Besetzungen des Javari-Tals zurückzogen. Daraufhin gelang es den indigenen Überlebenden, sich neu zu strukturieren. Trotzdem hörte der Druck von Expansionsfronten zur Besiedelung der Region nicht auf. Die Völker, welche auf der so genannten “Terra firme“ (Festland) des Javari-Tals wohnten, hielten sich versteckt bis in die 50er Jahre, als die Aktivitäten der Edelholzextraktion sich auszubreiten begannen und ihre Territorien erreichten.

Jetzt kam es zu den ersten Konflikten mit den “isolierten“ Indios. Sogar des Militär sprang ein, um die indigenen Völker der Region zugunsten peruanischer und brasilianischer Unternehmer zu vertreiben, die sich von ihnen in ihrem Interesse bedroht fühlten, sich das Land unter den Nagel zu reissen.

In den 70er Jahren war dann ein grosser Teil des Javari-Tals von Siedlern an den Ufern der Flüsse bereits besetzt, die sich als legitime Besitzer des Gebiets fühlten. Sie nutzten die Arbeitskraft der “zahmen“ Indios aus und rotteten jene aus, die sich ihnen widersetzten – die so genannten “wilden Indios“. Die Korubo gehörten – und gehören noch immer – zu den “wilden Indios“, die das imaginäre Kollektiv der Region bevölkern.

Darüber hinaus fand im gleichen Jahrzehnt in diesem Gebiet eine Invasion des brasilianischen Erdöl-Unternehmens PETROBRAS statt, mit einem reflexionsseismischen Forschungsprojekt, für das man Lichtungen in den Regenwald schlug und Explosionen auslöste. Diese umweltschädlichen Aktivitäten vertieften den Konflikt zwischen Indios und Weisse in diesem Gebiet und trugen dazu bei, die angespannte Situation weiter zu verschärfen und zwangen die isolierten Gruppen – unter ihnen auch die Korubo – sich weiter zurückzuziehen.

Die FUNAI begann ihre Arbeit im Javari-Tal im Jahr 1971, indem sie die Eröffnung der Strasse “Perimetral Norte“ unterstützte (eine Piste, die nördlich des Amazonas, von Ost nach West, durch den Regenwald angelegt wurde – praktisch parallel zur “Transamazônica“, die südlich des Amazonasstroms verläuft). Dazu installierte sie in dem Ort “Atalaia do Norte“ die “Base Avançada de Fronteira do Solimões” (Vorgelagerte Grenz-Basis des Rio Solimões) und schuf fünf Kontakt-Fronten im Innern des Javari-Tals. Ihre Mehrheit fing an, die bereits kontaktierten Indios zu versorgen, und später wurden sie in “indigene Aussenposten“ umgewandelt.

Der “Posto Indígena de Atração (PIA) Marubo“ wurde 1972 gegründet, am rechten Ufer des Rio Itaquaí, etwas oberhalb des “Igarapé Marubo“. Eine Equipe unter Leitung von Sebastão Amâncio da Costa hatte vor, einen friedlichen Kontakt mit den isolierten Indios aufzunehmen, die als “Keulenschwinger“ in der Region bekannt waren, eine Bezeichnung, die den Korubo von der regionalen Bevölkerung verliehen worden war. Zu jener Zeit nahmen die FUNAI-Beamten an, dass es sich um eine abgespaltene Marubo-Gruppe handele.

Ein Jahr nach der Einrichtung des PIA, nachdem bereits einige Kontakte mit der isolierten Gruppe stattgefunden hatten, fand ein Überfall der Korubo auf diesen Posten statt, bei dem die Familie des Beamten Moisés getötet wurde. Noch im gleichen Jahr geschah ein weiterer Angriff der Korubo, bei dem der Beamte Sebastião Bandeira getötet und der Beamte Bernardo Müller schwer verletzt wurde.

Nach diesen Vorfällen verlegte man den “PIA Marubo“ ans gegenüberliegende Ufer des Rio Javari – etwas unterhalb der Mündungen von Rio Itaquaí und Rio Branco – unter der Leitung des Indianerkenners Valmir Torres. Nach Berichten von Torres erschienen die Indios stets bewaffnet und demonstrierten eine feindliche Haltung, wenn sie das Camp besuchten. Man glaubte, dass ihre Selbstbezeichnung “Kaniwa“ sei (heute weiss man, das “Kaniwa“ in verschiedenen Sprachen der Pano-Familie “Schwager“ bedeutet).

Im November 1974 hatte die Equipe des FUNAI-Postens Kontakt mit den Korubo. Im Folgemonat startete man Flüge, die ihre “Malocas“ (Gemeinschaftshäuser) am linken Ufer des Rio Ituí ausfindig machen sollten. Nach dem “Relatório de Identificação e Delimitação da Terra Indígena Vale do Javari” (Identifikations-Bericht des Javari-Tals) vom Februar 1975“… zirka 200 Korubo präsentieren sich am gegenüber liegenden Ufer des PIA“.

Noch im gleichen Jahr besuchen die Korubo erneut den FUNAI-Posten und bitten um Macheten, Äxte und andere Sachen. Am Tag nach dem Besuch entdeckt die Equipe ein Dorf mit sechs “Malocas“ und zirka 200 Indios. Danach wird der PIA-Posten erneut von den Korubo angegriffen und verliert noch einmal einen Beamten mit Namen Jaime Sena Pimentel (1975). Infolge dieser Episode und wegen der Fehler bei der Annäherung, sowie der andauernden feindlichen Haltung der Korubo, wurde der Posten aufgelöst.

Zu Beginn des Jahres 1982, mit der Gründung des Kontakt-Postens am Rio Itaquaí unter dem Leiter Pedro Coelho, wird ein erneuter Versuch gemacht, die Korubo zu befrieden. Im März berichtet Coelho, dass die Indios die Geschenke angenommen hätten, die seine Equipe an der Annäherungsfront für sie zurück gelassen hatte. Wenige Tage später begegnete die Equipe einer Gruppe Korubo am Ufer des Rio Itaquaí. Der Indio Binan Matis, der im PIA als Dolmetscher tätig war, verstand ein paar der Worte, die sie sprachen. Am folgenden Tag erschienen diese Indios erneut, mit der roten Urucum-Farbe bemalt und ohne Waffen.

Der dritte Kontakt fand einen Monat später statt. Wie beim ersten Mal befand sich die FUNAI-Equipe in einem regionalen Boot – als die Korubo ins Wasser sprangen und zum Boot schwammen, wo sie an Bord gingen und während fünf Stunden mit der Besatzung sprachen – ihr Verhalten schwankte zwischen friedlich und aggressiv. Binan Matis war wieder der Dolmetscher zwischen den Parteien. Bei dieser Gelegenheit stellte man fest, dass ein junger Korubo offensichtlich krank war, wahrscheinlich Malaria. Am Tag darauf erschienen die Korubo am Posten, um weitere Geschenke abzuholen, wurden aber nicht bedient, weil kein Material vorhanden war.

Erst im Juli desselben Jahres kamen die Korubo zurück, niedergeschlagen und abgemagert. Sie blieben vier Stunden – kommunizierten aus der Entfernung, vom gegenüber liegenden Ufer aus. Am nächsten Tag erschienen sie erneut an der gleichen Stelle. Diesmal schwammen fünf von ihnen zum Boot und wurden von der Besatzung verarztet. Sie erzählten, dass in ihrer “Maloca“ weitere Leute krank seien.

Trotz diesen freundschaftlichen Kontakten gab es einen erneuten Angriff der Korubo, bei dem die beiden Angestellten Amélio Wandik Chapiwa und José Pacifico de Almeida ums Leben kamen. Dieser Zusammenstoss führte zur Desaktivierung des PIA. In Wahrheit verwandelte man den FUNAI-Posten in einen Wachposten, der allerdings ebenfalls seiner Aufgabe, Besiedelungsinvasionen von den Territorien der isolierten Indios fernzuhalten, nicht gerecht wurde.

1983 mischte die PETROBRAS wieder mit im Invasions-Chaos, indem sie ein weiteres reflexionsseismisches Forschungsprojekt in einem Gebiet nahe dem ersten “PIA Marubo“ startete. Ein Jahr später wurden zwei Angestellte der PETROBRAS von den Korubo getötet.

Alle diese Ermordungen durch die Korubo waren Antworten auf jene Attacken, die von regionalen Invasoren gegen sie organisiert worden waren – das hat man später von ihnen selbst erfahren. Und weil es keine Aufzeichnungen dieser Attacken gibt, kann man die Zahl der Indios, die bei diesen Überfällen starben oder verwundet wurden, nicht mehr benennen.

Nach dem Tod der beiden Angestellten der PETROBRAS, zum Beispiel, wurden mehrere verbrannte “Malocas” entdeckt und ein toter Korubo. Nach einem Bericht der Konflikte, angefertigt vom “Departamento de Índios Isolados-Funai“, haben Latex-Sammler, eingeflogen von Flávio Azevedo, eine unbekannte Zahl Korubo-Indios am Rio Itaquaí abgeschossen (1979). Eine andere Episode aus dem Jahr 1981: Derselbe Flávio Azevedo, und seine Helfershelfer Manoel Vicente und João Bezerra, verteilten vergiftetes Maniokmehl an eine Gruppe Korubo am Rio Itaquaí. 1985 fand ein “Kanamari-Indio“ einen erschossenen Korubo am Rio Itaquaí. 1986 wurden weitere drei Korubo von regionalen Invasoren getötet.

Unter all diesen Attacken gegen die Korubo, bekannt und berichtet von den regionalen Invasoren selbst, und erfasst von der Registratur der FUNAI, wurden lediglich drei von der Legislative anerkannt. Aber auch diese Schuldigen erfreuen sich weiterhin ihrer Freiheit und die Prozesse sind stillgelegt.

Dann in den 90er Jahren zwangen zwei Zwischenfälle, die mit dem Tod regionaler Siedler endeten, die FUNAI erneut, ihre Annäherungsbestrebungen mit den Korubo wieder aufzunehmen. Und zwar hatte die regionale Administration der FUNAI in “Atalaia do Norte“ erfahren, dass der Präfekt und verschiedene Abgeordnete und Unternehmer derselben Stadt eine Strafexpedition planten, in der Absicht, die Korubo nun endgültig auszurotten.

nach obenDer offizielle Kontakt mit der FUNAI

Die ersten Fortschritte in Bezug auf einen erneuten Kontakt mit den Korubo begannen sich 1996 einzustellen, als man eines ihrer Dörfer lokalisierte. Die Kontakt-Equipe, unter Leitung des Waldläufers Sidney Possuelo, schleppte das Hausboot “Jacurapá“ bis zur Mündung des Rio Ituí, das dort als vorgeschobener Kontrollposten dienen sollte. Ein anderes Hausboot, die “Waiká“, diente als Stützpunkt für die Erkundungs-Touren oberhalb der Mündung, insbesondere zur Überwachung der Kontakt-Hütte – einer prekären, Stroh gedeckten Unterkunft, die von den Mitgliedern der Kontaktfront am Ufer des Rio Ituí errichtet worden war – unweit einem Pfad, der ins Korubo-Dorf führte. Und dort hatte man die Geschenke für die Dorfbewohner deponiert.

Hier ist ein Ausschnitt vom Bericht des Sidney Possuelo das Indio-Dorf betreffend und den Weg, den die Kontakt-Equipe eingeschlagen hatte:

“Wir begaben uns zu den Feldern der Korubo in einer Entfernung von 50 bis 60 Metern zum Dorf. Die Indios erwiderten unsere Gesänge – redeten viel miteinander – zeigten sich aber nicht. Wir schätzten, das sich die Mehrheit der Männer wohl auf der Jagd befand oder sonst wo unterwegs war. Wir blieben nicht länger als 45 Minuten auf den Feldern. Nachdem wir ein paar Geschenke niedergelegt hatten, machten wir uns auf den Rückweg zum Boot – unterwegs öffneten wir einen Pfad in der Absicht, sie einzuladen, uns zu besuchen. Während der zwei Übernachtungen unterwegs wurden wir von ihnen umzingelt – sie zeigten sich nicht, aber imitierten Stimmen verschiedener Tiere, stampften mit ihren Keulen auf den Boden und warfen auch Holzstücke in unser Camp. Ohne weitere Zwischenfälle kehrten wir zurück – jetzt haben wir eine physische Verbindung zu ihnen“.

Am 29. August 1996 fehlten jene Geschenke, die von der Equipe in der Kontakt-Hütte zurück gelassen worden waren. Also hinterliess man noch mehr Geschenke und eine Rispe mit Bananen im Austausch gegen das Maniokmehl, welches von den Korubo verschmäht worden war (kein Wunder nach den bereits gemachten Erfahrungen).

Am 15. Oktober 1996 endlich stabilisierte sich der Kontakt mit dieser Korubo-Gruppe. Damals bestand sie aus 18 Personen, davon vier Frauen, sechs Männer, sechs Jungen und zwei Mädchen. Zu Beginn des Jahres 1998 starben ein Mann und zwei Jungen an Malaria.

Zehn Monate Arbeit nach dem beschriebenen Kontakt vom Oktober 1996 – mit mehr als dreissig Besuchen der Korubo in der Front-Basis – als die FUNAI-Angestellten dieser Basis plötzlich erneut angegriffen wurden und Raimundo Batista Magalhães (Spitzname “Sobral“) mit Keulen erschlagen wurde. Unter den verschiedenen Interpretationen dieses Vorfalls scheint die wahrscheinlichste, dass der Konflikt durch eine Zeltplane ausgelöst wurde, die von den Indios zur Bedeckung einer ihrer provisorischen Hütten um die Basis herum entwendet worden war. “Sobral“ vermisste die Plane, und als er sie bei den Indios fand, riss er sie an sich und zerstörte dabei die primitive Hütte.

Der Tod “Sobrals“ war das Ergebnis einer ganzen Reihe von Fehlern der Front-Mitarbeiter, welche die ihnen eingehämmerten Verhaltensregeln missachteten – besonders “Sobral“ selbst. Unter den auf einem Dokument schriftlich verfassten Regeln gab es zum Beispiel jene, die empfahl, den Korubo aus Sicherheitsgründen stets in ebenbürtiger Personenzahl zu begegnen, eine andere verbot den FUNAI-Leuten, sich ans andere Ufer zu begeben, wenn sich dort die Indios zeigen sollten. Beide Empfehlungen wurden missachtet.

Einige Tage nach diesem Vorfall zeigten sich die Korubo oberhalb der Mündung des Flüsschens “Quebrado“. Nach einem Bericht, aufgezeichnet vom damaligen Chef des “PIA Ituí“, standen sie am gegenüber liegenden Ufer des Ituí und riefen herüber, dass sie etwas zu essen haben wollten und noch andere Sachen. Die Kommunikation wurde von Matis-Indios übersetzt. Jedoch dachte man nicht daran, sich mit dem Boot der Kontakt-Front jenem Ufer zu nähern.

Im November 1998 erschien eine Gruppe von fünf Männern, zwei Frauen und zwei Kindern in dem kleinen Ort “Ladário“, der sich in der Nähe des Zusammenflusses von Ituí und Itaquaí befindet – sie baten um Maniokmehr und Töpfe. Sie verhielten sich friedlich, aber die Bewohner der Kommune reagierten hysterisch, verlangten die Mobilisierung der FUNAI und boten der Administration in “Atalaia do Norte“ ihr Land zum Kauf an.

Der letzte registrierte Angriff durch die Korubo fand 2001 statt, als drei Holzfäller am Rio Quixito getötet wurden. Der Vorfall ereignete sich zur Zeit als die “Frente de Proteção Etno-Ambiental“ (Ethno-Ambientale Schuzfront) eine Lichtung im Regenwald anlegte, um dort einen zweiten Wachposten zu installieren.

Im Jahr 2000 hatten einige Korubo dem Sanitäter Rieli Franciscato von dem letzten Massaker erzählt, dem sie mit knapper Not entkommen waren – das hatte sich ein Jahr vor dem Kontakt ereignet. Der Auszug aus Franciscatos Bericht:

“… noch im Juli 1998, als wir die verletzte Haut eines jungen Korubo behandelten und sie mit einer Salbe einrieben, entdeckten wir etwas, das unsere Aufmerksamkeit erregte und schliesslich von unseren Matis-Dolmetschern aufgeklärt wurde: Es handelte sich um Fragmente von Blei, die an verschiedenen Stellen seines Körpers eingelagert waren. Ohne grossen Enthusiasmus, aber nachdem wir darauf bestanden hatten, Näheres zu erfahren, erzählten uns die Korubo, was geschehen war“.

Die Geschichte kann folgendermassen zusammengefasst werden: Sechs Indios begaben sich in eine ihnen bekannte Pflanzung der “Nawa“ (so bezeichnen sie die Nicht-Indios) um sich ein paar Bananen zu holen und dann in ihr Dorf zurückzukehren. Auf dem Rückweg übernachteten sie an einer Stelle unweit jener Pflanzung. Am zweiten Tag ihrer Rückkehr wurden sie von Männern umzingelt, die ihnen aufgelauert hatten. Sie eröffneten das Feuer, und zwei Korubo, ein Mann und eine Frau, fielen um, während der Rest flüchtete, um sich zu verstecken. Nachdem sich die Angreifer zurückgezogen hatten, kehrten die Indios zu der Stelle zurück – der Mann war tot und die Frau war noch am Leben, starb aber auf dem Heimweg an ihren Verletzungen. Weil sie alle grosse Schmerzen hatten wegen ihrer zahlreichen Verwundungen, konnten sie die Körper nicht begraben und auch nicht nach Hause transportieren.

Die Korubo selbst berichten, dass sie, nachdem sie vor den “Nawa“ geflohen waren, sich an jener Stelle versteckten, an der sie 1996 von der FUNAI kontaktiert worden waren. Nach unter den Korubo gesammelten Beschreibungen und Informationen waren die Urheber jenes Massakers ein paar Bewohner der Kommune “Ladário“, am Zusammenfluss von Rio Ituí und Rio Itaquaí.

Gegenwärtig beschränkt sich der Kontakt mit Nicht-Indios auf die Begegnungen mit den Mitgliedern der FUNAI-Frontkommission – besonders mit jenen, die zur Equipe jenes Postens gehören der am Zusammenfluss der beiden schon erwähnten Flüsse eingerichtet worden ist. Und ein ums andere Mal begeben sich die Korubo auch in den Ort “Atalaia do Norte“, um sich dort medizinisch versorgen zu lassen.

nach obenDie Korubo-Kommunen

Die kleine Korubo-Gruppe des Kontakts von 1996 ist heute unterteilt in zwei Kommunen am unteren Rio Ituí: Die eine befindet sich in Nachbarschaft zur Basis der Kontakt-Front, und die andere befindet sich an der Stelle der antiken Kommune “Mário Brasil“. Man hat festgestellt, dass die Korubo ihren Kommunen keine Namen geben. Aber inzwischen hat man erfahren, dass sie jene antike Kommune “Mário Brasil“ mit “Tapalaya“ bezeichnen.

Jede Korubo-Kommune besteht aus einer grossen “Maloca“ (Gemeinschaftshaus), in dem mehr als eine Grossfamilie unterkommt, und einige kleinere Hütten, in denen weniger Personen leben. Ihre “Maloca“ ähnelt jener der Matis, mit kleinen Unterschieden: Es gibt nur einen oder zwei Eingänge, aber keine lateralen Öffnungen. Die neueste Maloca hat ein bisschen Ähnlichkeit mit den regionalen Häusern auf Stelzen – sie präsentiert äusserlich eine traditionelle Form, aber ihre Inneneinrichtung ähnelt den Häusern der “Ribeirinhos“ (Flussbewohner) – mit einer hängenden Struktur aus “Paxiúba“. In einigen traditionellen Häusern findet man Vertiefungen im Boden, um dort die Kriegs- und Jagdkeulen griffbereit aufzubewahren – direkt unter den Hängematten, die sie von der FUNAI-Funktionären und den Matis eingetauscht haben. Zwischen den Balken, die das Dach tragen, befinden sich die privaten Wohneinheiten, durch die aufgespannten Hängematten gekennzeichnet.

Vor den Malocas führen Pfade zu den Pflanzungen von Maniok, Bananen, Pupunha und dem traditionellen Mais.

Es gibt keinen FUNAI-Posten in den Kommunen, aber die Gruppe wird seit 1996 von der Equipe der “Frente Proteção Ethno-Ambiental Vale do Javari“ betreut, die mit der “Coordenação Geral de Índios Isolados (CGII-Funai)“ zusammenarbeitet. Zu den Mitarbeitern dieser Equipe gehören auch indigene Helfer, wie Matis, Marubo, Mayoruna und Kanamari. Ein von der FUNASA eingesetzter Sanitäter ergänzt die Equipe.

Der Wach- und Schutzposten am Zusammenfluss von Ituí und Itaquaí – die Front-Basis – kontrolliert und dokumentiert die Begegnung mit denjenigen, die den Fluss hinauf oder hinunter fahren, inklusive der Bewohner des IT, um die Invasion von nicht autorisierten Personen und den möglichen Kontakt mit den Isolierten zu verhindern – ausserdem dient sie als Barriere gegen ausbeuterische Fronten von Natur-Ressourcen. Alle Personen, die vorbeikommen, werden stets von der Präsenz der Isolierten in Kenntnis gesetzt und von den Risiken, die ein Kontakt dieser indigenen Bevölkerung bringen kann – besonders hinsichtlich der Verbreitung von Krankheiten.

nach obenKulturelle Aspekte

Die Rituale dieses Volkes zu beschreiben, ist noch nicht möglich, da die meisten nicht mehr durchgeführt werden, nachdem die Trennung von der antiken Gruppe stattgefunden hat, die immer noch in der Isolation verharrt. Die kleine befriedete Gruppe besteht hauptsächlich aus Jugendlichen, die keine Gelegenheit mehr hatten, ihre Erziehung durch die Älteren fortzusetzen, so fehlen ihnen viele verschiedene Aspekte ihrer eigenen Kultur. Trotzdem veranstalten sie ein paar Tänze und eine Art Wehklagen, das sich mit einem rituellen Gesang mischt.

Was die materielle Kultur betrifft, kann man feststellen, dass die Gruppe fast ausschliesslich folgende Kriegs- und Jagdinstrumente benutzt: das Blasrohr, Pfeile und Bogen, die Keule und eine Art Lanze. Die Spitze des Blasrohrpfeils wird in ein Gift getaucht, das sie aus zwei Lianenarten gewinnen.

Keramik wird zum täglichen Gebrauch benutzt, jedoch wird die Anfertigung von Keramikbehältern langsam vernachlässigt, denn viele traditionelle Artefakte werden inzwischen von Industrieprodukten ersetzt, die sie von den FUNAI-Funktionären und von den Matis bekommen.

Hinsichtlich des Körperschmucks gibt es bei ihnen nicht dieselbe Üppigkeit wie bei den Pano-Stämmen allgemein üblich. Was man als traditionellen Schmuck bezeichnen könnte, ist ein Armreif aus Tucum-Fasern. Vieles, was heutzutage von dieser Gruppe benutzt wird, stammt aus der Verbindung mit den Traditionen der Matis – wie der Armschmuck und das Durchbohren der Ohrläppchen. Die Frauen benutzen einen Gürtel aus Tucum-Fasern, um darin die kleineren Kinder zu tragen.

Ein traditionelle Charakteristik der Korubo ist ihr Haarschnitt: Sie lassen ihre Haare nur von der Kopfmitte bis zur Stirn stehen – der Hinterkopf wird glattrasiert mittels einem Halm von Schneidgras. Und es gibt noch einen anderen traditionellen Haarschnitt, bei dem fast de gesamte Kopf ausrasiert wird – man lässt nur einen zwei Finger breiten Haarstreifen von einem Ohr zum andern stehen.

Die Korubo-Männer konsumieren ein Getränk, welches aus einer Liane hergestellt wird, die sie “Tati“ nennen – damit sie stark werden und geschickte Jäger.

© Ananda Conde, Dezember – 2008
Deutsche Übersetzung/Bearbeitung Klaus D. Günther

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